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Hochhaus am Hardenbergplatz: Stadtplaner kritisieren Wolkenkratzer-Plan

Der Wolkenkratzer vom Hardenbergplatz soll begrünte Terrassen erhalten.

Der Wolkenkratzer vom Hardenbergplatz soll begrünte Terrassen erhalten.

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Christoph Langhof

Die Reaktionen auf den Plan, auf den Hardenbergplatz am Bahnhof Zoo ein Hochhaus zu bauen, kamen prompt. Die Wohlwollenden werteten den Vorschlag der AG City als „Beitrag zu einer wichtigen Debatte“. Zwar sei es eigenartig, dass sich die Arbeitsgemeinschaft, in der sich Gewerbetreibende und Immobilienbesitzer zusammengeschlossen haben, zunächst beleidigt aus dem Planverfahren für den Platz verabschiedet habe und jetzt mit einem gewaltigen Aufschlag zurückkehre. Das sei aber immer noch besser, als im Schmollwinkel zu verharren.

Andere Stadtplaner waren in ihrem Urteil schärfer. Wie berichtet, hatte die AG City vorgeschlagen, am nördlichen Ende des Platzes ein 209 Meter hohes Haus zu errichten. Einen Plan dafür hatte der Architekt Christoph Langhof vorgestellt.

„Naiver kann es ja gar nicht gehen, als an einer solchen Stelle ein Hochhaus bauen zu wollen“, sagte Hans Stimmann, lange Jahre als Senatsbaudirektor Herr über die Einhaltung der Berliner Traufhöhe, und seit Langem ein Kritiker von Hochhäusern an allen möglichen Orten in der Stadt. Sein Vorwurf: Ein solches Haus an diesem Platz löse kein Problem. In Wahrheit leide der Hardenbergplatz daran, „dass der Platz ausgeklinkt ist“. Es sei „ein elend vernachlässigter Raum“, zu dem man schlecht gelange und der zu wenig Aufenthaltsqualität habe.

Stimmann plädiert für den Ausbau der am nördlichen Ende des Platzes beginnenden Hertzallee nach Westen. Die Straße verband einst den Bahnhofsplatz mit dem heutigen Ernst-Reuter-Platz. Vorige Woche war der Siegerentwurf eines Wettbewerbs zur Neugestaltung der Hertzallee vorgestellt worden, die derzeit im weiteren Verlauf versteckt über den Campus der Technischen Universität verläuft. „Die Wiederbelebung dieser Straße wäre enorm wichtig für den Hardenbergplatz“, so Berlins ehemals oberster Bauplaner.

Auch Katrin Lompscher, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linke-Fraktion, zeigt sich über Zeitpunkt und Umstände der Präsentation für ein Hochhaus „mehr als befremdet“. Bezirk und Senat seien zu Recht verärgert, dass die Initiatoren nicht vorher das Gespräch suchten.

Ulrich Becker von UrbanPlan, einer am Planverfahren für den Platz beteiligten Gesellschaft für Projektsteuerung hält die Hochhaus-Idee für abwegig. Er verwies darauf, dass im Entwurf das ohnehin auf kleinem Grundriss gezeichnete Haus nach oben stark verjüngt werde. „Das sieht ja so aus, als gäbe es da oben nur noch eine Wohnung pro Etage. Wie soll das wirtschaftlich sein“, fragt Becker.

Nach Vorstellung der AG City soll das Hochhaus eine Tiefgarage finanzieren. Die Garage als Voraussetzung für jede Bebauung des Hardenbergplatzes ist ein alter Traum von Investoren – und Anlass für Zank mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Aktueller Stand ist, dass der Senat keine Garage will.

Tücken im Baugrund

Tatsächlich dürfte ein Bau kompliziert werden. Sollte man wie geplant Platz für 400 Stellplätze unter einem mehr als 200 Meter hohen Haus schaffen wollen, müsste man sehr tief graben, und das wegen der Nähe zur Spree in einem sehr schwierigen Untergrund. An der nahen Kantstraße haben die Bauleute fast zwei Jahre gebraucht, um die knapp 20 Meter tiefe Baugrube für das nur 118 Meter hohe Upper West abzusichern, das dort bis 2016 entsteht.

Darüber hinaus, sagt Linken-Politikerin Lompscher, könne der Vorschlag nicht darüber hinwegtäuschen, dass „die Stadt keine Idee hat, wie sie mit Investoren-Projekten für Hochhäuser umgehen soll.“ Sei es in Neukölln oder in Hohenschönhausen, oder in der Innenstadt. Jeder Bezirk habe seine eigene Herangehensweise.

Marc Schulte (SPD), Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, verspricht, dass Bezirk und Senat noch diese Woche über die Entwürfe für den Hardenbergplatz sprechen wollen. Noch dieses Jahr solle es dazu öffentliche Veranstaltungen dazu geben.