Neuer Inhalt
Berliner Zeitung | Hoffnung für private Airbnb-Vermieter: Berlin könnte Verbot von Ferienwohnungen lockern
30. June 2015
http://www.berliner-zeitung.de/1608940
©

Hoffnung für private Airbnb-Vermieter: Berlin könnte Verbot von Ferienwohnungen lockern

Es ist nicht immer einfach, die eigene Wohnung zwischenzuvermieten, wenn man zum Beispiel in den Urlaub fährt. Das sollte sich nach dem Stadtrat von berlin-Mitte ändern.

Es ist nicht immer einfach, die eigene Wohnung zwischenzuvermieten, wenn man zum Beispiel in den Urlaub fährt. Das sollte sich nach dem Stadtrat von berlin-Mitte ändern.

Foto:

imago/Christian Ditsch

Das Verbot von Ferienwohnungen in Berlin könnte nach Ansicht von Stephan von Dassel (Grüne) etwas gelockert werden. Wie der Stadtrat für Bürgerdienste im Bezirk Mitte vorschlägt, sollten die Berliner ihre Wohnungen während ihres Urlaubs legal an Touristen vermieten können. „Das schadet dem Wohnungsmarkt nicht. Ansonsten würde die Wohnung in der Urlaubszeit leer stehen“, sagte von Dassel. Grundsätzlich sei das Zweckentfremdungsverbotsgesetz gut, es könne aber mit der Urlaubs-Regelung nachgebessert werden.

Ferienwohnungen sind in Berlin seit 1. Mai 2014 verboten. Zudem dürfen Mietwohnungen nicht gewerblich etwa als Arztpraxis oder Büro genutzt werden. Mit dem Gesetz zum Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum hat der Senat auf den angespannten Wohnungsmarkt reagiert. Für damals bestehende Ferienwohnungen gilt eine zweijährige Übergangsfrist. Betreiber mussten ihre Apartments bei den Behörden melden, 6155 Ferienwohnungen wurden so registriert.

Die tatsächliche Zahl liegt viel höher: Laut Senat gibt es 12.000 Ferienwohnungen. Und nach einer im Juni veröffentlichten Studie des Internetportals Airbnb, das weltweit Ferienzimmer vermittelt, werden in Berlin täglich 11.700 Wohneinheiten mit 34.000 Schlafplätzen angeboten. 1200 Nutzer des Portals bieten mehr als eine Wohnung an, um „damit Geld zu verdienen“, heißt es.

Mehr als 1000 Ferienwohnungen allein in Mitte

Allein in Mitte wurden bisher 1550 Ferienwohnungen registriert, sagt der Stadtrat. 83 Betreiber haben Anträge auf einen dauerhaften Betrieb gestellt, die abgelehnt wurden. Vom Vorstoß des Stadtrats hält der Senat nichts. „Die von Herrn von Dassel ins Spiel gebrachte ,Lockerung’ ist nicht mit der Systematik des Zweckentfremdungsverbots vereinbar“, sagt Martin Pallgen, Sprecher der Stadtentwicklungsbehörde. Das Verbot schütze seit mehr als einem Jahr auch vor Leerstand und Abriss von Wohnraum.

Das Thema Ferienwohnungen wird sich im kommenden Frühjahr zuspitzen, heißt es in der Tourismusbranche. Dann läuft die Übergangsregelung aus. Die Betreiber müssen Anträge bei den Behörden stellen, wenn sie ihre Apartments weiter betreiben wollen. Die Bezirke rechnen daher schon jetzt mit einer Klagewelle, weil sie die Anträge ablehnen werden. Möglich ist auch ein anderes Szenario: Die Betreiber reichen gleichzeitig am 30. April einige tausend Anträge ein, um die Ämter zu überlasten. Denn entscheiden die Behörden nicht spätestens nach 14 Wochen, gilt die Ferienwohnung als genehmigt – für immer.