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Homophobie in Berlin: Schwulenhass auf der Bowlingbahn

Michael Relling (l.) und Michael Krause schieben gern die Bowlingkugel, auch wenn sie in ihrem Sport häufigen Angriffen ausgesetzt sind.

Michael Relling (l.) und Michael Krause schieben gern die Bowlingkugel, auch wenn sie in ihrem Sport häufigen Angriffen ausgesetzt sind.

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Berliner Zeitung/Christian Schulz

Michael Relling freute sich auf sein Hobby. In einem Bowling-Center am Nollendorfplatz bereitete er sich im Februar auf das Training vor. Im Umkleidebereich kam ihm ein Mann entgegen. Er war angetrunken, aggressiv, um die sechzig Jahre alt. Der Mann bedrängte Relling, drohte ihm Prügel an, bezeichnete ihn als Nestbeschmutzer in einer normalen Welt. Begründung für den Angriff: Michael Relling sei schwul und damit ungeeignet für den Männersport Bowling.

Wenn Relling über diesen Vorfall redet, wird seine Stimme ganz leise. Er hatte in Berlin nie Probleme gehabt, deshalb wollte er auch in seinem Lieblingssport um Toleranz werben. Mit Freunden gründete er vor zwei Jahren die Rosa Elefanten, das erste bekennend homosexuelle Bowling-Team der Stadt. Die Mannschaft wurde von der Fachvereinigung Bowling zunächst auf Probe aufgenommen. Sie erhielt Auflagen, sollte nur in schwarzer Kleidung spielen, ohne Symbole der Schwulenbewegung. Mehrfach wurden die Rosa Elefanten von ihren Gegnern verunglimpft und diskriminiert. „Viele Teams haben gegen uns nicht ihre besten Formationen aufgeboten“, sagt der 43-Jährige. „Sie nehmen uns nicht ernst. Wir müssen immer besser spielen als alle anderen, um akzeptiert zu werden.“

Sie fanden kaum Sponsoren

Die Rosa Elefanten haben in einer Bowling-Halle in Wedding begonnen, dort erhielten sie meist die Außenbahnen. Weil die Spieler auf dem Heimweg oft beschimpft wurden, verlegten sie ihr Training nach Schöneberg, wo viele Homosexuelle leben. Doch auch dort fanden sie kaum Sponsoren und mussten sich immer wieder rechtfertigen. In einem Internetportal hat Relling nach neuen Mitgliedern gesucht, mehr als 120 Interessierte haben die Anzeige aufgerufen, gemeldet hat sich niemand.

Hin und wieder hört er von Spielern anderer Teams, die ihre Homosexualität verstecken und biografische Fakten erfinden, um nicht aufzufallen. „Es gibt Leute, die bei uns spielen würden, aber wegen des Drucks lieber fern bleiben“, sagt Relling. Er habe überlegt, den Teamnamen zu ändern oder abzukürzen. Immer wieder ertappt er sich dabei, dass er sein Verhalten hinterfragt, seine Rhetorik, seine Körpersprache. „Es wird uns eingeredet, dass wir die Täter sind, dabei sind wir Opfer.“ Doch er möchte den Sport nicht auf das Negative reduzieren, viele Freundschaften hat er auf der Bahn geschlossen, viele Spieler würden ihn unterstützen. „Ich bin stolz, bei den Rosa Elefanten zu spielen“, sagt Bernd Mücke, einer der wenigen Heterosexuellen im Team.

Auch Michael Krause kennt das Gefühl, als Täter bezeichnet zu werden, er ist Vorsitzender des Gemeinschaftlichen Bowlingclubs Berlin. Ein Drittel der GBC-Mitglieder ist homosexuell, auch Krause. Schon nach der Vereinsgründung im Juli 2012 wurde den heterosexuellen Spielern von ihren Gegnern eine Rechtfertigung abverlangt: Wie können sie bloß in einem solchen Verein spielen? Ein A-Lizenz-Schiedsrichter bezeichnete das Team als „Schwuchteln“.

Das Thema Diskriminierung wurde verboten

Krause suchte Hilfe beim Verband, dem Berliner Bowling-Verein (BBV). „Geholfen hat uns niemand. Sie wollen es unter den Tisch kehren“, sagt er. „Auf einer Mitgliederversammlung wurde uns verboten, das Thema Diskriminierung anzusprechen. Einige Funktionäre machen einen Bogen um uns und verweigern uns den Handschlag.“ Auf Anfrage der Berliner Zeitung teilte die Führungsriege des BBV mit, im Mai und Juni keine Zeit für ein Interview zu haben. Krause hat sich an den Landessportbund Berlin gewandt, an die Schwulenberatung und an die Antidiskriminierungsstelle des Senats. Und er hat Strafantrag gegen den Schiedsrichter gestellt. Am Mittwoch wurde der zu 40 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt.

Doch es geht Krause nicht nur um Sanktionen, er möchte auch die Prävention stärken. Am Sonnabend findet ein Bowlingsportfest gegen Homophobie statt. In der Berolina Bowling Lounge sollen Spieler, Initiativen und Politik ins Gespräch kommen. Unterstützung erhalten die Organisatoren von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Die Bowlingverbände haben einen Zuschuss verweigert. Auf der letzten Hauptversammlung hatte Michael Krause den Antrag gestellt, eine Sanktionsmöglichkeit gegen Diskriminierung in die Satzung aufzunehmen. Der Antrag wurde abgelehnt.

Bowlingsportfest: Sonnabend 10-18 Uhr, Kleiststraße 3-6, Schöneberg.