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Hooligans: Immer mehr gewalttätige Fußballfans in Berlin

Zuschauer stürmten im Jahr 2010 ein Spiel von Hertha gegen den 1. FC Nürnberg. Seitdem kam das im Olympiastadion nicht mehr vor.

Zuschauer stürmten im Jahr 2010 ein Spiel von Hertha gegen den 1. FC Nürnberg. Seitdem kam das im Olympiastadion nicht mehr vor.

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picture alliance / dpa

Sie reizt nicht das Spiel, sie sind auf Krawall aus: Die Zahl der polizeilich registrierten Gewalttäter unter den Fußballfans ist in Berlin gestiegen. Die Polizei führt 232 Personen unter der „Kategorie C“(gewaltsuchend), die zum Umfeld der Vereine Hertha BSC, 1. FC Union, BFC Dynamo und TeBe Berlin gehören. Das geht aus der Antwort von Innensenator Frank Henkel (CDU) auf eine Anfrage der Grünen hervor, die der Berliner Zeitung vorliegt. Der Anstieg ist beträchtlich: 2013 waren 195 Kategorie-C-Fans erfasst und 2012 sogar nur 145. Weitere 1250 Fußballfans aus der Anhängerschaft der vier Vereine sind bei der Polizei als „gewaltbereit“ unter der „Kategorie B“ eingestuft. Im Vorjahr waren es noch 1190.

In der Antwort auf die Parlamentarische Anfrage nennt Henkel auch Zahlen, inwieweit Hooligans auch „der rechten Szene zugehörig“ sind. Demnach sind es bei Hertha 17, bei Union 13 und beim BFC 54. Nach Einschätzung des Senats ist die Berliner Fanszene überwiegend unpolitisch. Von Bestrebungen, Ultra- oder Hooligangruppen, Vereine, Fanclubs und Ordnungsdienste zu unterwandern, weiß er nichts.

Allerdings verweist Henkel darauf, dass es bei Hertha eine Gruppierung namens „Buckower Szene“ gibt und bei Union eine namens „Crimark“, bei denen rechte Tendenzen „nicht auszuschließen sind“, wie Henkel vorsichtig formuliert. Crimark tauchte 2012 im Verfassungsschutz des Landes Brandenburg auf. Der 1. FC Union hat Banner dieser Gruppierung im Stadion inzwischen verboten.

Problem Amateurliga

Auch wenn die Zahl der registrierten Gewalttäter steigt: Im Umfeld der Berliner Proficlubs wird weniger randaliert. Denn die Sicherheitsmaßnahmen dort greifen offenbar inzwischen. Nach Angaben von Polizeisprecher Thomas Neuendorf sank bei Hertha die Zahl der Straftaten wie das illegale Abbrennen von Bengalfackeln, Sachbeschädigungen und Körperverletzungen von 214 im Vorjahr auf 171. Bei Union ging diese Zahl leicht von 121 auf 119 zurück. Gab es in der Saison 2011/12 noch fünf größere Ausschreitungen bei Spielen, so waren es in der Saison danach noch zwei. In der vergangenen Saison gab es überhaupt keinen Krawall.

„Wir haben gute Erfahrungen gemacht und die Zusammenarbeit mit den Vereinen ist gut“, sagt Polizeisprecher Neuendorf. „Die Straftaten sinken, die Polizei muss weniger Beamte einsetzen“, sagt auch Bodo Pfalzgraf von der Deutschen Polizeigewerkschaft. Dass die Polizei mehr Gewalttäter registriert, bedeutet laut Pfalzgraf, „dass die Polizei und auch die Vereine ihre Hausaufgaben machen“. Gleichwohl fordert er, dass die Fußballverbände sich an den Kosten der Polizeieinsätze für krawallträchtige Veranstaltungen beteiligen.

Spiel musste abgebrochen werden

Sorgen macht der Polizei hingegen das Geschehen in den unteren Ligen. Immer wieder kommt es dort zu Auseinandersetzungen. In der vergangenen Spielsaison wurden 63 Spiele wegen Ausschreitungen vorzeitig abgebrochen. Im Mai mussten sogar an einem einzigen Tag sechs Spiele vorzeitig beendet werden. Unter anderem waren in Reinickendorf zwei A-Jugendmannschaften aneinandergeraten. Mit einem Großaufgebot war die Polizei an jenem Tag auch in Schöneberg. Spieler und ein Teil der Zuschauer schlugen sich.

Zuletzt musste ein Schiedsrichter am Dienstag das Bezirksligaspiel zwischen dem SC Lankwitz und Cimbria Trabzonspor abbrechen, weil sich Spieler prügelten.

Der Berliner Fußballverband hat analysierte, ob es bei den Amateurspielen Gewaltschwerpunkte gibt. „Wir haben keine gefunden“, sagt Verbandssprecher Kevin Langner. „Es gibt keine Problemvereine, es waren immer Einzeltäter.“ Angesichts von 66 abgebrochenen Spielen verweist Langner darauf, dass 35 000 Spiele pro Saison in Berlin fair und friedlich verliefen. Und: „Wir stellen fest, dass Vereine die Täter nicht mehr schützen, sondern anzeigen.“