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Humboldt-Forum: Der Innenausbau des Berliner Schlosses birgt einige Risiken

Die Schlosshülle wächst, über das Innenleben wird noch nachgedacht.

Die Schlosshülle wächst, über das Innenleben wird noch nachgedacht.

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Dpa

Manfred Rettig geht im richtigen Moment. Der Rohbau steht, die Kosten stimmen, der Terminplan ebenso. Rettig hat die Großbaustelle tadellos im Griff, dieser Erfolg wird mit ihm verbunden bleiben. Den mit deutlich größeren Risiken und Unwägbarkeiten behafteten Innenausbau müssen nun andere stemmen.

Es gibt Anzeichen, dass der Plan nicht gehalten werden kann, ein Abweichen von der Linie unter Umständen sogar geboten scheint. So fehlt es noch immer an einem Gesamtkonzept für dieses so ehrgeizige Projekt, an einer überwölbenden Idee, welche die ethnologischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die geschichtliche Selbstdarstellung des Landes Berlin sowie die Humboldt-Universität mit den im Erdgeschoss geplanten Veranstaltungsräumen sinnstiftend zusammenbinden könnte. Diese Debatte wurde in den vergangenen Jahren nicht geführt.

Arbeit am Konzept

Nun soll es Neil MacGregor richten, der Wundermacher aus London, wo der Schotte bis Ende 2015 das British Museum leitete. Ab diesem Donnerstag ist das prominenteste Mitglied der Gründungsintendanz, der auch der Präsident der Preußenstiftung, Hermann Parzinger, und der Kunsthistoriker Horst Bredekamp angehören, in Berlin. Die Arbeit beginnt. Höchste Zeit! MacGregor wird eigene Akzente setzen und die Planung von Parzingers Museen an mancher Stelle aufwirbeln. Dafür ist der 69-Jährige letztendlich berufen worden. Anpassungen der Planung werden somit unausweichlich sein.

Bevor aber die Kreativarbeit angegangen werden kann, muss der organisatorische Rahmen stehen. Eine Betriebsgesellschaft mit den Namen „Humboldt Forum Kultur GmbH“ wird als Tochter der Schlossstiftung die Intendanz beheimaten und Ausstellungen oder Veranstaltungen verantworten, finanziert vom Kulturstaatsministerium mit 3,5 Millionen Euro im Jahr 2016. Als möglicher Geschäftsführer ist der Direktor der Berliner Antikensammlung, Andreas Scholl, im Gespräch, der schon als Kulturbeauftragter im dann dreiköpfigen Vorstand der Stiftung gehandelt wurde – auf Augenhöhe mit Rettig. Entschieden wird die Personalie im März. Wo aber werden die Büros der Kultur GmbH sein? Wie viele Mitarbeiter wird sie haben? All diese Fragen sind offen. Dabei sollte die GmbH seit 1. Januar arbeiten.

Holprig ist auch die Finanzierung des Innenausbaus. Im Bundeshaushalt sind 32 Millionen Euro für den Ausbau ausgewiesen, damit sollen Vitrinen und Ähnliches, also die Museumshardware beschafft werden. Zum Vergleich: Für das ungleich kleinere Museum der Moderne, das am Kulturforum errichtet werden soll, stehen 90 Millionen Euro zur Verfügung.

Probleme mit Software

Für die Restaurierung von Objekten, deren Transport oder mit der für eine moderne Präsentation nötigen Soft- und Hardware stand kein Geld zur Verfügung. Hätte der Haushaltsausschuss des Bundestags Ende vergangenen Jahres nicht kurzfristig zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt, wäre die Arbeit ins Stocken geraten.

Angesichts dieser Unwägbarkeiten ist der Abschied von Manfred Rettig nachvollziehbar. Ein flughafenähnliches Debakel muss deshalb noch lange nicht drohen.