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Humboldt-Universität Berlin: Große Mehrheit für Sabine Kunst

Neue Präsidentin der Humboldt-Universität: Sabine Kunst.

Neue Präsidentin der Humboldt-Universität: Sabine Kunst.

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dpa

Die geheime Wahl des Hochschul-Konzils dauerte nur wenige Minuten, danach stand fest: Sabine Kunst wird die neue Präsidentin der Humboldt-Universität. Brandenburgs Wissenschaftsministerin bekam bei der Abstimmung am Dienstagmorgen 49 von 57 abgegebenen Stimmen. Sechs Mitglieder votierten gegen sie, zwei Stimmen waren ungültig.

Ihr neues Amt in Berlin wird Kunst im Sommersemester antreten. Wann genau, könne sie derzeit noch nicht sagen, erklärte sie. Sie wolle erst ihre Angelegenheiten in Brandenburg ordnen und sich dabei eng mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) abstimmen.

Scheeres: „Richtige Frau zur richtigen Zeit am richtigen Ort“

„Das ist ein überwältigendes Abstimmungsergebnis“, sagte Sabine Kunst im Anschluss an die Wahl. Nach der Anhörung und vielen Gesprächen vor der Wahl habe sie nicht mit einer so großen Zustimmung gerechnet. Auch in der Berliner Wissenschaftsverwaltung machte sich Erleichterung breit.

Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) bezeichnet Sabine Kunst für die HU als „richtige Frau zur richtigen Zeit am richtigen Ort“. Als anerkannte Wissenschaftlerin, erfahrene Hochschulmanagerin sowie mit der richtigen Mischung aus Teamgeist, Fingerspitzengefühl und Durchsetzungsstärke wird sie die starke Humboldt-Universität noch stärker machen. Das hervorragende Wahlergebnis im Konzil sei nicht nur ein Zeichen der Anerkennung für Kunst, sondern mache auch deutlich, „dass die HU geschlossen in die Zukunft geht“.

Die Suche nach einem Nachfolger von Jan-Hendrik Olbertz, der schon vor einem Jahr angekündigt hatte, dass er nicht mehr kandidieren würde, hatte sich als schwieriger als gedacht erwiesen. Vor allem, nachdem der Präsidentschaftskandidat Martin Lohse im November überraschend absagte.

Eine ausgewiesene Fachfrau

Mit der 61-jährigen Professorin, die in den Bereichen Umweltbiotechnologie, Bauingenieur- und Vermessungswesen sowie Politikwissenschaft promoviert hat, rückt eine ausgewiesene Fachfrau an die Spitze der Humboldt-Universität. George Turner, Wissenschaftssenator a. D., nannte sie vor kurzem eine „Allzweckwaffe“. Ehe sie ins Brandenburger Kabinett eintrat, war Sabine Kunst Präsidentin der Universität Potsdam und Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Sie gilt als durchsetzungsstark und hervorragend vernetzt.

Wer für Sabine Kunst ins Brandenburger Kabinett nachrückt, ist noch unklar. Die Staatskanzlei teilte mit, es gebe dazu keine Auskunft, bevor Sabine Kunst ihr Amt überhaupt angetreten habe. Als aussichtsreiche Kandidatin gilt Martina Münch (SPD), die das Amt schon von 2009 bis 2011 inne hatte.

Zu ihren Zielen an der HU sagte Kunst, die Traditionsuniversität sei schon jetzt dank ihrer exzellenten Forschung und Lehre von enormer Bedeutung für die Entwicklung der Hauptstadt. „Gemeinsam mit den anderen Berliner Hochschulen und Forschungseinrichtungen will ich den Forschungsraum Berlin noch stärker zu einem internationalen Brennpunkt der Wissenschaft ausbauen.“ Sie wolle darüber hinaus auf die Grundfinanzierung der Universität schauen. „Es gibt hier eine Differenz zu anderen Berliner Hochschulen.“

Wichtig seien nun die Vorbereitungen für die nächste Exzellenzinitiative, auch in Kooperation mit anderen Berliner und Brandenburger Universitäten, sagte Kunst. Außerdem wolle sie dafür arbeiten, dass Studierenden eine gute Bildung und Lehre ermöglicht würden. Dabei sei ihr eine gute Kommunikation mit den Studierenden besonders wichtig.

Kanzler oder Vizepräsident?

Manches Problem, das in den vergangenen Wochen diskutiert wurde, halte sie dagegen für übertrieben, so die designierte Präsidentin – etwa dass die HU mit ihren Verwaltungsstrukturen „unregierbar“ sei, wie Kritiker meinen. Und dass die HU deshalb statt einen Vizepräsidenten für den Haushalt wie andere Universitäten einen Kanzler brauche.

Jan-Hendrik Olbertz hatte sich in dieser Frage nicht durchsetzen können. Sabine Kunst sagte dazu am Dienstag: Ob Kanzler oder Vizepräsident - ihr sei wichtig, dass es einen Profi gebe, der in Sachen Haushalt und Technik „substanzielle Erfahrung und einen Überblick über die Finanzen hat“. Außerdem gehe es beim Amt des Präsidenten nicht darum, zu „regieren“, sondern darum, gute Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre zu schaffen.

Wer am Dienstag gegen die einzige Kandidatin votierte, war bei der geheimen Wahl nicht ersichtlich. Dem Konzil der HU gehören 61 Mitglieder an, Hochschullehrer, Akademische Mitarbeiter sowie Verwaltungsmitarbeiter und Studierende. 57 stimmten ab.

In der Anhörung vor der Wahl vor einer Woche hatten Studierendenvertreter Kunst mangelhafte Kommunikation bei der umstrittenen Fusion der BTU Cottbus und der Fachhochschule Lausitz sowie bei der Novellierung des Brandenburger Hochschulgesetzes vorgeworfen. Ihnen missfiel auch, dass Kunst Vorsitzende des Vereins Uni-Assist war, über den viele deutsche Hochschulen Bewerbungen von ausländischen Studierenden gegen Gebühr abwickeln. Kunst sagte, sie sei offen für Vorschläge, wie die HU auf Uni-Assist verzichten könne.

Der Vorsitzende des Konzils, Michael Seadle zeigte sich überzeugt, dass Kunst die Richtige sei, um die Humboldt-Universität in den kommenden fünf Jahren weiter zu entwickeln und „zu einer noch stärkeren Gemeinschaft von Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitern zu machen“. Begrüßenswert sei auch, dass mit ihr eine Frau an der Spitze der Universität stehe. Das ist erst das zweite Mal in der mehr als zweihundertjährigen Geschichte der Uni der Fall – nach Marlis Dürkop-Leptihn, die Anfang der 1990er Jahre HU-Präsidentin war.