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Berliner Zeitung | Immobilienmarkt in Berlin: 8000 neue Wohnungen pro Jahr
28. February 2014
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Immobilienmarkt in Berlin: 8000 neue Wohnungen pro Jahr

Wenn in Berlin gebaut wird, sind es oft Luxus-Wohntürme. Soll das die Lösung für Berlins Wohnungsproblem sein?

Wenn in Berlin gebaut wird, sind es oft Luxus-Wohntürme. Soll das die Lösung für Berlins Wohnungsproblem sein?

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dpa

Neue Wohnungen in Berlin werden dringend benötigt – und die Immobilienwirtschaft ist bereit diese zu liefern. Jedenfalls, wenn die Bedingungen stimmen. Matthias Klussmann, Vorstandschef des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) in Berlin/Brandenburg sagte am Freitag, dass es zurzeit Verhandlungen mit dem Senat über ein Neubau-Bündnis gebe. Der BFW sei bereit, den Bau von 6000 Wohnungen durch seine Unternehmen pro Jahr zuzusagen. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) erklärte, die Mitglieder seines Verbandes könnten rund 2000 Wohnungen bauen.

Klussmann sagte, es müsse aber sichergestellt werden, dass Investitionen nicht durch eine zu restriktive Mietengesetzgebung durch die Bundespolitik abgewürgt werden. Auf Landesebene müsse gesichert werden, dass die Investoren nicht durch die Abschöpfung von Planungsgewinnen über Gebühr zur Kasse gebeten werden.

Planungsgewinne entstehen dort, wo sich durch die Schaffung von Baurecht der Wert der Grundstücke erhöht. Der Senat will solche Gewinne über städtebauliche Verträge mit den Investoren abschöpfen beziehungsweise in den Bau der sozialen Infrastruktur investieren. So sollen Kitas, Spielplätze und Grünflächen bezahlt werden. Auch ein Anteil an preiswerten Mietwohnungen soll entstehen.

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) sagte am Freitag bei der Vorstellung des Wohnungsmarktberichts der Investitionsbank Berlin, es gehe hier um eine Gratwanderung. „Wir wollen privates Engagement nicht abwürgen, wir brauchen es.“ Auf der anderen Seite halte sich sein „Mitleid in Grenzen“. Das was hier in Berlin durchgesetzt werden soll, sei in anderen großen Städten und Bundesländern längst geübte Praxis.

Die Politik hält zurzeit den Bau von jährlich rund 10.000 Wohnungen in Berlin für nötig. 1000 Wohnungen davon sollen über eine neue Wohnungsbauförderung zu Mietpreisen zwischen 6 und 7,50 Euro je Quadratmeter an bedürftige Haushalte vermietet werden.

Das Ziel von 10.000 Wohnungen pro Jahr halten Experten in Anbetracht der steigenden Einwohnerzahl nicht für ausreichend. Daniel Hofmann vom Gewos Institut sagte, es müssten mehr Wohnungen gebaut werden. Stadtentwicklungssenator Müller bekräftigte, für den Bau werde auch das Tempelhofer Feld benötigt.