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In Berlin werden die Kita-Plätze knapp

Knapp 70 Prozent aller Ein- bis Dreijährigen besuchen in Berlin eine Kita.

Knapp 70 Prozent aller Ein- bis Dreijährigen besuchen in Berlin eine Kita.

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dpa/Uli Deck

Eltern müssen längere Wege in Kauf nehmen, um ihre Kleinen morgens in die Kita zu bringen. Denn in Berlin werden die freien Kita-Plätze knapp, derzeit sind lediglich vier Prozent aller verfügbaren Plätze nicht belegt. Das ergab nun eine parlamentarische Anfrage der Linke-Abgeordneten Katrin Möller.

Besonders hoch ist Auslastung der Kitas demnach in Reinickendorf (98 Prozent), Lichtenberg, Treptow-Köpenick (je 97,1 Prozent) und Marzahn-Hellersdorf (97 Prozent). Da die Daten Ende Dezember erhoben wurden, ist davon auszugehen, dass es derzeit faktisch noch weniger freie Plätze gibt.

Denn erst zum neuen Schuljahr werden wieder zahlreiche Kinder die Kita in Richtung Schule verlassen. Verschärfend kommt hinzu, dass die Kinder künftig drei Monate später schulpflichtig werden. Über 93 Prozent aller Drei- bis Sechsährigen gehen in eine Kita oder zu Tagesmutter oder -vater.

„Die Plätze werden knapper“, sagt Roland Kern vom Dachverband der Kinder- und Schülerläden (Daks). „Wir müssen permanent weiter ausbauen.“ Gerade kleinere Elterninitiativ-Kitas würden zudem zunehmend aus der Innenstadt verdrängt, weil Vermieter die Gewerbemietverträge nicht verlängern würden.

Nur 16 Prozent der Flüchtlingskinder gehen in die Kita

Kern sagt, dass in den vergangenen Jahren über 30 Kitas betroffen gewesen sein, besonders in Kreuzberg und Neukölln, wo das Mietniveau stark steigt.Die Bevölkerung Berlins wächst und damit auch die Kinderzahl.

Innerhalb des vergangenen Jahres stieg die Zahl der Kinder, die eine Kita besuchen, um 5000. Auch die vielen Flüchtlingskinder im Kita-Alter haben ab einem Jahr einen Rechtsanspruch auf Betreuung. Im vergangenen Jahr hieß es, dass tatsächlich nur etwa 16 Prozent dieser Flüchtlingskinder in eine Kita gehen. Oft wollen sich die Eltern nach einer langen Flucht nicht von ihren Kindern trennen. Doch plant die Bildungsverwaltung auch „Sprungbrettangebote“, um in Unterkünften für den Kita-Besuch zu werben.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass 2011 93,4 Prozent der Kita-Plätze besetzt waren, inzwischen sind es 95,9 Prozent. Eine Wahlfreiheit haben Eltern also in vielen Kiezen nicht mehr. Relativ viele freie Plätze gibt es derzeit noch in Neukölln und in Pankow, wo zuletzt besonders viele Kitas entstanden sind. Roland Kern vom Daks hält auch die Landeszuweisungen, die freie Träger für die Miete erhalten, für problematisch.

Zudem sollten bei Neubauprojekten nicht nur Mietobergrenzen für bestimmte Wohnungen, sondern für die soziale Infrastruktur wie Kitas festgelegt werden, fordert Kern. Über 77 Prozent aller Kita-Plätze werden von freien Trägern angeboten.

Untätig ist der Senat keineswegs. In den vergangenen Jahren sind schätzungsweise 20.000 Kita-Plätze entstanden, allerdings hatte man ursprünglich mit einer Entspannung ab 2016 gerechnet. Derzeit arbeitet die Verwaltung daran, den Kitabedarf der neuesten Bevölkerungsprognose angepasst.