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Berliner Zeitung | In eigener Sache: Uns reicht es!
26. January 2016
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In eigener Sache: Uns reicht es!

Justitia, die römische Göttin der Gerechtigkeit.

Justitia, die römische Göttin der Gerechtigkeit.

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dpa

Dass Diskussionen in den sozialen Netzwerken mitunter hitzig verlaufen – geschenkt. Dass Nutzer in Online-Foren verbal über die Stränge schlagen – kann passieren. Dass in sozialen Netzwerken aber zu Gewalt gegen Einzelpersonen aufgerufen wird – das ist nicht hinzunehmen. Und deswegen werden wir als Berliner Zeitung jetzt juristisch gegen alle vorgehen, die unsere Redakteure bedrohen und diffamieren. Eine erste Strafanzeige wurde gestellt.

Es geht um unsere Berichterstattung zum Fall des 13-jährigen Mädchens aus Marzahn. Angeblich wurde es von zwei Männern entführt und stundenlang vergewaltigt. Seit gut einer Woche sorgt diese Geschichte auf Facebook und Twitter für einen Sturm der Entrüstung. Ein breiter Teil der Gesellschaft stellt sich gegen Gewalt – und das ist auch gut so. Doch von Anfang an tauchten Zweifel an der Erzählung des Mädchens auf. Die Polizei widerspricht den Behauptungen. Für ein klares Urteil gibt es nicht genug Fakten. Darüber hat unser Redakteur Andreas Kopietz berichtet. Und das ist unsere Aufgabe. Doch für Fakten und legitime Fragen ist bei diesem Thema – wie bei vielen anderen – im Internet kein Platz.

Besonders in den sozialen Netzwerken greift eine „Jeder-Gegen-Jeden-Mentalität“ um sich. Menschen verbergen sich hinter Nicknames. Sie nutzen die vermeintliche Anonymität, um andere zu bedrohen und aufs Übelste zu beleidigen. Längst haben auch Social-Media-Macher das Problem auf die Agenda gehoben. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat angekündigt, endlich gegen Hasskommentare vorzugehen. Kommentare wie die von Twitter-Nutzerin Jule zum Beispiel.

Sie schreibt unter ihrem Account @MissKittyKawaii an unseren Redakteur: „Erweise Deutschland einen Dienst und scheide freiwillig aus dem Leben.“ Kurze Zeit später erklärt sie, es sollte legal sein, unserem Autoren „wenigstens die Fresse zu polieren“. Andere bezichtigen den Journalisten der Hetze – und schlimmer noch.

Immer wieder haben wir solche und ähnliche „Shitstorms“ über uns ergehen lassen. Jetzt reicht es. Wir werden gegen solche Nutzer auch künftig juristische Schritte einleiten. Es darf nicht sein, dass einige Menschen im Internet mit Verleumdungen, Drohungen und Beleidigungen die Meinungs- und Deutungshohheit erlangen.

Arno Schupp, Ressortleiter Berlin/Brandenburg


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