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Interview: Berliner Linken-Chef gegen Cannabis-Verbot

Der Joint glüht: Berlin praktiziert den bundesweit liberalsten Umgang beim Cannabiskonsum. Für Kenner ist Berlin die Kiffer-Hauptstadt, Konsumenten fürchten eine zunehmende Kriminalisierung.

Der Joint glüht: Berlin praktiziert den bundesweit liberalsten Umgang beim Cannabiskonsum. Für Kenner ist Berlin die Kiffer-Hauptstadt, Konsumenten fürchten eine zunehmende Kriminalisierung.

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AFP

Berlin -

Herr Lederer, jeder dritte Berliner beantwortet die Frage, ob er schon einmal Haschisch geraucht hat, mit Ja. Und Sie?

Auch Ja!

Schon mal, oder auch aktuell?

Ebenfalls Ja!

Wie häufig kiffen Sie denn? Täglich?

Sie würden mich ja auch nicht fragen, wie viel Gläser Wein ich im Monat trinke…

Och …

und darauf kommt es ja auch gar nicht an. Im Übrigen zeigen diese Fragen schon, wie schief die Debatte über Cannabis läuft. Andere Süchte, wie die nach Kaffee, Alkohol oder auch die Spielsucht werden vielleicht auch hinterfragt, aber sie gehören zur gesellschaftlichen Normalität, der Konsum ist historisch gewachsen. Das ist bei Cannabis nicht so.

Und dagegen wollen Sie was tun?

Der Haschisch-Konsum muss entmystifiziert werden. Vielen gilt Cannabis immer noch als gefährlich und gehöre verboten. Dabei muss man zwei Fragen klären: Was bedeutet Cannabis-Konsum für den Konsumenten? Und wie geht der Staat damit um? Aufklärung über mögliche Gefahren ist entscheidend. Das gilt so und so. Also: Wie gehe ich mit Cannabis um, damit es mich nicht gefährdet? Und: Wie geht die Gesellschaft, in diesem Fall Gesetzgeber, Staatsanwälte und Richter, mit mir als Konsumenten um? Da bin ich als Verbraucherschutz- und als Rechtspolitiker gefragt.

Was sagen Sie als Rechtspolitiker zur aktuellen Rechtslage. Gänzlich freigeben? Den Besitz reglementieren? Komplett verbieten?

Verbieten bringt gar nichts. Eine Prohibition führt nur zu Kriminalisierung und dazu, dass der Konsum gefährlicher wird, weil niemand weiß, was für Zeug aus welchen Kanälen auf dem Markt ist. Ich glaube, wir müssen eine rationale Debatte führen. Eine Verschärfung des Eigenbesitzes würde zwar den Verfolgungsdruck erhöhen, unterm Strich aber nichts bringen. Viel besser wäre es, man könnte Cannabis geschützt und auch versteuert anbieten, etwa in Apotheken. Das würde den illegalen Markt trocken legen, die Dealer würden faktisch rausgedrängt. Aber ich halte auch die Gründung von Cannabis-Clubs für eine gute Idee. Dort könnte jeder unter gesellschaftlicher Kontrolle für den Eigenbedarf anbauen.

Die CDU debattiert über eine mögliche Gesetzesverschärfung. Sehen Sie eine Notwendigkeit?

Nein, auch die Zahlen, die Sie von Forsa haben ermitteln lassen, zeigen doch: Wir als Gesellschaft haben mit Cannabis eigentlich kein Problem. Also gibt es keinen Grund zur Verschärfung.

Das Gespräch führte Elmar Schütze.



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