20.02.2012

Interview mit "Clown Ruuudi": „Kommt, lasst uns lächerlich sein!“

Gestreifte  Hose, große Schuhe, eine rote Nase: Jean Peters tritt als  „Clown Ruuudi“ auf.
Gestreifte Hose, große Schuhe, eine rote Nase: Jean Peters tritt als „Clown Ruuudi“ auf.
Foto: Florian Thalmann
Berlin –  

Der Neuköllner Jean Peters unterhält als „Clown Ruuudi“ Kinder und Erwachsene – nicht nur zum Fasching.

Noch einmal fliegen am Dienstag die Luftschlangen, am Aschermittwoch ist dann alles vorbei, Karnevalsmuffel können aufatmen. Nicht aber Jean Peters: Der 27-Jährige ist Clown und greift nicht nur im Februar tief in die Kostümkiste. Er stammt aus Aachen, nicht weit von der Jeckenhochburg Köln.

Seit zehn Jahren lebt er in Neukölln und studiert Politikwissenschaft, an der Humboldt-Viadrina School of Governance in Mitte. Peters ist zudem Mitarbeiter der Europäischen Jugend-Zirkus-Organisation EYCO, wo er sich um Management und Kommunikation kümmert. Bis zu fünfmal im Monat wird er mit bunter Hose und roten Schuhen zu Clown Ruuudi, bringt Kinder und Erwachsene zum Lachen. Neben Klamauk gehören Zauberei, Jonglage und Artistik zum Repertoire, der Preis für 45 Minuten Unterhaltung liegt bei etwa 250 Euro.

Herr Peters, was machen Sie am Faschingsdienstag?

Da trete ich auf. Ich zeige mein Programm auf einer Faschingsparty in einer Steglitzer Kindertagesstätte.

Und danach?

Bereite ich mich auf den nächsten Auftritt vor. Als Clown werde ich ja nicht nur zum Fasching gebucht, sondern auch für Kindergeburtstage und Firmenfeiern.

Warum arbeiten Sie ausgerechnet als Clown?

Es war ein Zufall. Ich bin vor einigen Jahren mit meinem besten Freund zusammengezogen, der Clown war. Er sagte zu mir: Mensch, das ist doch auch etwas für dich. Du hast Spaß auf der Bühne, du magst Kinder, probier das doch mal aus. Ich habe es ausprobiert, er hatte recht. Später bin ich beim Kinder- und Jugendzirkus Cabuwazi in Kreuzberg gelandet. Ich habe internationale Zirkus- und Clownprojekte in Israel und Palästina gemacht, Straßenaktionen und Clownstrainings gegeben.

Was reizt Sie so am Clown-Sein?

Das Besondere ist unter anderem, dass so ein Clown dazu aufruft, die eigene Lächerlichkeit zu schätzen. Sie haftet ja jedem Menschen an, die wird man nicht los. Warum auch, sie ist wunderschön, sie verbindet. Ich sage: Kommt, lasst uns lächerlich sein!

Das gefällt sicher nicht jedem …

Nein, muss es auch nicht. Ich finde es wunderbar, dass die Leute das unterschiedlich sehen, ich will nicht allen gefallen. Ein Clown symbolisiert die Alternative zur Ordnung. Viele Normen werden infrage gestellt. Für viele ist das erstmal beängstigend: Da kommt einer und bedroht meine Ordnung.

Und wie ist das bei Kindern?

Manche Kinder haben Angst, wenn plötzlich jemand auftaucht, der so bunt ist und auf den alle emotional reagieren. Lustigerweise sind es meist eben diese Kinder, die am Anfang weinen, am Ende aber an meinem Bein kleben und mich nicht gehen lassen wollen. Es ist für sie ein Erfolgserlebnis, die Angst überwunden zu haben.

Und was macht Ihnen bei der Arbeit Freude?

Besonders die Momente, in denen ich mit den Kindern spüre, dass wir viel Spaß zusammen haben und so miteinander reden, als würden wir uns schon seit Jahren kennen. Und dass wir uns in kurzer Zeit so viel Vertrauen schenken. Das sind kleine Edelsteine im Alltag, die den Job unglaublich schön machen.

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