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Berliner Zeitung | Interview mit Monika Grütters: Eine städtebauliche Lösung für das Kulturforum
15. November 2014
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Interview mit Monika Grütters: Eine städtebauliche Lösung für das Kulturforum

Monika Grütters, Kulturstaatsministerin.

Monika Grütters, Kulturstaatsministerin.

Foto:

imago/Thilo Schmülgen

Frau Grütters, nach jahrelangem Stillstand ist unter ihrer Ägide der Durchbruch gelungen. Wie kommt das?
Es ist immer gut, wenn man einiges vom Thema versteht und dazu noch eine gewisse Zähigkeit besitzt. Es geht hier nicht nur um den entscheidenden Durchbruch am Kulturforum, sondern auch um den Versuch, eine neue Baupraxis zu erproben. Das Museum der Moderne soll nicht mit der Bundesbaudirektion errichtet werden, sondern mit einem privaten Partner. Bei dem ganzen Verfahren werden wir uns von der ÖPP Deutschland AG beraten lassen. Die sind auf diese Verfahren spezialisiert.

Die ÖPP AG Deutschland ist ein privater Projektentwickler, aber im Eigentum des Bundes. Was für Vorteile bringt deren Mitwirkung?
Wir erwarten, den Bau schneller und kostengünstiger realisieren zu können. Das hat sich etwa am Bundesforschungsministerium gezeigt, das als ÖPP Projekt errichtet wurde.

Der Durchbruch war also, dass die Stifter sich nicht mehr, wie anfangs vorgesehen, an den Baukosten beteiligen müssen, sondern der Bund die Last allein schultert?
Genau, die Sammler brauchten ein starkes Signal, eine verbindliche Zusage des Staates. Sie werden ja auch nicht jünger. Ich hatte auch gewisse Hemmungen, den Sammlern, die uns so großzügig mit ihren Schätzen bedenken, noch für den Bau in die Pflicht zu nehmen.


Hat die Drohung von Ulla und Heiner Pietzsch ihre Schenkung zurückzuziehen, letztendlich die Bewegung in den Prozess gebracht?
Man muss das verstehen. Das sind nicht mehr ganz junge, sehr sensible Persönlichkeiten, die ihre über Jahrzehnte mit Herzblut zusammengetragen Sammlungen zur Verfügung stellen und die über die Jahre natürlich auch die erfolglosen Debatten mitbekommen haben. Besonders Erich Marx bin ich sehr dankbar, dass er jetzt aus seiner Leihgabe im Hamburger Bahnhof eine verbindliche Überlassung gemacht hat. Ich habe das sehr klar und hart verhandelt. Zum einen musste ich die Sammler zu einem verbindlichen Vertrag bewegen und auf der anderen Seite das Projekt in seiner Gesamtheit vorantreiben.

Im Regierungsentwurf stand die Summe nicht drin. So ist es letztendlich den Parlamentariern zu verdanken, dass sie den Bau als notwendig erachteten und das Geld frei gaben.
Vor allem vor dem Hintergrund, dass über die Jahrzehnte rund 1,4 Milliarden Euro derzeit in Berlin für die Museumsinsel ausgegeben werden, war das ein echtes Wagnis, auch noch Geld für einen Neubau einzufordern. Noch dazu ein Haus für die Kunst der Moderne, die eine schwächere Lobby hat als die Alten Meister. Das war wirklich nicht einfach.

Sie haben sich für einen Bau an der Potsdamer Straße ausgesprochen. Ein Teil des Grundstücks ist im Besitz des Hamburger Kaufmanns Eugen Block, ein anderer der Evangelischen Kirche. Können die offenen Eigentumsfragen das Projekt gefährden?
Zu den Grundstücksfragen hatte ich positive Gespräche mit Stadtentwicklungssenator Michael Müller, der für die Bereitstellung der Berliner Grundstücke und diese Neugestaltung des Kulturforums Entgegenkommen und Sympathie gezeigt hat.

Könnte der Kauf des privaten Grundes das Projekt weiter verteuern?
Die Grundstückspreise sind in den 200 Millionen Euro berücksichtigt. Während die Flächen bereitgestellt und das Baurecht geschaffen werden, kann schon parallel mit dem EU-weiten Vergabeverfahren begonnen werden. Sollten 2016 die Zuschläge ergehen, kann man voraussichtlich 2017 bauen und hoffentlich schon 2020 eröffnen.

Was spricht gegen einen deutlich günstigeren Bau an der Sigismundstraße?
Das Grundstück ist deutlich kleiner und bietet weniger Platz für eine Architektur, die der prominenten Nachbarschaft angemessen wäre. Bislang kann die Neue Nationalgalerie – ganz abgesehen von den Sammlungen Pietzsch, Marx und Marzona – nicht einmal ein Viertel ihrer Sammlung zeigen. Außerdem hat der Standort vor der Matthäus-Kirche einen weiteren Vorzug: Es wäre endlich ein Durchbruch in dieser städtebaulich verfahrenen Situation am Kulturforum. Jetzt passiert endlich etwas.

Könnte das Geld noch umgewidmet werden für einen Neubau an der Museumsinsel für die Alten Meister, die bislang in der Gemäldegalerie am Kulturforum residieren, und somit dort Platz machen würden für die Moderne?
Ich bin ganz dankbar, dass sie die Frage stellen, weil mir der Masterplan immer wichtig war und bleibt. Wir bauen an der Potsdamer Straße. Aber damit ist die Geschichte der Alten Meister nicht beendet, weil sie vom Sammlungskontext her auf die Museumsinsel gehören. Dort gibt es zwar die Skulpturen aber die Königsdisziplin der Malerei bis zum 19. Jahrhundert fehlt. Das finde ich schade. Eine Zusammenführung entspräche auch dem Publikumsinteresse. Mittelfristig braucht es die Konzentration. Ich spreche da gerne von einer Fortsetzungsgeschichte. Aber es gibt noch andere Meldung, die mir wichtig sind.

Bitte schön.
Der Bundeskulturhaushalt wurde um 118 Millionen Euro aufgestockt, das ist großartig: Denn auch im Frühjahr gab es schon 90 Millionen zusätzlich. 64 Millionen gehen nach Berlin für das Bauhaus etwa oder die neue Dauerausstellung im Jüdischen Museum. Das ist auch ein starkes Bekenntnis dieser Koalition für die Kultur.

Das Gespräch führte Kerstin Krupp.


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