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Interview mit Puppenspieler René Marik: "Der hat keine Gefühle"

Am Sonnabend um 21 Uhr sind René Marik und sein Maulwurf beim 40-Jahre-Fest an der Parkaue zu sehen.

Am Sonnabend um 21 Uhr sind René Marik und sein Maulwurf beim 40-Jahre-Fest an der Parkaue zu sehen.

Foto:

renemarik.de

Ane Vorbringer -

Einer der prominenten Absolventen des Studiengangs ist Puppenspieler René Marik. Mit der Figur des blinden, sprachbehinderten Maulwurfs „Maulwurfn“, dessen Youtube-Auftritte hunderttausendfach geklickt wurden, wurde der 42-Jährige bekannt. Äußerst auffällig ist die eigenwillige Aussprache der Puppe: „Hage! Jemand ze Hage?“ (Hallo! Jemand zu Hause?).

Sie haben in Siegen Mathe studiert, bevor Sie nach Berlin kamen und Puppenspiel belegten. Haben Sie den Fachwechsel bereut?

Auf keinen Fall. Ich hätte gar nicht gewusst, wo ich mit einem Mathe-Diplom hin soll. Ich wollte nicht für Versicherungen rechnen oder so was.

Wie sind Sie aufs Puppenspiel-Studium gekommen?

Ich bin ja 1993 nach Berlin gegangen und habe in der Rigaer Straße ein Haus besetzt. Dort habe ich eine Puppenspielerin kennengelernt, die mich zu einem Stück in die Schaubude mitgenommen hat. Das war mein erstes Puppenstück und es hat mich total geflasht.

Also ab zur Aufnahmeprüfung ...

... bei der ich was aus „Woyzeck“ vorgespielt habe. Die Puppen habe ich selbst gemacht. Woyzeck war ein Pappmaché-Kopf auf einer Socke und sah aus wie ein Wurm, der Arzt war ein riesiger Fleischerhaken.

Was fasziniert Sie am Puppenspiel?

Dass man keine große Kulisse braucht, um Geschichten zu erzählen. Die Zuschauer können fehlende Dinge frei dazu assoziieren. Es braucht keinen echten Wald, es reicht die Andeutung eines Baumes.

Warum verbinden so viele Menschen das Puppenspiel zuerst mit dem Kasperletheater für Kinder?

Das hat ein Pädagoge in der Weimarer Republik verbockt. Er dachte sich, der Kasper sei ein super Werkzeug zur Kindererziehung und das brachte der Puppe das Stigma ein. Was wir machen, ist letzten Endes Theater, warum soll das nicht für Erwachsene funktionieren? Ich hatte jedenfalls nie die Idee, dass ich für Kinder Puppentheater mache.

„Maulwurfn“ ist ja auch für Erwachsene. Wie ist er denn entstanden?

Den haben Studenten der Ernst Busch gebastelt. Ich habe dieses bisschen Plüsch und Schaumstoff gesehen und mich sofort verliebt. In einer Impro-Show habe ich den Maulwurf das erste Mal ausprobiert, und irgendwann wurde er halt berühmt. Dabei hat er sich seit 1999 kaum weiterentwickelt, außer dass er ein paar mehr Worte gelernt hat. Am Anfang sagte er nur „hage gage“.

Trotzdem gehen Sie mit Maulwurfn und seinem Freund, dem prolligen Eisbär Kalle, auf Abschiedstour ...

Weil ich seit 2007 nichts anderes mache, als mit diesen Figuren zu touren. Ich habe keine Impulse mehr für ein drittes Programm und will mich auch nicht wiederholen. Im Dezember wird der Maulwurf daher das letzte Mal im Tempodrom zu sehen sein.

Und dann wird er Kinostar!

Genau, ich plane noch einen Kinofilm mit meinen Figuren. Arbeitstitel ist „Sein oder nicht’n Gaage!“. Und nach der Leinwandkarriere, was passiert mit Maulwurfn?

Den verkloppe ich bei Ebay. Nee, Quatsch! Er wird einfach in der Kiste bleiben. Ist doch nur ein Stück Plüsch. Der hat keine Gefühle.

Das Interview führte Anne Vorbringer.