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Berliner Zeitung | iPads statt Noten: Berliner Start-up-Campus gründet neue Schule
30. October 2015
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iPads statt Noten: Berliner Start-up-Campus gründet neue Schule

Das Pädagogen-Team mit Schulleiterin Almut Röper und Vize Tobias Hönig (1. und 2. v. l.) auf dem Dach des Factory-Komplexes an der Bernauer Straße.

Das Pädagogen-Team mit Schulleiterin Almut Röper und Vize Tobias Hönig (1. und 2. v. l.) auf dem Dach des Factory-Komplexes an der Bernauer Straße.

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Benjamin Pritzkuleit

Nicht weniger als die Schule des 21. Jahrhunderts soll hier am kommenden Dienstag starten. Da sind sich die Gründer einig. Sie alle stammen aus dem Umfeld des Start-up-Campus Factory in Mitte, der auch vom Weltkonzern Google mitfinanziert wird. New School nennt sich die Integrierte Sekundarschule, die in einer komplett umgebauten, einstigen Lagerhalle am Charlottenburger Spreeufer residiert, heute „The Box“ genannt.

Hausaufgaben und Noten wird es in der bis 17 Uhr geöffneten Ganztagsschule nicht geben und auch keine klassische Unterrichtsstunde im 45-Minuten-Takt. Denn nicht einzelne Fächer werden unterrichtet, sondern die Schüler werden gemeinsam an Projekten arbeiten. „Ein Projekt kann es sein, draußen ein Floß zu bauen“, sagt Schulleiterin Almut Röper.

Englischunterricht per Skype

Die Schüler würden dann die Materialien aussuchen und beschaffen, statische Berechnungen anstellen und womöglich noch auf Englisch via Skype mit einem Floß-Experten in Australien sprechen. Hier kommt dann auch Vize-Schulleiter Tobias Hönig ins Spiel. Er ist einer der Gründer des digitalen Bildungsnetzwerkes Scolibri, in dem virtuell Aufgaben und Informationen für Schüler, Lehrer und Eltern bereitgehalten werden.

Scolibri protokolliert in einer Lerndokumentation, wie oft der einzelne Schüler Unterrichtsinhalte der im Lehrplan vorgeschriebenen Fächer bei der Projektarbeit angewandt hat. Beim Floßbau kämen etwa Biologie, Arbeitslehre, Mathematik und Englisch zusammen. So soll es die Ersatzschule schaffen, die offiziellen Lehrpläne zu erfüllen, ohne herkömmlichen Unterricht anzubieten.An der NewSchool erhält jeder Schüler ein iPad. „Aber das Gerät soll wirklich nur bei Bedarf eingesetzt werden“, sagt Hönig. Auch die Firma Scolibri zieht in das Gebäude in der Gutenbergstraße.

Digitale Lernnetzwerke sind ein heiß umkämpfter Zukunftsmarkt. Das Land Berlin versucht sich derzeit an einer eigenen Lernplattform mit dem Namen Lernraum Schule.

New School will mit 12 ausgewählten Schülern starten. „Wir wollen die Stärken von jungen Menschen stärken, gerade in der Pubertät“, sagt Schulleiterin Almut Röper. Zu diesem Zweck werden Schüler „talents“ genannt, Talente. Bisher würden es Schulen kaum schaffen, die Herausforderungen des digitalen Zeitalters mit pädagogischen Konzepten in Einklang zu bringen, heißt es.

1200 Euro Schulgeld pro Monat

Das alles hat seinen Preis: 10 Prozent des elterlichen Jahreseinkommens werden als Schulgeld fällig, maximal 1200 Euro monatlich. Für Jugendliche aus armen Familien soll es Unterstützung durch Sponsoren geben. Dafür betreut ein Tutor eine zehnköpfige, jahrgangsgemischte Lerngruppe. Ein vertrauensvolles Lehrer-Schüler-Verhältnis soll sich entwickeln.

Hinzu kommen Mentoren, die die Schüler begleiten. Staatliche Zuschüsse wird die Schule erst nach vier Jahren erhalten. Bestens vernetzt in der digitalen Kreativszene sind die Akteure: Schulgründerin und Geschäftsführerin Sabrina Heimig-Schloemer ist die Ehefrau von Factory-Chef Udo Schloemer.