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James-Simon-Galerie: Nächste Panne: Museumsinsel

Erst 2017 fertig: die James-Simon-Galerie.

Erst 2017 fertig: die James-Simon-Galerie.

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© Stiftung Preußischer Kulturbesitz / ART+COM, 2012

Ein neues Baudesaster ist Berlin jetzt sicher. Was schon seit Monaten in den Staatlichen Museen und Bauverwaltungen gemunkelt wurde, bestätigte nun das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR): Der prätentiös James-Simon-Galerie genannte Eingangsbau zur Museumsinsel in Mitte wird nicht wie geplant 2014 oder wie bereits angekündigt 2016 fertig, sondern frühestens 2017. Vielleicht. Die Grundsteinlegung ist auf den Herbst verschoben worden.

Und teurer wird der Bau auch. Es sei zu erwarten, so ein BBR-Sprecher, dass die bisher auf 73 Millionen Euro kalkulierten Baukosten wegen der Verzögerung und unvorhergesehener Bauprobleme steigen. Wie hoch, wird nicht mitgeteilt, obwohl die Kalkulation schon bekannt sei. Doch müsse sie noch genehmigt werden. Intern wird von Endkosten gesprochen, die 85, eher 100 Millionen Euro erreichen.

Vor Baubeginn bereits in der Kritik

Bereits verbaut wurden 34 Millionen Euro. Oder besser: Im Wasser versenkt. Seit drei Jahren schippen Bagger vor dem Neuen Museum Wasser und Schlamm von der einen Baugrube in die andere. Der Eingangsbau zum umstrittenen Schnellrundgang durch das Pergamonmuseum wurde von David Chipperfield entworfen. Wegen seiner ineffizienten Grundrisse und seiner Größe stand er schon vor Baubeginn in der Kritik. Baufachleute, Geologen und Architekturhistoriker haben zudem immer gewarnt: Hier am Kupfergraben sollte man gar nicht oder nur sehr, sehr leicht bauen. Schwimmend sozusagen. Es sei denn, man hat zu viel Geld. Denn der Boden ist wegen einer eiszeitlichen Schlammblase, einem „Kolk“, wahrhaftig bodenlos. Der Eingangsbau soll deswegen ein Fundament aus 1 200 Betonstäben erhalten, die eine Bodenplatte halten. Eine Firma ist bereits an diesem Projekt bankrottgegangen.

Auch die Kalkulationen für den umstrittenen Radikalumbau des Pergamonmuseums werden wohl steigen, allerdings nach Angaben des BBR im Rahmen der Inflation. 2007 wurden 385 Millionen Euro für das bis 2025 reichende Projekt festgelegt. Intern wird auch hier bereits von einer Steigerung auf wenigstens 430 Millionen gesprochen.

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Zum Vergleich: Mecklenburg-Vorpommern muss mit etwa dem gleichen Geld, für das die Preußen-Stiftung in Berlin einen Eingangs-Bau errichten will, alle seine fünf staatlichen Schlösser sanieren. Von einem Umdenken ist in der Preußen-Stiftung bisher nicht die Rede, weder der Pergamonmuseums-Umbau, das Zentraldepot in Friedrichshagen noch der Umbau der Alten Staatsbibliothek stehen zur Debatte. Alle Bauprojekte der Stiftung finanziert seit 2003 der Bund.

Die Baustelle erinnert übrigens an ein anderes Desaster der Berliner Baugeschichte: 1907 wurden für die Errichtung des heutigen Pergamonmuseums damals üppige sieben Millionen Mark kalkuliert. Bereits 1912 war dieses Geld allein für den Tiefbau im Kolk-Wasser verbraucht. Als das Pergamonmuseum 1930 eröffnet wurde, war es mindestens viermal teuer als geplant. Eine Endabrechnung legte der preußische Staat niemals vor.


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