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Berliner Zeitung | Jenny De La Torre-Stiftung: Arztbesuch und Mittagessen
12. December 2012
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Jenny De La Torre-Stiftung: Arztbesuch und Mittagessen

Jenny De la Torre behandelt seit langem auch Patienten, die nicht bei einer Krankenkasse versichert sind.

Jenny De la Torre behandelt seit langem auch Patienten, die nicht bei einer Krankenkasse versichert sind.

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Berliner Zeitung

Berlin -

Zu ihr kommen Menschen, die auf der Straße leben und oftmals seit Jahren nicht mehr beim Arzt waren: Jenny De la Torre behandelt Obdachlose und auch Menschen, die nicht krankenversichert sind. Dafür ist sie berühmt geworden in dieser Stadt. Vor zehn Jahren hat die peruanische Ärztin eine Stiftung gegründet, um wohnungslosen Menschen umfassender als zuvor helfen zu können. Mittlerweile ist ihr Gesundheitszentrum an der Pflugstraße in Mitte, das über die Stiftung betrieben wird, zu einer festen Institution in Berlin geworden.

Normalerweise ist das Haus von früh bis in den Nachmittag geöffnet. Am Mittwoch allerdings mussten die Patienten eine Weile draußen bleiben. Die Ärztin und ihr Team brauchten die Räume, um zu präsentieren, was sie in den vergangenen Jahren aufgebaut und geleistet haben: 31 Mitarbeiter, davon 21 Ehrenamtliche haben 15.843 Männer und Frauen behandelt. Sie haben 940 Zähne gezogen oder versorgt, 386 Mal Augen untersucht, 120 Patienten psychologisch, 3904 sozial und 254 juristisch beraten. 2808 Mal wurden Haare geschnitten, über 21.000 Frühstücke und mehr als 40.000 Mittagessen ausgegeben. 23.708 Kleidungsstücke gingen an Mittellose.

Eine Vision von der ganzheitlichen Therapie

Die Präsentation dieser Zahlen ist eine Notwendigkeit für Jenny De la Torre und ihre Mitarbeiter. Viele Behandlungen, die sie vornehmen, können sie nicht über die Krankenkassen abrechnen. Staatliche Förderung gibt es nicht. „Wir leben von Spenden“, sagt die Ärztin.

Jenny De la Torre hat große Visionen. „Die Menschen, die hier her kommen brauchen eine ganzheitliche Therapie: Sie sollen weg von der Straße“, sagt sie. Messbar ist es nicht, ob sie mit diesem Vorhaben Erfolg hat. Einzelbeispiele fallen ihr ein, wo es geklappt hat. „Es ist eine mühsame Arbeit, sie da hin zu bekommen, wo jeder Mensch hingehört“, sagt sie, in ein Haus mit einer Krankenversicherung. Die meisten der Menschen, die in die Pflugstraße kommen, brächten eine Vielzahl von gesundheitlichen, wirtschaftlichen und psychischen Problemen mit.

Jenny De la Torre will ihr Zentrum weiter ausbauen. Bald soll es Hausbesuche geben. Außerdem sollen Bedürftige von einem Sozialarbeiter zu Behördenterminen und ins Krankenhaus begleitet werden.