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Judith Demba: Berlins schärfste Olympia-Kritikerin

Das „Nicht!“ hat Judith Demba zuletzt massenhaft auf Plakate der offiziellen Olympia-Kampagne geklebt. Da hieß es dann: „Wir wollen die Spiele – nicht!“.

Das „Nicht!“ hat Judith Demba zuletzt massenhaft auf Plakate der offiziellen Olympia-Kampagne geklebt. Da hieß es dann: „Wir wollen die Spiele – nicht!“.

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Berliner Zeitung/Markus Wächter

Nein, von einer Niederlage möchte sie partout nicht sprechen. 55 Prozent Zustimmung für Olympia in Berlin? Für Judith Demba noch lange kein Grund, den Kampf gegen die Spiele aufzugeben. Im Gegenteil. „Ich bin mir sicher: Sollte sich Berlin doch noch gegen Hamburg durchsetzen, werden wir bis zu der Volksbefragung im Herbst so stark mobilisieren, dass wir Olympia in Berlin verhindern werden“, sagt sie. Das klingt ähnlich überzeugt wie vor mehr als 20 Jahren, als Judith Demba das Gesicht der Gegner von Olympia 2000 in der Stadt war. Bekanntlich mit Erfolg, Berlins Aus bei der Kandidaten-Kür war eine dicke Blamage.

So wie es danach um Olympia in Berlin lange still war, war es auch um Judith Demba stiller geworden. Aber kaum ploppte das Thema in der Stadt wieder auf, war auch Demba wieder da. Aktuell ist sie Sprecherin des Bündnisses Nolympia.

Ein Herz für Sport

Auch heute wieder hält Judith Demba Olympia in Berlin für falsch und überflüssig. Die Stadt werde langfristig nichts von den Spielen haben, außer den Kosten. Statt in Bauten, die später niemand brauche, müsse in den Breitensport investiert werden, in Sporthallen für alle zum Beispiel. „Wie wär’s denn, wenn sich erst einmal alle das Schwimmengehen leisten könnten“, fragt sie rhetorisch.

Die heute 57-Jährige hat nämlich durchaus ein Herz für den Sport. Sagt sie. Nicht nur, dass sie selbst Rad fahre, schwimme und gerne in die Sauna gehe. Noch zu Ost-Zeiten war die Mitbegründerin der Grünen-Partei in der DDR „oft bei Union“, wie sie erzählt, später „auch ein paar Mal bei TeBe“. Das Interesse habe sich aber gelegt.

Daran hat offenbar auch nichts geändert, dass sie eigentlich eine ganz besondere Nähe zum Sport hat. 2007 hat sie erneut geheiratet, ihre Kinder aus erster Ehe waren da längst erwachsen. Ihr aktueller Ehemann ist Lagnert Fernandez Rios, stammt aus Kuba und ist „etwa so alt wie meine Kinder“, erzählt die Aktivistin, die seit der Hochzeit mit vollständigem Namen Demba Fernandez Rios heißt. Ihr Sohn ist heute 39, die Tochter 34 Jahre alt, ihre Enkelin ist 13 Jahre alt.

Mann aus Kuba mitgebracht

Ihren jetzigen Mann lernte sie 2006 kennen, „als ich mit einer Soli-Brigade in Kuba gearbeitet habe“, wie sie erzählt. „Lagnert war Musiker in einer Band, aber ganz früher war er Boxer.“ Als der Besuch aus Deutschland die Band über den großen Teich holen wollte, kam man sich näher. Zur Hochzeit, so erzählt sie freimütig, habe sie sich damals auch entschlossen, „um Lagnert den Aufenthalt hier zu ermöglichen“.

In Berlin schlägt sich der gelernte Koch, mit dem die Politikerin in einer Wohnung in der Nähe des Körner-Parks in Neukölln lebt, derweil „so durch“, wie sie seine Frau sagt, unter anderem arbeitet er als DJ.

Mit einer Parteikarriere hat Judith Demba Fernandez Rios übrigens nach eigenen Worten noch nicht endgültig abgeschlossen. Lange nach der Nolympia-Kampagne in den 90ern hat sie die Grünen verlassen. Das war 1999, die Zeit der rot-grünen Koalition im Bund – letzter Auslöser war der Kosovo-Krieg. Sie wollte die Kompromiss suchende Haltung der Grünen nicht mittragen. Zur Abgeordnetenhauswahl 1999 trat sie nicht mehr an.

Neue Heimat Linkspartei

Acht Jahre später ging sie zur Linkspartei, die sich gerade als Zusammenschluss aus PDS und WASG gegründet hatte. Da sie in der damals regierenden rot-roten Koalition in Berlin „keine großen Ambitionen“ hegte, schaute sie sich anderswo um. Und stieß auf die Europapolitik.

Von 2005 bis 2009 arbeitete Judith Demba Fernandez Rios im Berliner Büro des Europa-Abgeordneten Tobias Pflüger, 2010 saß sie dann selber wieder in einem Parlament: als Fraktionsgeschäftsführerin der Linken in Nordrhein-Westfalen. Doch die rot-grüne Minderheitsregierung, die sich für jede Abstimmung noch Stimmen für eine Mehrheit zusammensuchen musste, gab auf. Bei den Neuwahlen im Jahr 2012 flogen die Linken aus dem Parlament. Und mit ihnen Judith Demba Fernandez Rios.

Es sei eine spannende Zeit gewesen im Landtag, erzählt sie. Natürlich gebe es noch Kontakte nach Düsseldorf, doch die Legislaturperiode geht noch bis 2017. Ob sie danach noch einmal antreten werde? „Darauf spekuliere ich nicht.“

Zumal sie sich zwischenzeitlich beruflich verändert hat. Sie wurde Geschäftsführerin des Berliner Landesverbandes der Naturfreunde, einem Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur, wie er sich selber nennt.

Nun muss man dazu wissen, dass die Berliner innerhalb des Bundesverbandes Exoten sind und mit weniger als tausend Mitgliedern (bei bundesweit mehr als 70.000 vor allem in Bayern und Baden-Württemberg) auch nicht all zu viel zu sagen haben. Dies tun sie aber sehr laut – und zumindest gegenüber einer möglichen Olympia-Bewerbung ganz anders als etwa die übrigen Naturfreunde. „Der Bundesverband ist sehr interessiert daran, das Konzept für Olympische Spiele im Hamburg oder Berlin kennenzulernen“, sagt Bundesgeschäftsführer Hans-Gerd Marian. Die strikt ablehnende Haltung der Berliner unter Demba Fernandez Rios „nehmen wir zur Kenntnis“, sagte er.


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