Berlin
Informationen und Veranstaltungen rund um die Hauptstadt Berlin und die Region

Jürgen Drews: "Ich habe Schlager immer gehasst"

Jürgen Drews, der „König von Mallorca“ oder einfach:  „Onkel Jürgen“.
Jürgen Drews, der „König von Mallorca“ oder einfach: „Onkel Jürgen“.
Foto: ddp
Berlin –  

Der Partysänger Jürgen Drews tritt bei der Silvesterparty am Brandenburger Tor auf. Schlechter Musikgeschmack? Alles ein Missverständnis, sagt er: Ein Gespräch über Rollenspiele, Steuergelder und das Familienleben in der Provinz.

Jürgen Drews trägt einen schneeweißen Anzug, das grau melierte Haar ist frisch geföhnt, an seiner linken Hand blitzt ein goldener Ring mit drei kleinen Diamanten. Der „König von Mallorca“, wie er sich selbst gern nennt, ist an diesem Nachmittag bei einer Benefizveranstaltung in Castrop-Rauxel zu Gast. Der Erlös soll Kinder- und Jugendeinrichtungen zugute kommen. Eine Gruppe weiblicher Fans, alle längst jenseits der Vierzig, bittet um Autogramme. Drews, in den Siebzigerjahren Mitglied der Les Humphries Singers, ist heute besser im Geschäft denn je.

Als „Onkel Jürgen“ füllt er die Großraum-Diskotheken oder gibt bei Baumarkt-Eröffnungen den Animateur. In dieser Rolle ist er zu Silvester besonders gefragt, in diesem Jahr wieder einmal in Berlin, am Brandenburger Tor. Im Gespräch ist er gleich beim Du, als würden wir uns schon ewig kennen. Er lässt sich auch nicht dadurch irritieren, weiterhin konsequent gesiezt zu werden.

Herr Drews, können Sie eigentlich noch Spritzen setzen?

Nee, hab’ ich nie gelernt. Wieso fragst du?

Haben Sie nicht mal Medizin studiert?

Doch, schon. Aber das ist lange her. Und ich bin auch nur bis zum vierten Semester gekommen.

Und bis dahin lernt man das nicht?

Nee. Meine Vater war Arzt, der wollte es mir immer beibringen, aber ich habe gesagt: Will ich nicht.

Sie wollten lieber eine Stimmungskanone werden. Bringen Sie Ihre Familie mit zur Silvesterparty nach Berlin?

Meine Tochter hat sich vehement gewehrt. Sie hat gesagt: „Ich stelle mich doch nicht zwischen eine Million Menschen vor das Brandenburger Tor.“ Also fliege ich allein zu meinem Auftritt nach Berlin.

Ist das nicht deprimierend, Silvester ohne die Familie zu feiern?

Ich bedauere sehr, dass ich an dem Tag nicht mit meiner Familie zusammen bin. Auf der anderen Seite ist ein solcher Auftritt natürlich toll. Ich bin schon ein paar Mal vor dem Brandenburger Tor aufgetreten. Es ist einfach eine Wahnsinnsstimmung.



Wie ist das – zu arbeiten, wenn alle anderen feiern?

Das ist ja keine Arbeit für mich. Der Job ist zwar manchmal anstrengend, aber er macht mir nach wie vor tierischen Spaß. Dafür muss man halt manchmal auf etwas verzichten, zum Beispiel auf einen gemeinsamen Sylvesterabend mit der Familie.

Herr Drews, Sie sind jetzt 67. Vor zwanzig Jahren hätte man Sie in der Disko ausgebuht.

Du kannst dir nicht vorstellen, was los ist, wenn ich nachts um zwei in der Arena auf Mallorca auftrete. 3000 Leute und fast nur Jugendliche. Alles brüllt, es ist wie bei einem Rockkonzert.

"Ich singe keinen Schlager"

Dabei singen Sie Schlager.

Ich singe keine Schlager, ich mache Party. Das ist etwas ganz anderes. Wenn du Party machst, willst du nicht ganz ernst genommen werden. Dann machst du alles mit so einem kleinen Augenzwinkern.

Und wie bezeichnen Sie Ihre Songs, wenn es keine Schlager sind?

Es sind partyeske Schlager, nicht dieses larmoyante Zeug, das man im Radio hört. Wie gesagt, ich nehme das alles und auch mich selber nicht so furchtbar ernst. Privat höre ich eher Leona Lewis, Katy Perry, ein bisschen Rock-Pop, aber keine Schlager. Ich habe Schlager immer gehasst und käme nie auf die Idee, einen Schlagersender einzuschalten. Glücklicherweise verwischen sich die Grenzen zwischen den einzelnen Bereichen immer mehr. Früher wurde uns von den Kulturbeauftragten der öffentlich-rechtlichen Medien eingebläut: Das ist Schlager, das ist Pop. Dazwischen gab es nichts. Wenn du einmal in einer Kiste stecktest, kamst du nicht mehr raus. Stempel drauf, Kiste zu. Das ist heute zum Glück anders. Den Jugendlichen kann heute keiner mehr erzählen, was sie zu mögen haben und was nicht. Die ziehen sich aus dem Netz, was ihnen gefällt.

Sie treten häufig bei Benefizveranstaltungen auf. Wollen Sie Ihr Spaßimage durch soziales Engagement ein bisschen abfedern?

Ich bin einer, der sagt: Wenn ich was abgeben kann, dann tue ich das. Wenn ich mal einen Abend ohne Gage auftrete – fällt mir dann ein Zacken aus der Krone? Nein, habe ich noch nicht gemerkt. Die Hälfte von dem, was ich verdiene, gebe ich ohnehin ab.

Die Hälfte?

Natürlich. Ich zahle den Spitzensteuersatz. Aber ich zahle lieber viel Steuern und weiß dafür, dass wir in Deutschland weniger soziale Unruhen haben als in anderen Ländern. Dort gibt es eine Armutsgrenze, die man auch wirklich als eine solche bezeichnen kann, und die Menschen verhungern fast, weil sie nichts zu kauen haben.

Und nun zahlen Sie mit Ihren Steuergeldern auch noch für den Eurorettungsschirm.

Was sollen wir sonst machen? Sollen wir warten, bis die Spanier auf die Barrikaden gehen? Ihre Arbeitslosenquote ist exorbitant. In Italien sieht es nicht anders aus.

Sie haben mal einen Song über Aids geschrieben. War das auch Ausdruck Ihres sozialen Engagements?

Leider ist der Song nicht sehr gut angekommen. Ich habe mir damals gesagt, wenn du im partyesken Stil über Aids singst, dann gelangt das in genau die Ohren, in die es kommen soll. Wer ist denn am schnellsten dabei zu sagen: Scheiß auf Aids? Das sind Jugendliche, die vielleicht ein bisschen einen geballert haben und zu vorgerückter Stunde sagen: Vergiss das Kondom. Erst danach fragen sie sich, ob der Schuss vielleicht nach hinten losgegangen sein könnte.

Glauben Sie ernsthaft, dass ein einziger Song diese Einstellung ändern kann?

Ja, indem er das Thema auf witzige Art beleuchtet. Ich habe das Wort Aids gar nicht gebraucht. Ich habe von Verhüterli gesprochen. Das ist lustig. Beim Konzert flogen die aufgeblasenen Verhüterlis durch die Gegend, wenn ich das Lied sang. Wenn die Jugendlichen anschließend mit so einem Song im Ohr nach Hause gehen, dann ist die Hemmschwelle auch wirklich ein Kondom zu benutzen, nicht mehr so hoch.

Eben sagten Sie doch, der Song sei nicht gut angekommen.

Die ganze Aktion ist nicht gut angekommen. Ich bin von offizieller Seite einfach nicht genügend unterstützt worden. Die von der Aids-Beratung sagten: Was will der denn, dieser Schlagersänger? Der weiß doch gar nicht, was Aids überhaupt ist. Lass den mal ein bisschen singen und Party machen. Ach, vergiss es!

Trifft Sie das, wenn Sie nicht für voll genommen werden?

Ich habe mich enorm darüber geärgert. Eigentlich wollte ich in die höheren Regionen rein.

Die höheren Regionen?

Ja, bis hoch zum Gesundheitsministerium. Ich wollte denen vorschlagen: Lasst uns zusammen eine Kampagne machen, um vor der Aids-Gefahr zu warnen. Es gibt nichts Einprägsameres als Musik. Aber da kam nichts, was ich bis heute nicht verstehe. Irgendwann habe ich die Zeile mit den Verhüterli wieder rausgenommen. Jetzt singe ich: „Gib mir einen kleinen Kuss. Mehr will ich nicht und dann weiter bla, bla, bla.“

Ihr Imageproblem scheint Ihnen mehr zu schaffen zu machen, als Sie zugeben wollen.

Was heißt Imageproblem? Wie meinst du das?

In dem Sinne, dass Sie vor allem als Partymacher gelten und nicht als Künstler.

Inzwischen dürfte sich herumgesprochen haben, dass ich mich mit dem Titel „König von Mallorca“ eigentlich nur selber auf die Schippe genommen habe. Die Bezeichnung stammt übrigens gar nicht von mir. Den Anstoß dazu hat Thomas Gottschalk bei „Wetten dass…?“ gegeben.

Aber es hat Sie nicht gestört.

Weil mir die Tragweite dieser Zeilen zunächst gar nicht bewusst war: „Ich bin der König von Mallorca. Ich bin der Prinz von Arenal.“ Anfangs wollte ich den Song nicht mal singen, weil ich ihn so bescheuert fand. Ich hatte das Lied irgendwo ganz hinten auf einer CD versteckt. Dann ruft mich eines Tages RTL an und fragt: Wissen Sie, wie Ludwig II von Bayern ums Leben gekommen ist? Ich sage: Vermutlich hat er Suizid im Starnberger See begangen. Ja, sagen die, aber wissen Sie, ob das auch stimmt? Die Unterlagen über den Tod Ludwigs liegen nämlich bis heute in den Archiven unter Verschluss.

Und?

Das habe ich auch gesagt. Aber jetzt kommt es. RTL fragt also: Sie sind doch der König von Mallorca. Würden Sie sich in voller Montur im Starnberger See versenken, während wir Ihren Titel spielen? Ich sage: Wie bitte? Was soll das denn! Und die erklären mir: Anschließend beklagen Sie, dass die Archive nach wie vor verschlossen sind, Sie aber endlich erfahren möchten, wie Ludwig wirklich zu Tode kam.

Hört sich ziemlich irre an.

War es auch. Ich habe sofort gesagt, das mache ich, weil ich die Idee so witzig fand. Ich habe natürlich gedacht, dass diese Aktion am nächsten Tag die Headline in allen Zeitungen der Bundesrepublik sein würde. Aber nichts ist passiert, gar nichts. Die Archive bleiben zu. Ich aber war von dem Moment an der „König von Mallorca“

Herr Drews, Sie singen Songs wie „Ewige Liebe“. Was bedeuten Ihnen Werte wie Treue?

Ich stelle fest, dass sie immer wichtiger für mich werden, je älter ich werde. Ramona, meine zweite Frau, und ich haben kürzlich sogar unser Eheversprechen erneuert.

Warum das denn?

Wir wollten uns noch einmal neu justieren. Schau dir mal diesen Ring hier an. Die drei Diamanten stehen für Ramona, für unsere Tochter Jolina und für mich. Jolina und Ramona haben beide den gleichen Ring.

Sie sind seit 17 Jahren verheiratet. Wieso war Ihnen die Erneuerung des Eheversprechens wichtig?

Bei meiner ersten Eheschließung habe ich das alles nicht sonderlich ernst genommen. Ich war schon viele Jahre vorher aus der evangelischen Kirche ausgetreten, weil ich mit dieser kopflastigen Geschichte, die sich Kirche nennt, nicht zurande kam. Bei dieser ersten Hochzeit in Las Vegas habe ich sogar die Kapellen verwechselt. Ich hatte zu unserer Trauung ein paar Leute und eine Harley mit zwei Sitzen bestellt. Dann kommen wir in der Kapelle an. Keiner da, kein Organist, nichts. Zum Glück konnte die Chefin meiner Plattenfirma, die auch eingeladen war, ein bisschen Orgel spielen. Hinterher stellte sich heraus, dass wir in die falsche Kapelle gekommen waren.

"Ich gucke jeder Frau hinterher"

Warum wohnt einer wie Sie eigentlich ausgerechnet im westfälischen Dülmen?

Meine Frau kommt aus Dülmen und wollte gern in der Nähe ihrer Eltern leben. Meine erste Reaktion war: „Boah, muss das sein?“ Sie: „Ja. Ich habe mich entschieden.“ Ich sagte: „Ich liebe dich über alles. Wenn du mit mir an den Nordpol ziehen willst, mache ich das auch.“ Also sind wir nach Dülmen gezogen. Wir haben uns da ein kleines Doppelhaus, einen Neubau, geholt. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich nur Wiesen. Zunächst war das nur temporär gedacht. Doch dann sagte unsere Tochter irgendwann, als wir bei den Großeltern zu Besuch waren: „Ich will aber bei Oma und Opa bleiben.“

Sie scheinen ein richtiger Familienmensch zu sein.

Das geben wir auch an unsere Tochter weiter. Sagen zu können, da gehöre ich hin, da bin ich zu Hause. Ich schreibe gerade an einem Titel, der heißt: „Heimat ist, wo du bist.“ Das sagt alles.

Mit Achtzehn hätten Sie den heutigen Drews vermutlich als Spießer bezeichnet.

Früher hätte ich gesagt, Familie ist zwar wichtig, aber mir wird es nie gelingen, eine Ehe zu führen wie meine Eltern. Sie waren 45 Jahre verheiratet, bis mein Vater starb, und das fand ich toll. Mein Vater war um einiges älter als meine Mutter. Im Grunde leben wir heute nicht anders als früher meine Eltern. Allerdings werde ich die 45 Jahre vermutlich nicht mehr voll kriegen.

Und Sie schielen nie nach anderen Frauen, wenn Sie von Verehrerinnen umlagert werden?

Ich flirte auch heute noch für mein Leben gern. Und ich gucke jeder Frau hinterher, aber was heißt das schon. Ramona gefällt das nicht, aber es ist okay. Ich sage immer, Schatz, wenn ich das nicht mehr mache, dann bin ich tot. Das wäre gegen mein Naturell.

Was schätzen Sie an Ihrer jetzigen Frau – außer Ihrer Toleranz?

Alles. Sie bietet das ganze Spektrum dessen, was ich brauche. Das geht von der Libido bis zum Kopf. Eigentlich ist sie mehrere Frauen in einer. Ein toller Kumpel, eine tolle Frau. Ich kann nur sagen: Die oder keine.

Ihre Frau ist Jahrgang 1973. Zu der Zeit waren Sie bereits zwei Jahre bei den Les Humphries Singers, die jetzt ein Revival probieren. Wer interessiert sich überhaupt noch für die?

Schwierige Frage. Eigentlich ist das Schnee von gestern. Man muss das im Zusammenhang sehen. Anfang der Siebziger waren wir die erste Multikulti-Band in Deutschland. Damals dachte ich in meiner grenzenlosen Naivität, dass wir, die Jugend, diesen Multikulti-Gedanken in die ganze Welt hinaustragen können. Das war ein Irrtum. Und trotzdem ist diese Zeit noch präsent in vielen Köpfen – Woodstock, Jimi Hendrix, Hair, der erste Nackte auf der Bühne. Mag sein, dass sich viele Jugendliche für unsere Musik interessieren, weil sie von ihren Eltern gehört haben, was früher los war bei unseren Auftritten. Damals saß man ja noch bei Popkonzerten. Doch wenn wir auftraten, gingen spätestens nach dem zweiten Song die Klappstühle hoch.

Les Humhpries ist ja inzwischen verstorben, was Sie nicht davon abhält immer mal wieder unter dem alten Namen aufzutreten. Was treibt Sie da an, die Gage?

Nein, nein, wir haben sogar einen neuen Song aufgenommen: „Yes we can, we can do it again“. Warum? Weil wir alle Obama-Fans sind. Womit wir wieder bei sozialer Verantwortung wären. Die Republikaner hielten leider herzlich wenig davon. Sie sagten: Es ist toll, reich zu werden, und wenn du das nicht schaffst, dann schaffst du es halt nicht. Alles andere war denen wurscht. Und deswegen singe ich so gern: „Yes we can.“

Sie sind also Obama-Fan. War’s das oder engagieren Sie sich auch in Deutschland politisch?

Allenfalls verhalten. Ich bin nun mal in der Tanz- und Wackelbranche gelandet, wo ich eigentlich nie hin wollte. Da darfst du nicht sagen: Ich steh auf Bayern München oder den HSV. Da musst du sagen: Ich steh auf die Nationalmannschaft. In politischen Fragen musst du dich ebenfalls zurückhalten und darfst dich nicht allzu stark machen für die eine oder die andere Richtung.

Wie schwer fällt Ihnen das?

Bei Fußballmannschaften habe ich damit keine Probleme.

Und in der Politik?

Da muss ich halt aufpassen. Ich fand es zum Beispiel nicht gut, dass die Les Humphries Singers in den Siebzigern bei Wahlkampfveranstaltungen der CSU auftraten. Da habe ich mich immer ein bisschen rausgehalten. Ich fand auch Franz Josef Strauß ganz entsetzlich.

Haben Sie damals eine von diesen Anti-Strauß-Plaketten getragen?

Nee, das ging ja nicht. Aber ich bin mal zu früh zu einem unserer Auftritte bei einer CSU-Wahlveranstaltung gekommen und habe mir eine Rede von ihm angehört. Puh, dachte ich damals. Der spult garantiert immer den gleichen Text ab. Und nur weil mich das interessierte, bin ich am nächsten Tag wieder zu früh gekommen, um ihn noch einmal zu hören. Ich hatte erwartet, dass er Wort für Wort das gleiche sagt wie am Vortag. Aber nein. Der Tenor war zwar der gleiche, aber die Wortwahl eine völlig andere. Er hat auf alles reagiert, was ihm aus dem Publikum zugerufen wurde. Hammer, der Typ. An dem Abend habe ich viele meiner Vorurteile über Politiker revidieren müssen

Was würden Sie zu Frau Merkel sagen, wenn Sie ihr heute gegenübersäßen?

Dass ich sie total ausgeschlafen und weiblich finde. Sie hat so vielen Männern gezeigt, was eine Harke ist. Das ist einfach toll.

Sie sagen, es gebe einen großen Unterschied zwischen Jürgen Drews und den aus Ihren Songs abgeleiteten Kunstfiguren wie „Onkel Jürgen“. Wie kommen Sie klar mit Ihren Rollen?

Das kriege ich ganz gut zusammen. Onkel Jürgen spiegelt meine andere Seite wider. Ich therapiere mich damit quasi selber.

Was genau therapieren Sie denn?

Früher war ich ein total verklemmter Heini und kam mit mir selber überhaupt nicht zurecht. Selbst heute, mit 67, bin ich nicht sehr entscheidungsfreudig. Als mein Vater merkte, dass ich ein ganz guter Gitarrist bin, hat er mich irgendwann aus therapeutischen Gründen auf die Bühne geschubst, damit ich ein bisschen selbstbewusster werde. Das hat auch funktioniert, und im Grunde therapiere ich mich auf der Bühne bis heute.

Haben Sie schon mal überlegt, den Hermelinmantel an die Garderobe zu hängen und nur noch Jürgen Drews zu sein?

Warum sollte ich? Ich komme raus und die Leute schreien. Das ist doch geil, das interagiert mit meinem limbischen System. Ich bin beileibe nicht immer gut drauf. Ich habe auch Schiss, auf die Bühne zu gehen, und ich bin schon mal schlecht gelaunt. Doch wenn es dann läuft, vergesse ich das Lamentieren. Natürlich ist es manchmal anstrengend und ein bisschen nervig. Aber es macht mir tierischen Spaß.

Apropos Spaß. Die Menschen haben weniger Geld als noch vor einigen Jahren. Was merken Sie als Vertreter der Spaßbranche von der Krise?

Die Leute feiern eigentlich genauso viel wie früher, wenn nicht sogar noch mehr. Wahrscheinlich ist das reiner Galgenhumor. Bei mir ist das nicht anders. Wenn ich unheimlich lustig drauf zu sein scheine, bin ich in meinem Inneren im Grunde ziemlich nervös und überhaupt nicht gut gelaunt. Was sagt der Psychologe dazu? Lächeln. Immer Lächeln. Wie gesagt, das interagiert mit dem limbischen System.

Interview: Petra Pluwatsch

Ressort

Was in Berlin passiert, beschäftigt oft die ganze Republik. Wir schreiben Nachrichten, Reportagen und Analysen aus dem Herzen der Hauptstadt. Und sagen, was wo läuft.


Umfrage

Soll sich Berlin für Olympia 2024 bewerben?

Sonderbeilagen & Prospekte
Facebook
Berliner-Zeitung.de auf Facebook
Anzeige

Offen, hell und freundlich - am Berliner Bahnhof Gesundbrunnen entsteht ein neues Empfangsgebäude. mehr...

Aktuelle Berlin-Videos
So sah Berlin früher aus
Dossier
Am Alexanderplatz soll ein 150-Meter-Turm entstehen.

Wie soll die Mitte Berlins aussehen? Alles zur Städtebau-Debatte.

Dossier
Am 8. Mai 2010 hatte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) das Flugfeld für die Öffentlichkeit freigegeben.

Wohnen oder Park: Was wird aus dem alten Flughafen-Gelände?

Dossier
Wriezener Karree am Ostbahnhof.

Die Lage auf dem Immobilienmarkt verschärft sich. Dossier.

Dossier
Der mittelständische Bauverband ZDB warf der öffentlichen Hand vor, in den vergangenen Jahrzehnten aus Kostengründen ihre Kompetenz als Bauherr stetig zurückgefahren zu haben.

Der Pannen-Flughafen Berlin-Brandenburg wird zum Politikum.

Service

Wo drohen Staus? Fährt die S-Bahn? Immer ab 16 Uhr für den Folgetag.

Polizei
Berliner Jobmarkt
Berlin in Bildern
Berliner Kieze und Bezirke
Persönliche Ausgabe
myPage

Gestalten Sie eine Sonderausgabe der Berliner Zeitung mit Ihren individuellen Ereignissen.