13.01.2012

Jugendarrmut: Jung, ungebildet, Hartz IV

Von Thorkit Treichel
Berlin –  

Von wegen Altersarmut: Vor allem Kinder und Jugendliche leiden in Berlin finanzielle Not. Das hat der Regionale Sozialbericht für das Jahr 2010 des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg ergeben.

Armut ist im wesentlichen drei Faktoren geschuldet: der finanziellen Situation der Eltern, der nationalen Herkunft und dem Bildungsstand. Dies legt zumindest der Regionale Sozialbericht für das Jahr 2010 des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg nahe, der am Donnerstag vorgestellt wurde. So müssen in Berlin vor allem Menschen mit einer schlechten Ausbildung, mit Migrationshintergrund sowie Kinder und Jugendliche in armen Verhältnissen leben.

Den älteren Menschen ab 65 Jahren geht es dagegen vergleichsweise gut. Zwar sank der Anteil der unter 18-Jährigen, die von Armut bedroht sind, seit 2005 um 5,7 auf 18,1 Prozent im Jahr 2010. Der Abstand zu den Senioren, bei denen eine Quote von 5,8 Prozent erfasst wurde, ist jedoch immer noch groß. Der Anteil der armen Alten reduzierte sich um 3,7 Prozent – und damit um mehr als ein Drittel. Berlinweit gelten 14,2 Prozent der Bevölkerung als armutsgefährdet (minus 2,4 Prozent).

Unterschiede in den Stadtbezirken

„In Berlin können wir gegenwärtig nicht von Altersarmut sprechen, da den Älteren mehr Einkommen zur Verfügung steht als Jüngeren“, sagte die Sprecherin des Statistikamtes Heike Hendl. „Das ist keine deutschlandtypische Entwicklung.“ Es dürfte damit zusammenhängen, dass im Ostteil viele heutige Rentnerinnen weitergearbeitet haben, nachdem sie Kinder bekamen . Deshalb stehen sie nun finanziell besser da als Frauen aus dem Westen.

Als armutsgefährdet gelten Menschen, die nur über 60 Prozent des mittleren Pro-Kopf-Einkommens verfügen. Für Alleinlebende liegt diese Schwelle in Berlin derzeit bei monatlich 766 Euro netto.

Demnach ist fast jeder dritte Berliner aus Migrationsverhältnissen armutsgefährdet (26,8 Prozent), bei der deutschen Bevölkerung beträgt der Anteil 10,2 Prozent. Bei Menschen mit niedrigem Bildungsstand droht sogar mehr als jeder Dritte zu verarmen (34,4 Prozent), während dieses Risiko nur 5,6 Prozent der Berliner eingehen, die als hochgebildet eingestuft werden.

Erwartungsgemäß ist Armut innerhalb der Bezirke unterschiedlich stark ausgeprägt. In Steglitz-Zehlendorf sind mit 8,6 Prozent die wenigsten Menschen von Armut bedroht, in Neukölln mit 22,5 Prozent die meisten. Jeder dritte Neuköllner hat einen niedrigen Bildungsstand, ebenfalls jeder dritte Neuköllner ist auf staatliche Leistungen wie Hartz IV angewiesen. Über die Stadt verteilt ist dies jeder Fünfte und bundesweit sogar nur jeder Zehnte.

Brandenburg hat’s besser

In Brandenburg ist die Lage etwas entspannter als in Berlin: 12,9 Prozent der Einwohner erhalten staatliche Hilfe. Die Armutsgefährdungsquote beläuft sich auf 13,6 Prozent gegenüber einem Anteil von 14,3 Prozent im Jahr 2005.

Die meisten mittellosen Menschen leben in Frankfurt/Oder (22,6 Prozent), die wenigsten in Potsdam-Mittelmark (6,8 Prozent). Jedoch sind im Nachbarland mit einer Quote von 7,6 Prozent (2005: 6,7 Prozent) mehr Menschen ab 65 Jahren von Altersarmut bedroht als in der Hauptstadt. Dagegen sank der Anteil der unter 18-Jährigen, die in prekären Verhältnissen leben müssen, leicht um 2,3 auf 17,5 Prozent im Jahr 2010.

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