04.01.2012

Justizsenator Heilmann: Das Experiment

Von Sabine Rennefanz
Sucht eine neue Bühne: Thomas Heilmann in der Zentrale von Scholz & Friends im vergangenen November.
Sucht eine neue Bühne: Thomas Heilmann in der Zentrale von Scholz & Friends im vergangenen November.
Foto: Benjamin Pritzkuleit
Berlin –  

Der Unternehmer Thomas Heilmann schwebt gern in höheren Sphären. Jetzt muss er hinunter in die Landespolitik - als Justizsenator. Ein Porträt.

Wenn Thomas Heilmann in den Senat wechselt, wird die Berliner Politik etwas amerikanischer. In den USA ist es üblich, dass man erst als Geschäftsmann Geld verdient und dann in der Politik seine staatsbürgerlichen Pflichten erfüllt, wie der New Yorker Bürgermeister und Medienmogul Michael Bloomberg. Dazu passt, dass Heilmann, der während eines Praktikums einst in New York gelebt hat, gern Bloomberg zitiert.

Achtzehn Jahre lang war Heilmann Vorstandsvorsitzender der Werbeagentur Scholz & Friends, er tauscht SMS mit Kanzlerin Angela Merkel aus, diniert mit dem Investor Nicolas Berggruen, beriet selbst schon den britischen Premierminister David Cameron. Heilmann bewegt sich gern in höheren Sphären und redet drüber. Jetzt muss er tief hinunter. Thomas Heilmann, 47, soll Nachfolger des entlassenen Justiz- und Verbraucherschutzsenators Michael Braun werden. Die Frage ist, ob das gelingen kann.

Der Wechsel, so hört man, fällt ihm nicht leicht. Es dürfte mehr die Pflicht sein, die ihn treibt, als die Leidenschaft für den neuen Job. Offenbar hat ihn Landeschef Frank Henkel unmittelbar nach dem Rücktritt von Braun gefragt, ob er Senator werden wolle. Heilmann sagte nein. Er wollte sich lieber um eine neue Firma kümmern. Aus dem Projekt wurde nichts, gleichzeitig handelte sich Landeschef Henkel nur Absagen ein. Heilmann erbat sich Bedenkzeit, konnte aber am Ende wohl nicht absagen, ohne seine Stellung in der Partei nachhaltig zu schädigen. Immerhin darf Heilmann künftig mit auf der Regierungsbank sitzen - auch wenn der Vater von vier Kindern lieber Bildungssenator geworden wäre.

Freiheit durch finanzielle Unabhängigkeit

Heilmann hat schon immer das Wagnis geliebt. Nach seinem Jura-Studium in Bonn, zahlreichen Praktika auch bei der FAZ, ging er 1990 nach Dresden, gründete mit Freunden eine Werbeagentur, aus der später Scholz & Friends wurde. Da war er 26. Die Agentur wuchs schnell. Ihm halfen die Kontakte zu Kurt Biedenkopf. Der Wirtschaftsprofessor und langjährige Ministerpräsident des Freistaates Sachsen ist ein alter Freund der Familie. Heilmann ist in der CDU, seit er 16 ist, war in den 90er Jahren Internetsprecher der Bundes-CDU, die Kontakte dürften ihm auch beruflich nicht geschadet haben. Gemeinsam mit seinem Partner Sebastian Turner baute er ein Firmengeflecht aus, gründete Internetplattformen wie Econa oder Mytoys.de, beteiligte sich an Netzwerken wie Xing oder Facebook. Die Anteile hat er wieder verkauft. 2010 stieg Heilmann bei Scholz & Friends aus, hat aber immer noch sein Büro im Haus.

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