Berlin-Panorama von der Reichstagskuppel aus betrachtet: Weiterhin bleiben uns nachts zweistellige Minusgrade erhalten und es fällt mehr Schnee. Foto: dpa
Berlin-Panorama von der Reichstagskuppel aus betrachtet: Weiterhin bleiben uns nachts zweistellige Minusgrade erhalten und es fällt mehr Schnee. Foto: dpa
Berlin –
Die sibirische Kälte hat Folgen in Berlin: Eine Bewohnerin stirbt auf einem Pflegeheimgelände. In 10.000 Wohnungen fällt die Heizung aus. Der ADAC ist im Dauereinsatz.
Offenbar hat es in Berlin eine erste Kältetote gegeben. Eine Bewohnerin eines Pflegeheims in Zehlendorf ist am Montagmorgen tot im Vorgarten ihres Heims gefunden worden. Die 86-jährige war bereits während der Nacht vom Pflegepersonal als vermisst gemeldet worden.
Es war zwei Uhr, als ein Mitarbeiter bei einem Rundgang entdeckt hatte, dass die Seniorin sich nicht in ihrem Zimmer befand. Die Beschäftigten des Heims alarmierten die Polizei. Bei einer gemeinsamen Suche konnte von der 86-Jährigen jedoch keine Spur entdeckt werden. Erst gegen 7.30 Uhr fand eine Mitarbeiterin, die zur Arbeit kam, die alte Frau tot im Garten liegend. Sie lag in der unmittelbaren Nähe einer nicht verschlossenen Tür. Jetzt soll die Kriminalpolizei die näheren Umstände des Todes ermitteln. Hinweise auf ein Fremdverschulden hat die Polizei nicht.
2. Welche Symptome weisen auf eine Erfrierung hin? „Die ersten Zeichen einer Erfrierung sind Blässe und Taubheitsgefühle“, sagt Hans Georg Dauer, Dermatologe aus Köln. „Wenn man dann von der Kälte in die Wärme kommt, empfindet man meist ein schmerzhaftes Ziehen oder Brennen. Die Haut färbt sich zinnoberrot.“ Je länger die Kälte wirken kann, desto ausgedehnter und schwerwiegender kann das Gewebe geschädigt werden.
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3. Wie erkennt man Erfrierungen? Dauert das Kribbeln der kalten Finger oder Zehen länger an oder bilden sich mit Blut oder Flüssigkeit gefüllte Blasen, dann spricht der Mediziner von einer Erfrierung zweiten Grades. Die Haut ist dann bereits stärker geschädigt. Erfrierungen dritten Grades schließlich führen zur Schwarzfärbung und zum Absterben von Gewebe. Besonders betroffen von Kälteschäden sind die ohnehin schlecht durchbluteten Körperteile. Neben Fingern und Zehen zählen dazu auch Nase und Ohren.
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4. Achtung bei Alkohol Verengte Gefäße können das Erfrieren noch zusätzlich begünstigen. Die Ursachen sind zum Beispiel eine Arterienverkalkung oder Drogenkonsum. Alkohol weitet zwar die Gefäße, ist aber nicht weniger problematisch. Denn der Konsum führt dazu, dass die Zellen stärker durchblutet werden und der Körper viel Wärme abgibt, dadurch werden seine Schutzfunktionen geschwächt.
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5. So schützen Sie Kinder Eltern sollten häufiger die Körpertemperatur ihrer im Schnee spielenden Kinder überprüfen, sowohl an den Händen als auch am Bauch oder am Rücken, empfiehlt Inke Ruhe von der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder.
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6. Aufwärmpause Bei ersten Anzeichen einer Erfrierung ist eine Aufwärmpause angesagt. Allerdings sollte sich der Körper langsam an die Wärme gewöhnen. Große Temperaturunterschiede werden als schmerzhaft empfunden. „Die Hände oder Zehen beispielsweise sollten zuerst unter lauwarmes Wasser gehalten werden. Dann wird die Temperatur langsam erhöht“, rät Mediziner Dieter Conrad.
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7. Kalte Hände nicht reiben Selbst bei leichten Erfrierungen sollten die betroffenen Körperteile nicht gerieben werden. „Besser ist es, sich auf die Hände zu setzen oder sie in die Achselhöhlen zu stecken“, sagt Dermatologe Hans Georg Dauer.
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8. Warme Getränke Auch von innen kann man der Kälte entgegensetzen. Heißgetränke wie Tee oder Kakao wärmen den Körper. Auch hier sollte man auf den Schuss Alkohol verzichten.
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9. Wann sollte man zum Arzt? Haben sich bereits Blasen gebildet, die schlecht abheilen, sollte ein Arzt die Wunden versorgen. Ein Mediziner sollte auch zu Rate gezogen werden, wenn mehr als zehn Prozent der Körperoberfläche von der Kälte geschädigt sind oder wenn Erfrierungserscheinungen häufiger auftreten. „Unter Umständen ist dann eine medikamentöse Behandlung mit durchblutungsfördernden Mitteln angesagt“, sagt der Dermatologe Hans Georg Dauer.
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10. Die richtige Kleidung Den besten Schutz vor Erfrierungen bietet wasserfeste, der Temperatur angepasste Kleidung. Dazu gehören warme Strümpfe und gefütterte Schuhe, Handschuhe und Mütze oder Ohrenschützer. Die Gesichtshaut wird durch fettende Creme geschützt. Alternativ können Mund, Ohren und Nase von einem warmen Tuch oder einer Teilmaske bedeckt werden. Nasse Kleidung muss schnell gewechselt werden, sonst droht sie anzufrieren. Diese Gefahr bergen auch Metallteile wie Ohrringe oder Reißverschlüsse. Sie sollten bei Kälte nicht mit der Haut in Berührung kommen.
1. Was passiert bei Erfrierungen? „Wenn Kälte auf den Körper einwirkt, versucht dieser, sich zu schützen und die vorhandene Wärme festzuhalten“, erklärt Dieter Conrad, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Hessen in Neuental. In den Bereichen, die der Kälte stark ausgesetzt sind, verengen sich die Gefäße. Das Gewebe wird weniger durchblutet und mit zu wenig Sauerstoff versorgt. Je länger dieser Zustand andauert, umso mehr werden die Zellen geschädigt. Im Extremfall sterben sie ab.
Auch in Zossen in Brandenburg ist gestern ein Mann gefunden worden, der offenbar erfroren ist. Er lebte in einem Haus ohne Heizung, Strom und Wasser.
Großartige Hilfsbereitschaft
Hart ist die ungewöhnliche Kälte derzeit für die zahlreichen Obdachlosen in der Stadt. In den Notunterkünften wurden die Plätze aufgestockt. Das habe die Situation entspannt, teilt die Stadtmission mit. Außerdem sei die Hilfsbereitschaft der Berliner großartig, sagte Sprecherin Ortrud Wohlwend. In den vergangenen Tagen seien so viele Kleiderspenden eingegangen, dass die Mitarbeiter nicht mehr dazu kämen, diese zu sortieren.
Die Kälte hält die Stadt derzeit in eisigem Griff. Minus 20 Grad wurden Montagmorgen in Tempelhof gemessen, in Schönefeld minus 21 und in Tegel minus 18 Grad – ein vorläufiger Rekord. „Minus 22 Grad hatten wir zuletzt am 2. Januar 1997“, sagt Dominik Jung vom privaten Wetterdienst Wetter.net.
Christian Meier (29) ist einer von rund 50 Fahrradkurieren, die die Firma Messenger beschäftigt. Die sind tagtäglich im Einsatz – selbst bei solchen Temperaturen.
Herr Meier, was denkt man so, wenn man morgens bei minus 20 Grad die Augen aufmacht?
Freude kommt da natürlich nicht wirklich auf. Man kriegt schon ein bisschen Angst, wie man den Tag übersteht. Denn nach vier, fünf Stunden beißt sich die Kälte in Schuhen und Handschuhen fest.
Funktioniert das Rad da überhaupt noch?
Was heißt funktionieren. Ich nehme an diesen Tagen ein einfaches Modell für den Job – ein Rad ohne Schaltung.
Das hilft?
Ja klar, keine Schaltung heißt weniger Probleme, da friert kaum was ein.
Und dann radeln Sie einfach so los?
Natürlich, sogar mit einem Lastrad, das hat vorne einen ein Meter langen Korb drauf. Ich bin so von neun bis 18 Uhr unterwegs. Das ist schon hart. Aber das muss man eben machen. Ich bin ja selbstständig und muss pro Tag so um die zehn Touren schaffen. Die Kunden sind bei diesem Wetter besonders nett – da gibt’s zwischen drin immer einen Tee oder Kaffee. Ich sehe zu, dass ich meine Touren schnell erledige – denn wenn die Sonne verschwindet, wird es sofort empfindlich kalt.
Dagegen hilft keine dicke Kleidung?
Nur bedingt. Ich habe schon alles an, was möglich ist, Unterhemd, Unterhose, zwei lange Radlerhosen, Kniestrümpfe, eine kurze Radlerhose noch drüber, Radleroberteile, Jacke, Mütze, Schal und Handschuhe. Aber durch letztere muss man noch richtigen Kontakt zum Lenker haben.
Und wenn keine Aufträge anstehen?
Dann flüchte ich in eine Cafeteria. Dort trinke ich Kaffee oder mache meine Thermosflasche mit Pfefferminztee leer. Und freue mich auf die Badewanne am Abend.
Interview: Mathias Raabe
Wegen eines Heizkesselausfalls im Kraftwerk Reuter in Spandau blieben am Montag in Westend rund 10.000 Wohnungen kurzzeitig kalt. Betroffen waren auch die DRK-Kliniken. In einigen wenigen Patientenbereichen sei die Raumtemperatur um einige Grad abgefallen, hieß es. Eine Beeinträchtigung der Patientenversorgung habe es aber nicht gegeben. Auch wurden keine Operationen abgesagt. Gegen 11 Uhr heizte der Kessel wieder.
Busse und Bahnen fuhren am Montag abgesehen von einem Stromausfall am Abend auf der Linie der U9 weitgehend störungsfrei. Wer in diesen Tagen allerdings wegen eines liegengebliebenen Fahrzeugs auf Hilfe des ADAC angewiesen ist, muss sich auf lange Wartezeiten einstellen. „Wir verzeichnen derzeit einen Einsatzrekord“, sagt ein Sprecher des Automobilclubs. Allein vergangenen Mittwoch gab es 2 532 Einsätze in Berlin und Brandenburg. Aber nicht nur die Technik von Fahrzeuge hat Probleme. Wegen kaputter Heizungsanlagen stellten zwei Schulen am Montag den Unterricht ein: Das Berggrün-Gymnasium in Westend und die Schule an der Strauchwiese in Pankow blieben geschlossen.
Restrisiko beim Schlittschuhlaufen
Und nicht einmal das Schlittschuhlaufen ist in diesen eisigen Tagen vollkommen sorglos zu genießen. Zwar hat sich auf den meisten Gewässern eine dicke Eisdecke gebildet – doch eine Freigabe durch die Feuerwehr gibt es auch bei minus 20 Grad nicht. „Es besteht immer ein Restrisiko“, sagt Feuerwehr-Sprecher Stephan Fleischer. In die Gewässer werde an vielen Stellen warmes Abwasser geleitet, „und das kann die Eisschicht tauen“. Bei Fließgewässern verhinderten Strömungen eine geschlossene Eisdecke. Auf den Seen wagten sich dennoch Berliner aufs Eis zum Schlittschuhlaufen.
Licht und Schatten: Die gefährliche Schönheit der Kälte
Schöner als ein Gemälde zieren Eisblumen die Fenster.
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Dick eingemummelt genießen viele Menschen den verwandelten Lebensraum. Auf dem Schlachtensee kann man wandern und schliddern.
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Das Tempelhofer Feld ist eine Eisfläche, dennoch zieht es viele dorthin.
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Der Stillstand mancher Verkehrsmittel, hier zweier Boote auf der Spree, bringt Ruhe in die Stadt.
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Doch für viele Menschen in Berlin ist die Eiseskälte eine Gefahr für Leib und Leben. Wer keine Wohnung hat, keine Heizung und kein Bett, ist ihr schutzlos ausgeliefert.
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Die Berliner Kältehilfe, die Obdachlose mit Tee, Kleidern versorgt und sie in Notunterkünfte bringt, hat viel zu tun.
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Doch die Nachfrage in den Notunterkünften übersteigt das Angebot weit.
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Es gibt viel mehr Frierende als Betten.
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Jeder kann helfen: Schlafsäcke können Leben retten.
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Denn hunderte Berliner können keine Heizung aufdrehen.
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Und eine Mütze reicht nicht mehr bei zweistelligen Minustemperaturen auch am Tage.
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Es gibt zwar sogar kleine offene Feuer in der Stadt, wie hier am Alexanderplatz.
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Doch nichts wärmt besser als etwas Warmes im Magen. In der Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo können Obdachlose essen.
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Es soll vorerst nicht wärmer werden.
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Der Frost setzt sich fest. Kantig, schroff, eiszeitlich gibt sich die Spree.
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Die Enten am Tegeler Hafen nehmen es mit dem Eis auf.
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Die Spatzen stärken sich am Meisenknödel.
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Schön und schrecklich zugleich herrscht die Kälte über die Stadt.
Wetterfest müssen derzeit die Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) sein – sie sind der Kälte stundenlang ausgesetzt. „Die Kollegen können Thermounterwäsche anfordern“, sagt BSR-Sprecher Bernd Müller. Allerdings dürfe die Kleidung nicht allzu dick sein, „die Mitarbeiter müssen Bewegungsfreiheit haben“.
Russlandhoch Dieter bleibt bis mindestens Sonnabend wetterbestimmend, bringt nachts weiterhin zweistellige Minusgrade und ein wenig Schnee. Und danach? Meteorologe Dominik Jung: „Ab Sonntag wird es milder, aber dann kommt auch neuer Schnee.“
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