07.02.2012

Kälterekord in Berlin: Tod in der Kälte

Von C. Fuchs, M. Raabe und L. Schnedelbach
Berlin-Panorama von der Reichstagskuppel aus betrachtet: Weiterhin bleiben uns nachts zweistellige Minusgrade erhalten und es fällt mehr Schnee.
Berlin-Panorama von der Reichstagskuppel aus betrachtet: Weiterhin bleiben uns nachts zweistellige Minusgrade erhalten und es fällt mehr Schnee.
Foto: dpa
Berlin –  

Die sibirische Kälte hat Folgen in Berlin: Eine Bewohnerin stirbt auf einem Pflegeheimgelände. In 10.000 Wohnungen fällt die Heizung aus. Der ADAC ist im Dauereinsatz.

Offenbar hat es in Berlin eine erste Kältetote gegeben. Eine Bewohnerin eines Pflegeheims in Zehlendorf ist am Montagmorgen tot im Vorgarten ihres Heims gefunden worden. Die 86-jährige war bereits während der Nacht vom Pflegepersonal als vermisst gemeldet worden.

Es war zwei Uhr, als ein Mitarbeiter bei einem Rundgang entdeckt hatte, dass die Seniorin sich nicht in ihrem Zimmer befand. Die Beschäftigten des Heims alarmierten die Polizei. Bei einer gemeinsamen Suche konnte von der 86-Jährigen jedoch keine Spur entdeckt werden. Erst gegen 7.30 Uhr fand eine Mitarbeiterin, die zur Arbeit kam, die alte Frau tot im Garten liegend. Sie lag in der unmittelbaren Nähe einer nicht verschlossenen Tür. Jetzt soll die Kriminalpolizei die näheren Umstände des Todes ermitteln. Hinweise auf ein Fremdverschulden hat die Polizei nicht.

Wie man sich vor Erfrierungen schützt

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Auch in Zossen in Brandenburg ist gestern ein Mann gefunden worden, der offenbar erfroren ist. Er lebte in einem Haus ohne Heizung, Strom und Wasser.

Großartige Hilfsbereitschaft

Hart ist die ungewöhnliche Kälte derzeit für die zahlreichen Obdachlosen in der Stadt. In den Notunterkünften wurden die Plätze aufgestockt. Das habe die Situation entspannt, teilt die Stadtmission mit. Außerdem sei die Hilfsbereitschaft der Berliner großartig, sagte Sprecherin Ortrud Wohlwend. In den vergangenen Tagen seien so viele Kleiderspenden eingegangen, dass die Mitarbeiter nicht mehr dazu kämen, diese zu sortieren.

Die Kälte hält die Stadt derzeit in eisigem Griff. Minus 20 Grad wurden Montagmorgen in Tempelhof gemessen, in Schönefeld minus 21 und in Tegel minus 18 Grad – ein vorläufiger Rekord. „Minus 22 Grad hatten wir zuletzt am 2. Januar 1997“, sagt Dominik Jung vom privaten Wetterdienst Wetter.net.

Im Dienst ohne Gänge
Radkurier Christian Meier.
Foto: Christian Schulz
Interview mit einem Fahrradkurier

Christian Meier (29) ist einer von rund 50 Fahrradkurieren, die die Firma Messenger beschäftigt. Die sind tagtäglich im Einsatz – selbst bei solchen Temperaturen.

Wegen eines Heizkesselausfalls im Kraftwerk Reuter in Spandau blieben am Montag in Westend rund 10.000 Wohnungen kurzzeitig kalt. Betroffen waren auch die DRK-Kliniken. In einigen wenigen Patientenbereichen sei die Raumtemperatur um einige Grad abgefallen, hieß es. Eine Beeinträchtigung der Patientenversorgung habe es aber nicht gegeben. Auch wurden keine Operationen abgesagt. Gegen 11 Uhr heizte der Kessel wieder.

Busse und Bahnen fuhren am Montag abgesehen von einem Stromausfall am Abend auf der Linie der U9 weitgehend störungsfrei. Wer in diesen Tagen allerdings wegen eines liegengebliebenen Fahrzeugs auf Hilfe des ADAC angewiesen ist, muss sich auf lange Wartezeiten einstellen. „Wir verzeichnen derzeit einen Einsatzrekord“, sagt ein Sprecher des Automobilclubs. Allein vergangenen Mittwoch gab es 2 532 Einsätze in Berlin und Brandenburg. Aber nicht nur die Technik von Fahrzeuge hat Probleme. Wegen kaputter Heizungsanlagen stellten zwei Schulen am Montag den Unterricht ein: Das Berggrün-Gymnasium in Westend und die Schule an der Strauchwiese in Pankow blieben geschlossen.

Restrisiko beim Schlittschuhlaufen

Und nicht einmal das Schlittschuhlaufen ist in diesen eisigen Tagen vollkommen sorglos zu genießen. Zwar hat sich auf den meisten Gewässern eine dicke Eisdecke gebildet – doch eine Freigabe durch die Feuerwehr gibt es auch bei minus 20 Grad nicht. „Es besteht immer ein Restrisiko“, sagt Feuerwehr-Sprecher Stephan Fleischer. In die Gewässer werde an vielen Stellen warmes Abwasser geleitet, „und das kann die Eisschicht tauen“. Bei Fließgewässern verhinderten Strömungen eine geschlossene Eisdecke. Auf den Seen wagten sich dennoch Berliner aufs Eis zum Schlittschuhlaufen.

Licht und Schatten: Die gefährliche Schönheit der Kälte

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Wetterfest müssen derzeit die Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) sein – sie sind der Kälte stundenlang ausgesetzt. „Die Kollegen können Thermounterwäsche anfordern“, sagt BSR-Sprecher Bernd Müller. Allerdings dürfe die Kleidung nicht allzu dick sein, „die Mitarbeiter müssen Bewegungsfreiheit haben“.

Russlandhoch Dieter bleibt bis mindestens Sonnabend wetterbestimmend, bringt nachts weiterhin zweistellige Minusgrade und ein wenig Schnee. Und danach? Meteorologe Dominik Jung: „Ab Sonntag wird es milder, aber dann kommt auch neuer Schnee.“

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