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Keime im Trinkwasser : Zum Duschen in den Container

Wasser auf Vorrat: Etwa 400 Mieter der Gropiusstadt müssen ihr Trinkwasser aus einem Container holen, manche duschen dort auch.

Wasser auf Vorrat: Etwa 400 Mieter der Gropiusstadt müssen ihr Trinkwasser aus einem Container holen, manche duschen dort auch.

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Markus Wächter

Berlin -

Mit einem rosafarbenen Handtuch um den Kopf und im braunen Bademantel steigt Vera Maler geduscht aus dem Container. „Jetzt aber schnell, sonst erkälte ich mich“, sagt sie. Wenn sie duschen will, kann sie das nicht in ihrer Wohnung erledigen. „Das ist unmöglich, das Wasser brennt auf der Haut“, sagt sie. In der linken Hand hält Vera Maler einen blauen Eimer –Wasser aus dem Container. „Damit koche ich Suppe oder Tee“, sagt sie.

Duschen und sauberes Trinkwasser holen – dafür teilt sich Vera Maler inzwischen seit zwei Wochen mit 400 Bewohnern aus der Gropiusstadt vier Container. Und das kann noch eine Weile so weitergehen. Insgesamt 20 Duschen gibt es in den Containern. Und aus den Wasserhähnen kommt sauberes Wasser. Man kann es ohne Bedenken trinken. In der Gropiusstadt ist das im Moment etwas Besonderes.

Das Trinkwasser in den Wohnhäusern Fritz-Erler-Allee 99–109 und Eugen-Bolz-Kehre 2–12 ist verkeimt. Am 6. September wurden Pseudomonas-Bakterien gefunden. Sie können Infektionen verursachen und sind resistent gegen Antibiotika, vor allem Menschen mit einem schwachen Immunsystem sind gefährdet. Das Leitungswasser solle abgekocht werden, zum Baden und Duschen solle man es besser nicht nutzen, steht in vier Sprachen auf den Zetteln, die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Neukölln in die Briefkästen gesteckt haben. „Das ist eine generelle Vorsichtsmaßnahme, keine Katastrophe“, sagt Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU).

Betroffene Mieter sagen, für sie sei der tägliche Gang zum Container eine große Belastung. „Diese Situation schränkt unseren Alltag gewaltig ein“, sagt Rainer Krätke. Er wohne seit 38 Jahren in der Eugen-Botz-Kehre. Probleme mit dem Wasser habe es zuvor noch nie gegeben. Den Container nutzt Krätke nur zum Wasserholen. „Duschen gehe ich lieber bei Verwandten.“

Manche Nachbarn füllen jeden Tag Flaschen auf. „Zumindest merkt man so, wie viel Wasser man im Alltag verbraucht“, sagt Roswitha Krüger. Andere trauen der Wasserqualität nicht. Sie kaufen Flaschen im Supermarkt und schicken die Rechnung an die Hausverwaltung.

Wie die gefährlichen Keime in das interne Wassernetz gelangt sind, bleibt vorerst unklar, möglicherweise durch Reparatur- oder Wartungsarbeiten. Eine Spezialfirma reinigt und desinfiziert nun das gesamte Wasserleitungssystem. Die Berliner Wasserbetriebe haben mit dem Vorfall nichts zu tun.

Die Hilfswerk-Siedlung GmbH, ein Wohnungsunternehmen der evangelischen Kirche, sichert den Mietern eine kulante Regelung zu. Sie gewähre eine „angemessene Mietminderung“, man akzeptiere, dass die Miete zunächst unter Vorbehalt gezahlt werde, heißt es in einem Schreiben an die Mieter.

Wann die Bewohner wieder das Trinkwasser in ihren Wohnungen nutzen können, steht noch nicht fest. Das hängt auch davon ab, ob sie mindestens einmal am Tag das Wasser in ihren Wohnungen für drei Minuten laufen lassen. Nur so können die Bakterien aus dem Trinkwassernetz verschwinden. Gesundheitsstadtrat Liecke sagt, nächste Woche könne das Wasser keimfrei sein, aber vielleicht auch erst im November. Das würden Tests ergeben.


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