05.12.2011

Keine Verbeamtung: Viele Lehrer wollen Berlin verlassen

Von Martin Klesmann
Ein Lehrer diskutiert mit Schülern am Robert-Koch-Gymnasium in Berlin - in der Hauptstadt fehlen Fachlehrer.
Ein Lehrer diskutiert mit Schülern am Robert-Koch-Gymnasium in Berlin - in Berlin fehlen Fachlehrer.
Foto: dpa
Berlin –  

Die Entscheidung des neuen Senats, auch künftig Lehrer nicht mehr zu verbeamten, hat zu großem Unmut an vielen Schulen geführt. Junge Pädagogen in Berlin fordern den Beamtenstatus.

Angestellte Junglehrer an etlichen Schulen haben inzwischen sogenannte Freistellungsanträge gestellt, damit sie Berlin verlassen und in andere Bundesländer wechseln können. Denn dort werden sie verbeamtet und verdienen dadurch mindestens 500 Euro netto mehr, weil vom Beamtengehalt keine Sozialabgaben abgehen. „Wer da in Berlin bleibt, fühlt sich betrogen“, sagt Torsten Ulrich von der Junglehrer-Initiative „Verbeamtung jetzt!“. Die Initiative angestellter Lehrer denkt nun auch über punktuelle Streiks während der anstehenden Prüfungszeit nach.

Er geht: Arbeit zu wenig gewürdigt
        

Gymnasiallehrer Torsten Brandes
Foto: Kaveh Rostamkhani
Zum Speckgürtel

Torsten Brandes ist seit 2007 Informatik- und Mathelehrer am Rosa-Luxemburg-Gymnasium in Pankow und will nicht mehr. „Ich werde mich so schnell wie möglich in Brandenburg bewerben, im Speckgürtel, am besten mit S-Bahn-Anschluss“, sagt der Vater zweier kleiner Kinder. Brandes will unbedingt verbeamtet werden und bald im Umland mit seiner Familie ein Haus bauen. Banken bieten dafür günstige sogenannte Beamtenkredite.

Sie bleibt: Entfernen von der Realität
        

Grundschullehrerin Laura Pinnig
Foto: Kaveh Rostamkhani
Lebenswege offenhalten

Laura Pinnig wollte nie verbeamtet werden, „Wer die Verbeamtung will, bei dem stehen Statusdenken und wirtschaftliche Interessen im Vordergrund“, sagt die Grundschullehrerin. Sie wolle sich auch in Zukunft verschiedene Lebenswege offenhalten. Ein verbeamteter Lehrer müsse ja erst einmal 20 Jahre lang arbeiten, bevor er Pensionsansprüche habe.

Am Beethoven-Gymnasium in Lankwitz zum Beispiel wollen 17 der 22 dort angestellten Junglehrer weg. Das Kuriose: Wer sich in anderen Bundesländern verbeamten lässt, kann nach einigen Jahren als verbeamteter Lehrer nach Berlin zurückkehren.

Laut einer Umfrage der Vereinigung der Oberstudiendirektoren wollen 530 der 1400 angestellten Gymnasiallehrer sofort oder in den nächsten Jahren in ein anderes Bundesland wechseln. Das sind oft Lehrer mit Fächern wie Mathe, für die es besonders wenige Pädagogen gibt, sogenannte Mangelfächer. „So wird Personalplanung und die nötige Bestenauslese für uns unmöglich gemacht“, sagte Ralf Treptow von der Vereinigung. Berlin sei inzwischen das einzige Bundesland, das nicht mehr verbeamte. Das sei ein Standortnachteil im bundesweiten Wettbewerb um die besten Lehrer.

Lehrergewerkschaft ist gegen Verbeamtung

Um diesen Nachteil auszugleichen, hat der Senat bereits 2009 beschlossen, dass neu angestellte Lehrer sofort in die höchste Gehaltsstufe aufsteigen. Ein angestellter Gymnasiallehrer erhält knapp 4300 Euro brutto. Ein verbeamteter Studienrat (A13) bekommt 4130 Euro brutto. Netto bleibt ihm aber deutlich mehr. Beamte erhalten im Krankheitsfall ihr volles Gehalt notfalls jahrelang weiter, ihre Pensionsansprüche sind hoch. Seit 2003 wird nicht mehr verbeamtet. Von den gut 28.000 Lehrern an staatlichen Schulen sind mehr als 6000 angestellt.

Die Lehrergewerkschaft GEW begrüßt, dass Berlin nicht zur Verbeamtung zurückkehrt. Nur die Hälfte der angestellten Lehrer erfülle die Voraussetzung dafür, so GEW-Chef Hartmut Schurig. „Da wären neue Ungerechtigkeiten entstanden.“ Besser sei es, die Unterrichtsverpflichtung für Angestellte zu senken.

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