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Kinderbetreuung: Bald neue Regelung für Schulhelfer

Ab Sommer 2015 soll das gesamte Helfersystem nach Informationen der Berliner Zeitung ohnehin komplett umgestellt werden.

Ab Sommer 2015 soll das gesamte Helfersystem nach Informationen der Berliner Zeitung ohnehin komplett umgestellt werden.

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imago stock&people

Eltern von behinderten Schülern fürchten um die angemessene Betreuung ihrer Kinder durch die über 600 Schulhelfer, die geistig oder körperlich behinderten Kindern oder auch Autisten überhaupt erst den Schulbesuch ermöglichen.

An der Charlotte-Salomon-Grundschule in Kreuzberg sah es am Montag zunächst sogar so aus, als könne ein mehrfachbehinderter Junge den Schulbesuch gar nicht mehr schaffen, auch an der Bornholmer Grundschule in Prenzlauer Berg sehen Eltern die kontinuierliche Betreuung mehrerer behinderter Kinder in Gefahr, Diabetikerkinder haben ihre Schulhelfer bereits eingebüßt.
Der Grund für diese Situation hört sich zunächst gar nicht schlecht an. Nach 13 Jahren ohne Lohnerhöhung und mit teils sehr schlechter Bezahlung gilt nun auch für die über 600 Berliner Schulhelfer der Tarifvertrag der Länder. Angestellt sind die allermeisten Schulhelfer beim Beschäftigungsträger Tandem. Die Schulhelfer bekommen nun etwas mehr Geld und die Sicherheit eines gültigen Tarifvertrages.

Damit fängt aber das aktuell auftretende Problem schon an. Zwar gibt Berlin in diesem Schuljahr dafür 400 000 Euro mehr aus (die Gesamtkosten belaufen sich auf 9,6 Millionen Euro). Doch da die Mittel gedeckelt sind, das Geld nicht reicht, werden gut 50 Schulhelfer, die oft nur mit befristeten Verträgen ausgestattet sind, nicht mehr weiter beschäftigt. Gleichzeitig steigt die Zahl der beantragten Schulhelfer-Stunden weiter, denn immer mehr Kinder mit Behinderungen besuchen Regelschulen. So wie es die UN-Konvention der Inklusion vorsieht.
Andere Schulhelfer wurden umgesetzt. So war es auch an der Charlotte-Salomon-Grundschule in Kreuzberg, wo nach eingehender Prüfung durch die Schulaufsicht die Zahl der Schulhelfer-Stunden drastisch von 100 auf 60 reduziert worden war.

Abrechnung nach Stunde

Durch einen kurzfristigen Tausch kann die Schulhelferin des mehrfachbehinderten Jungen, der aufgrund einer Lähmung zum Beispiel Hilfe beim Toilettengang braucht, nun aber wieder als seine Betreuerin tätig werden. Ständig wechselnde Betreuer seien ihm nicht zuzumuten, hatte die Mutter des Jungen zuvor in einem Schreiben an die Verwaltung gefordert.

„Leider kann ich in den Sommerferien mit den Schulen keine Vorplanungen treffen“, sagte Tandem-Geschäftsführer Urs Elssel. Er hat sich über Jahre mit seiner Gesellschaft ein Quasi-Monopol auf dem Markt geschaffen. Um Schulhelfer zu werden, bedarf es keiner speziellen Ausbildung.

Ab Sommer 2015 soll das gesamte Helfersystem nach Informationen der Berliner Zeitung ohnehin komplett umgestellt werden. Dann soll es keine pauschalen Zuweisungen für Schulhelfer mehr geben. Vielmehr ist geplant, jeden Einzelfall nach tatsächlich geleisteter Stunde abzurechnen. Der Senat plant dem Vernehmen nach mit 26 Euro pro Stunde. Tandem fordert mehr, darüber wird weiter verhandelt. Ist der Schulhelfer krank, gibt es kein Geld.

Hinter der Neuregelung steht auch der Versuch, das Quasi-Monopol des Beschäftigungsträgers Tandem aufzubrechen. Aufgrund von Rahmenvereinbarungen könnten die Schulen nämlich fortan direkt Verträge mit einzelnen Anbietern abschließen. Hier ist daran gedacht, dass auch freie Träger zum Zuge kommen, die eh schon Erzieher in den Grundschulhorten haben. Denn diese arbeiten oft unfreiwillig auf Teilzeit.


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