blz_logo12,9

Kinderbetreuung in Berlin: In den Ostbezirken fehlen Kitaplätze

Wo sind sie bloß, die Betreuungsplätze? In den nächsten Jahren sollen viele Berliner Kitas ausgebaut werden.

Wo sind sie bloß, die Betreuungsplätze? In den nächsten Jahren sollen viele Berliner Kitas ausgebaut werden.

Foto:

ddp

Berlin -

Der größte Bedarf an zusätzlichen Kita-Plätzen besteht künftig in den östlichen Bezirken Treptow-Köpenick, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf. Das geht aus dem Bedarfsatlas für das Kita-Ausbauprogramm hervor, den die Senatsbildungsverwaltung nun erstmals vorgelegt hat.

Darin sind die Berliner Stadtteile in vier Kategorien unterteilt. „Das ist ein wichtiges Instrument, weil wir nun erstmals die verschiedenen Bedarfe miteinander vergleichen können“, sagte Jugendstaatssekretärin Sigrid Klebba (SPD). Die Kategorie 1 hat den deutlichsten Bedarf an zusätzlichen Kita-Plätzen.

Denn in diesen Gebieten trifft man auf „eine Unterausstattung mit Kita-Plätzen bei steigenden Kinderzahlen“. Allein elf der 40 dort angebenen Gebiete liegen in Treptow-Köpenick, fünf in Lichtenberg und vier in in Marzahn-Hellersdorf. „Es gibt vor allem zwei Gründe, wieso Familien in die Außenbezirke ziehen – der Drang ins Grüne, ins finanzierbare Eigenheim oder die Verdrängung aus teureren Innenstadtlagen“, sagte Klebba. Es seien viele neue Wohnungen im Bezirk gebaut worden, sagt auch Gernot Klemm (Linke), Jugendstadtrat von Treptow-Köpenick. Andererseits würden auch Alleinerziehende in die unsanierten Plattenbauten im Altglienicker Kosmos-Viertel verdrängt.

Jährlich neue Bedarfsplanung

Generell gibt es in der Stadt einzelne Areale, in denen Kitaplätze fehlen, bei gleichzeitig steigender Kinderzahl. Das trifft auch auf Zehlendorf-Nord, Schmargendorf, Tempelhof oder die Spandauer Wilhelmstadt zu. Oft ist die Situation innerhalb eines Bezirks völlig unterschiedlich.

Bemerkenswert ist, dass der Senat davon ausgeht, dass die Zahl der Kleinkinder im als besonders kinderreich geltenden Stadtteil Prenzlauer Berg zurückgeht. Ähnlich wie andere Innenstadt-Lagen wie etwa am Kudamm findet sich der Prenzlauer Berg deshalb nur in der Kategorie 2 des Bedarfsatlas. Das heißt: Es gibt zwar einen Kitaplatz-Mangel, aber künftig weniger Kleinkinder.

„Wir gehen davon aus, dass die Familien mit Kindern in Prenzlauer Berg eher wohnen bleiben und älter werden, zumal es viele Eigentumswohnungen gibt“, sagte Staatssekretärin Klebba. Die Bedarfsplanung werde künftig mindestens einmal im Jahr neu errechnet. Bisher sei es häufig so, dass Bewohner von Außenbezirken ihre Kinder in Kitas nahe ihrer Arbeitsstätte geben, so Klebba. Entstünden mehr Kitas in Wohnortnähe, würden dadurch Kitas in der Innenstadt entlastet.

In der Kategorie 3 sind die städtischen Gebiete erfasst, in denen es derzeit noch eine Überangebot an Kita-Plätzen gibt, wo aber wie im Wedding die Kinderzahlen steigen. In der Kategorie 4 sind die Lebensräume zusammenfasst, in denen es ungenutzte Kita-Plätze gibt und künftig ein weiterer Rückgang der Kinderzahlen zu erwarten ist. Das hat meist mit einer Alterung der dortigen Bevölkerung zu tun.

19.000 Plätze mehr

Auf dieser Grundlage können Kita-Betreiber ab sofort bei der Gesellschaft für Stadtentwicklung finanzielle Hilfen für die Einrichtung weiterer Kita-Plätze beantragen.

Denn über ein Landesprogramm sollen in Berlin bis Ende 2015 etwa 11 000 zusätzliche Plätze entstehen, allein im Doppelhaushalt 2012/13 stehen dafür 20 Millionen Euro bereit. Hinzu kommen auch Bundesmittel, so dass die Zahl der Kita-Plätze im Vergleich zu 2011 in den nächsten vier Jahren um insgesamt 19 000 Plätze zunehmen soll. Dann sollen 95 Prozent der 3- bis 6-Jährigen eine Kita besuchen, und 70 Prozent der Ein- bis Dreijährigen, wie Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) mitteilte. Gefördert wird vorzugsweise dort, wo auch ein besonderer Bedarf an Kita-Plätzen besteht.

Kitas mit weniger als 50 Kindern, also vor allem Elterninitiativ-Kitas oder Kinderläden, erhalten für jeden zusätzlichen Platz eine „Starthilfe“ von 1000 Euro. Mit bis zu 7000 Euro pro neuem Kita-Platz können Um- und Ausbauten gefördert werden. Hier muss der Eigenanteil mindestens 10 Prozent der Fördersumme betragen.

In Einzelfällen werden laut Bildungsverwaltung sogar Neubauten gefördert – mit bis zu 15.000 Euro pro Platz. Ab 2013 sollen Mietkostenzuschüsse in Bezirken mit vergleichsweise hohen Mieten gewährt werden, die zugleich einen Mangel an Kita-Plätzen aufweisen.

In diesem Jahr stehen vier Millionen Euro für den Ausbau der Kita-Plätze zur Verfügung. Es wird nicht leicht, diese Mittel in der kurzen Zeit noch zu verbauen, sagt Kita-Referent Marcus Luttmer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Zudem sei es schwierig, qualifizierte Erzieher auf dem Arbeitsmarkt zu finden.



Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?