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Kinderbetreuung in Berlin: Kitaplatz-Mangel in Wedding, Kaulsdorf und Neukölln

Seit August 2013 gilt zudem der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Kinder ab einem Jahr.

Seit August 2013 gilt zudem der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Kinder ab einem Jahr.

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dpa

In Berlin wollen mehr Eltern einen Kita-Platz für ihre Kinder als von der Verwaltung prognostiziert. „Bis zum Jahresende 2013 gingen statt der erwarteten 135.000 Kinder 136.692 Kinder in die Kitas“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch. Nur weil Berlin auch bei seinem Kita-Ausbauprogramm über dem Soll liege, konnten alle Kinder versorgt werden. Als Hauptgrund für den unerwarteten Zuwachs gelten verstärkter Zuzug, steigende Geburtenzahlen und die Tatsache, dass das Elterngeld derzeit spätestens nach 14 Monaten ausläuft und die Kinder dann in die Kita geschickt werden. Seit August 2013 gilt zudem der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Kinder ab einem Jahr.

Allein in den vergangenen beiden Jahren sind in Berlin mit Landesmitteln knapp 7000 Kita-Plätze entstanden, besonders viele in Pankow, Treptow-Köpenick und Lichtenberg.

Nach der regen Neugründung von Elterninitiativ-Kitas sowie dem Ausbau von bestehenden Gebäuden hat die Bildungsverwaltung nun den Kita-Bedarfsatlas neu erarbeitet. Anhand von mittlerweile fünf Kategorien wird ersichtlich, in welchen Stadtteilen Plätze besonders dringend benötigt werden. Leicht entspannt hat sich die Situation demnach im Vergleich zum Vorjahr in Pankow, Lichtenberg und Tempelhof, sehr angespannt bleibt die Situation in den östlichen Eigenheimgebieten wie Kaulsdorf oder Mahlsdorf.

Verschlechtert hat sich die Situation im ganzen Bezirk Neukölln, aber auch in Friedrichshain-Kreuzberg, in Wedding und im Märkischen Viertel fehlen besonders viele Kita-Plätze. Also genau in jenen Stadtteilen, in denen der frühe Kita-Besuch eigentlich die Bildungs- und Sprachdefizite der Elternhäuser ausgleichen soll.

„Ich habe die Befürchtung, dass die sozial belasteten Gebiete beim Kita-Ausbau etwas zu kurz kommen“, sagte Martin Hoyer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, dem großen Dachverband für Kita-Träger. In sozialen Brennpunkten gebe es wenig Elterninitiativen, zudem würden Bezirke ihre Mittel eher dorthin geben, wo der artikulierte Elternunmut besonders groß sei.

Der SPD-Abgeordnete Joschka Langenbrinck verweist etwa auf die Neuköllnische Heide, wo in der Weißen Siedlung und der High-Deck-Siedlung viele eher arme, kinderreiche Familien leben. Die Bildungsverwaltung hatte ihm auf eine parlamentarische Anfrage mitgeteilt, dass hier trotz steigender Kinderzahlen kaum zusätzlich Kita-Plätze geschaffen werden konnten – „weil es an geeigneten Bauflächen und Räumlichkeiten mangelt“, so die offizielle Begründung. „Wir brauchen mehr Kita-Plätze in sozialen Brennpunkten“, fordert Langenbrinck. Die dort wohnenden Eltern würden nicht bis ans andere Ende des Bezirks fahren, um ihre Kinder zur Kita zu bringen. Rechtlich ist Eltern eine Fahrt von einer Stunde zuzumuten.

Virtuelle Warteliste nicht fertig

Immerhin hat die Neuköllnische Heide nun oberste Priorität beim Kita-Ausbau. Die Bezirksregionen, die in den Kategorien 1, 2, 3+ sind, erhalten gezielt Geld vom Land, um Kita-Gebäude auszubauen. Vielerorts sind bereits schöne Gebäude entstanden. Kleinere Elterninitiativen erhielten zudem gut 1000 Euro pro Kita-Platz, richteten damit Räumlichkeiten meist in Eigenregie her. „Die Zahl unserer Mitglieder ist sicher auch wegen der Förderung im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent gestiegen“, sagt Roland Kern vom Dachverband der Kinder- und Schülerläden.

Während allein im vergangenen Jahr mehr als 16 Millionen Euro für den Kita-Ausbau zur Verfügung standen, sind es 2014 nur 8 Millionen. Zugleich steigen gerade in den innerstädtischen Bereichen die Mieten, gibt es kaum noch Leerstand. Neubauten will der Senat aus Kostengründen vermeiden. Geprüft wird nun, ob das Geld künftig verstärkt für den Kita-Ausbau eingesetzt wird und ob die Starthilfen für Elterninitiativen erhalten bleiben. Denn bis 2016 sollen weitere 4200 Plätze geschaffen werden.

Der Kita-Ausbau ist kompliziert: Pro Kind müssen mindestens sechs Quadratmeter Freifläche vorhanden sein, Brandschutzbestimmungen müssen eingehalten werden, die Position der Handtuchhalter ist genau vorgegeben. Bei der Qualität der Betreuung hat man schon Abstriche gemacht, mittlerweile darf jeder vierte betreuende Erzieher ein fachfremder Quereinsteiger sein.

Ein neues Computerverfahren soll den Kita-Trägern anzeigen, wann ein bestimmtes Kind einen Kita-Platz erhalten hat. Bisher führten viele Kita-Leitungen handgeschriebene Wartelisten. Da viele Kinder aber an verschiedenen Kitas angemeldet waren, konnten diese nicht abgeglichen werden. Bis das neue IT-System wirklich funktioniert, wird es aber noch dauern. Nicht jeder Kita-Träger hat dafür das geeignete Personal. Ein politisches Ziel aber hat Scheeres wohl schon erreicht. Bis 2015 sollten 70 Prozent aller Ein- und Zweijährigen eine Kita besuchen und 95 Prozent aller Drei- bis Sechsjährigen. Das ist bereits jetzt der Fall, allerdings will die Verwaltung das noch mit der neuesten Bevölkerungsprognose abgleichen.


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