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Berliner Zeitung | Kinderbetreuung in Berlin: Kitaplatz-Mangel verschärft sich wegen Flüchtlingskindern
05. October 2015
http://www.berliner-zeitung.de/22299996
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Kinderbetreuung in Berlin: Kitaplatz-Mangel verschärft sich wegen Flüchtlingskindern

Es ist laut und eng in den Kitas. Viele Erzieherinnen hätten gerne mehr Zeit für das einzelne Kind, nicht wenige wechseln frustriert den Beruf.

Es ist laut und eng in den Kitas. Viele Erzieherinnen hätten gerne mehr Zeit für das einzelne Kind, nicht wenige wechseln frustriert den Beruf.

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dpa/Friso Gentsch

Fast die Hälfte der minderjährigen Flüchtlinge, die derzeit täglich in Berlin ankommen, sind unter sechs Jahren. Also im besten Kita-Alter. Auch für diese Kinder gilt der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab dem ersten Lebensjahr, wie die zuständige Senatsverwaltung bestätigt. Allerdings für maximal fünf Stunden täglich, weil die Eltern ja keiner Arbeit nachgehen dürfen. Für Kita-Betreiber macht das die Sache nicht leichter: Sie erhalten für eine fünfstündige Betreuung auch anteilmäßig weniger Personal bewilligt als für ein Kind, das am Nachmittag noch in der Einrichtung ist.

Da das Angebot an Kita-Plätzen jetzt schon knapp ist – in den vergangenen Jahren wurden in Berlin jährlich etwa 1000 Kinder mehr als im Vorjahr geboren – greift die Sorge um sich, dass die Kita-Plätze nicht ausreichen. An diesem Dienstag wird es darum auch auf der Senatssitzung gehen – konkret um die frei werdenden Mittel aus dem Betreuungsgeld.

Nur jedes dritte Flüchtlingskind besucht Kita

Jenes zuweilen als „Herdprämie“ verspottete Betreuungsgeld, das nach einer Idee der bayrischen CSU die Kinderbetreuung zu Hause statt in der Kita wertschätzen sollte, war vom Bundesverfassungsgericht für unzulässig erklärt worden. Darauf einigten sich Bund und Länder, das Geld in den Kita-Ausbau zu geben, um dort Plätze für Flüchtlingskinder zu schaffen. Theoretisch stünden Berlin 55 Millionen Euro aus dem Ein-Milliarden-Etat zur Verfügung. Doch 2016 dürften es nur 18,6 Millionen Euro sein, weil bundesweit noch viele Eltern Betreuungsgeld beziehen, man es ihnen nicht einfach wegnehmen kann.

Da nur etwa jedes dritte Flüchtlingskind eine Kita besucht, könnte womöglich auch ein Teil dieses Geldes in pädagogische Angebote vor Ort in den Heimen fließen. Geplant sind dort „Sprungbretteinrichtungen“, um Asylbewerbern das Konzept einer Kita näher zu bringen. Angesichts solcher Werbeaktionen dürfte der Anteil der Flüchtlingskinder in Kitas weiter steigen. Vorausgesetzt die Einrichtung ist gut zu erreichen.

Doch Kita-Betreiber und Eltern, die sich im Berliner Kitabündnis zusammengefunden haben, sorgen sich um die Qualität der Kita-Betreuung. Zusätzliche Mittel dürften nicht nur in den Ausbau der Kapazitäten gegeben werden, sagte Christa Preissing vom Berliner Kita-Institut für Qualitätsentwicklung. Es sei noch weiteres Geld nötig, um den Personalschlüssel für Krippenkinder unter drei Jahren zu verbessern. „Das würde der frühkindlichen Bildung dienen und käme gerade Flüchtlingskindern zugute“, sagte Preissing. Deutschlernen inklusive. Tatsächlich kommen bei den Krippenkindern in Berlin rechnerisch sechs Kinder auf einen Erzieher, ein schlechter Wert. Und ein Erzieher ist auch mal krank, im Urlaub oder auf Fortbildung. Zeitweise sei nur eine Erzieherin in einer Gruppe mit 15 Kindern, so eine Kita-Leiterin. Das sei Selbstausbeutung der Kinder zuliebe.

Aktionen am Mittwoch

Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt für eine pädagogische gute, zugewandte Betreuung drei Krippenkinder pro Erzieher, was nur in Baden-Württemberg und Bremen annähernd erreicht wird. Bei den drei- bis sechsjährigen Kita-Kindern ist die Betreuungssituation in Berlin aber wesentlich besser.

Das Kitabündnis wird am Mittwoch mit zahlreichen Aktionen von Erziehern, Kindern und Eltern auf seine drei Forderungen aufmerksam machen: Neben dem besseren Personalschlüssel und dem Kita-Ausbau will man Kita-Leiterinnen künftig ab 80 Kindern in der Einrichtung für konzeptionelles Arbeiten freistellen.