01.12.2011

Kindstötung: Toter Säugling in Buch

Von Sabine Deckwerth und Benedikt Paetzholdt
Berlin –  

Erneut ist in Berlin ein Baby getötet worden. Das neugeborene Kind wurde am Mittwochnachmittag im Pankower Ortsteil Buch gefunden. Die Mutter des Neugeborenen wurde festgenommen. Die Polizei ermittelt nun wegen Kindstötung.

Erneut ist in Berlin ein toter Säugling entdeckt worden. Das Neugeborene lag in einem Müllcontainer. Seine Mutter, eine 24-Jährige, wurde am gestrigen Mittwoch im Pankower Ortsteil Buch festgenommen.

Die junge Frau lebte in einem zehngeschossigen Plattenbau in der Walter-Friedrich-Straße im Norden Berlins. Offenbar wurde sie betreut. Eine Mitarbeiterin des Gesundheitswesens hat sich um die junge Frau gekümmert, als sie schwanger war. Am gestrigen Mittwoch wollte die Amtsmitarbeiterin wieder nach ihr sehen. Aber die 24-Jährige war nicht mehr schwanger, und in der Wohnung gab es auch kein Baby. Auf Fragen der Mitarbeiterin wich die junge Frau aus. Die Mitarbeiterin hat daraufhin gegen 13.45 Uhr die Polizei alarmiert.

Mordkommission ermittelt

Auf Fragen der Beamten nach dem Baby verwickelte sich die junge Frau dann zunehmend in Widersprüche. Die Polizisten begannen daraufhin mit der Suche nach dem Säugling, im Haus, in der Umgebung. Schließlich entdeckten sie das tote Kind in einem Müllcontainer. Es soll erst kurz zuvor zur Welt gekommen sein.

Noch ist nicht bekannt, welches Geschlecht das Kind hat und wie es starb. Der kleine Leichnam werde noch in der Nacht obduziert, hieß es. Die Ermittler gehen allerdings bereits von einem Tötungsdelikt aus. Es bestehe der Verdacht der Kindstötung, erklärte gestern ein Polizeisprecher. Eine Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen, was bei Kindstötungen generell üblich ist.

Die 24-Jährige soll bereits zwei Kinder haben, erzählten Nachbarn. Es hieß, sie habe mit ihrem Freund und einem Hund in der Wohnung gelebt.

Gewalttätiger Freund

In Deutschland ermittelt die Polizei jährlich in 25 bis 30 Fällen, in denen Mütter ihre Neugeborenen töten. Die Zahl ist in den letzten Jahren weitgehend konstant geblieben. In vielen Fällen handeln die Frauen aus Verzweiflung oder Überforderung.Täterinnen sind sowohl junge als auch ältere Frauen, Studentinnen oder Verkäuferinnen. In Berlin registriert die Polizei etwa drei bis fünf Fälle im Jahr.

Erst vor zehn Tagen hatte ein Hausmeister in Charlottenburg einen toten Säugling in einem Hinterhof gefunden. Die 40-jährige Mutter Ines D. sitzt wegen des Verdachts des Totschlags in Untersuchungshaft. Sie soll den Jungen wenige Stunden nach der Entbindung aus dem fünften Stock ihres Wohnhauses am Spandauer Damm geworfen haben. Es heißt, zwischen der Frau und ihrem Freund habe es häufig Streit gegeben. Der 44-Jährige war zunächst ebenfalls festgenommen, aber wieder freigelassen worden. Er gilt als gewalttätig. So hatte er im Gefängnis gesessen, weil er seine damalige Lebensgefährtin zu Tode geprügelt hatte. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge war er zu sieben Jahren Haft verurteilt und seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet worden.

In der letzten Woche wiederum wurde gegen eine 25-Jährige Haftbefehl erlassen, weil sie ihren drei Monate alten Sohn fast verhungern ließ. Der Zustand des Kindes war bei einem Arztbesuch aufgefallen.

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