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Kino-Premiere im Babylon: Super Film, Supergeil

Geld hatten sie kaum, also mussten Robert von Wroblewsky (l.) und Matthias Kubusch ihre Schauspieler mit anderen Dingen überzeugen.

Geld hatten sie kaum, also mussten Robert von Wroblewsky (l.) und Matthias Kubusch ihre Schauspieler mit anderen Dingen überzeugen.

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Markus Wächter

Es braucht nur einen Tropfen, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Dieser Satz umschreibt, was im Film „Der Tropfen“ passiert. Der wurde von Robert von Wroblewsky und Matthias Kubusch, die sich gemeinsam „Schauhauskollektiv“ nennen, gedreht und feierte am Donnerstagabend im Kino Babylon Premiere. Das Besondere an dieser Produktion: Die Filmemacher haben ihr potenzielles Publikum vorab um Zuschüsse zum Budget gebeten und auf diese Weise über 6 000 Euro zusammenbekommen. Das klingt, wenn man die Millionenbudgets großer Produktionen kennt, nach fast nichts.

In ihrem Fall waren die 6 000 allerdings ein wesentlicher Teil der für die Produktion zur Verfügung stehenden Gesamtsumme von gerade mal 16 000 Euro. Die ging zu einem großen Teil für Transport- und Übernachtungskosten drauf, denn „Der Tropfen“ beschreibt als Roadmovie eine Reise aus dem Thüringer Wald nach Berlin. Die Beteiligten, darunter bekannte Schauspieler wie Winnie Böwe, Matthias Freihof, Pierre Sanoussi-Bliss, Florian Martens und Werner Daehn arbeiteten ohne Gage. Franziska Troegner umschreibt ihre Motivation so: „Mir hat die Grundidee gefallen. Und den Robert finde ich sehr sympathisch.“

Walfriede Schmitt hatte auch ihre Gründe: „Den Kubusch kenne ich noch von der Volksbühne. Für so eine Arbeit nehme ich auch die Unterbringung in einem Sechsbettzimmer mit Dusche und Klo übern Gang in Kauf.“ Robert von Wroblewsky erinnert sich: „Umso wichtiger war es, dass wir anständiges Catering am Set hatten. Wenn wir schon keine Gagen zahlen konnten, sollten sich die Leute nicht auch noch Stullen mitbringen müssen!“

Das Einsammeln von Zuschauergeld war extrem mühsam. Im Gegensatz zu einem Kinofilm wie „Stromberg“, der seine Fanbasis unter den Anhängern der TV-Serie besitzt und deshalb innerhalb einer Woche eine Million Euro zusammen hatte. Mit 200000 Euro (man wird doch mal träumen dürfen!) würde Robert von Wroblewsky keinen völlig anderen Film drehen: „Wir hätten mehr Zeit gehabt, die Szenen vorzubereiten. Und hätten mehr Einstellungen drehen können. Außerdem wäre dann die Miete für bessere Technik drin gewesen.“

Die ersten Kritiken zum Film erfreuen seine Macher. Da wird ihre Arbeit als „atmosphärisch gelungenes, überzeugend besetztes“ Drama bezeichnet. Und es heißt, dass ihr Film „aufrüttelt“ und „unbequeme Fragen“ stellt. Offensichtlich müssen Kubusch und von Wroblewsky sich mit ihrer Arbeit nicht verstecken, was sie auch nicht vorhaben. Im Gegenteil: „Wir tingeln jetzt erst mal durch die Kinos und stellen uns dem Publikum.“ Wo genau, das lässt sich auf der Internetseite www.dertropfen.eu nachlesen.

Die Premiere im Babylon war ausverkauft. Und brachte der bekannten Sängerin Pascal von Wroblewsky, Mutter des Regisseurs Robert, eine ganz neue Erfahrung: „Ich habe sonst nie Lampenfieber, heute bin ich aber nervös!“

Es gibt Fälle von später Berühmtheit, bei denen man sich fragt: Warum hat es eigentlich nicht früher geklappt? Friedrich Liechtenstein ist so einer. Über ihn schwärmten in den vergangenen Jahren höchstens mal Hardcore-Volksbühnen-Gänger. Es gab dieses Video „Der Tourist“ – das hatte was. Und dann kam – die Idee des Videos geschickt variierend – ein Internet-Reklamefilm für die Supermarktkette Edeka. Leute, die den schon sahen, erkennt man an Formulierungen wie: „Sehr geiler Dorsch.“ Oder: „Geile Uschi, geile Muschi, geiles Sushi.“ Und an der Verwendung des schlagartig in Mode geratenen Worts „supergeil“, das eigentlich gar nicht geht, seit Friedrich Liechtenstein nun aber doch.

Am Donnerstagabend war das „Supergeil“–Video schon über 5,7 Millionen Mal angeklickt worden. Friedrich Liechtenstein, der hippe Senior aus dem Video, kann längst nicht mehr jedem persönlich antworten, der ihm per Facebook zum Video gratuliert. Vorige Woche bestellte er deshalb seine Fans zum Zeitungskiosk am Rosa-Luxemburg-Platz und winkte ihnen von der Terrasse seiner benachbarten Wohnung.

Liechtenstein (der eigentlich Hans-Holger Friedrich heißt) ist auf seinem Weg zum Altersruhm nicht mehr zu stoppen. Nächste Station: An diesem Freitag lässt er sich in der Talkshow „3nach9“ (22 Uhr im NDR) befragen.