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Klinikkonzern: Vivantes bekommt eine Chefin

Andrea Grebe, Ärztin und Managerin

Andrea Grebe, Ärztin und Managerin

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dpa/Paul Zinken

Eine Frau könnte schon bald an der Spitze des landeseigenen Klinikkonzerns Vivantes stehen: Andrea Grebe, seit Oktober kommissarische Vorsitzende der Geschäftsführung, hat nach Informationen der Berliner Zeitung gute Chancen, den Posten im April dauerhaft zu übernehmen. Das Auswahlverfahren wurde bereits beendet, mit dem nach einem Nachfolger des im Juni 2013 im Streit ausgeschiedenen Vivantes-Chefs Joachim Bovelet gesucht wurde. „Wir haben keinen Bewerber gefunden, der besser gewesen wäre als Frau Dr. Grebe“, sagte am Dienstag auf Anfrage der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Peter Zühlsdorff. Ein neues Auswahlverfahren sei nicht aufgelegt worden.

Ob die Wahl nun tatsächlich auf Grebe gefallen ist, wollte Zühlsdorff nicht kommentieren, er bescheinigte der 52-Jährigen aber, „einen großartigen Job“ zu machen. Eine Entscheidung könnte in der Aufsichtsratssitzung am 26. März fallen. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass die kommissarische Tätigkeit von Frau Dr. Grebe dazu dient, zu evaluieren, ob sie in Gänze bestellt wird“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Giovanni Ammirabile. Nach seinem Dafürhalten hat die Internistin den Probelauf bestanden. „Sie ist nicht nur Managerin. Sie hat auch eine soziale Komponente und sieht die Menschen, die in einem Unternehmen arbeiten.“ Grebe, 1961 im nordhessischen Korbach geboren, hat neben ihrer Facharztausbildung einen Abschluss im Fach Public Health (Bevölkerungsgesundheit) gemacht.

Viel Geld für Abfindungen

Grebe kennt den Klinikkonzern seit seiner Gründung. Kurz nach der Fusion der städtischen Krankenhäuser unter dem Dach von Vivantes wechselte sie im April 2001 von Kassel nach Berlin und war in dem Unternehmen bis zum Jahr 2006 für das Qualitätsmanagement zuständig. Anschließend übernahm sie die medizinische Geschäftsführung von Baden-Württembergs größtem Klinikverbund RKH in Ludwigsburg und kehrte im März 2013 als Geschäftsführerin für den Bereich Klinikmanagement zu Vivantes zurück, um dann wenige Monate später zudem zur kommissarischen Vorsitzenden der Geschäftsführung aufzurücken.

Andrea Grebe leitet die Geschäftsführung gemeinsam mit Personalchef Christian Friese und Finanzchef Bernd Kahnes. Sollte sie vom Aufsichtsrat, dem auch Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) und Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) angehören, zur Vorsitzenden berufen werden, würde sie sich wohl weiterhin ebenso um das Klinikmanagement kümmern. So könnte die unter dem damaligen Chef Bovelet eingeführte vierköpfige Geschäftsführung wieder verkleinert werden. Diese Einsparmaßnahme käme im Senat gut an, nachdem Vivantes in den vergangenen Jahren viel Geld für Abfindungen ausgegeben hat. Allein 2012 wurden 81 Arbeitsverträge mit Abfindungszahlungen von insgesamt 3,2 Millionen Euro aufgelöst. Bovelet musste sich die Kritik gefallen lassen, er pflege „eine Kultur des Rauschmisses“.

Als Frau erfüllt Grebe darüber hinaus eine wichtige Voraussetzung. Schließlich sind nach Angaben der Senatsfinanzverwaltung nur 24 Prozent der Geschäftsführungen oder Vorstände in den 38 landeseigenen Unternehmen mit Frauen besetzt. BVG-Chefin Sigrid Nikutta zählt dazu, Vera Gäde-Butzlaff, die langjährige Leiterin der BSR, verlässt ihren Posten Ende des Jahres.

Zu Vivantes, dem größten kommunalen Klinikkonzern Deutschlands mit rund 14.000 Mitarbeitern, gehören acht Krankenhäuser, 13 Pflegeheime, medizinische Versorgungszentren. Fast eine halbe Million Patienten werden jährlich behandelt, davon 215.000 stationär. Der Umsatz lag im Jahr 2012 bei 900 Millionen Euro.