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Berliner Zeitung | Knapper Wohnraum in Berlin: Berliner vermieten 17.500 illegale Ferienwohnungen
06. August 2015
http://www.berliner-zeitung.de/22764544
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Knapper Wohnraum in Berlin: Berliner vermieten 17.500 illegale Ferienwohnungen

Viele Berliner stellen ihre Wohnung bei Portalen wie Airbnb rein, aber das kann böse Folgen haben.

Viele Berliner stellen ihre Wohnung bei Portalen wie Airbnb rein, aber das kann böse Folgen haben.

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imago/Rüdiger Wölk

Die Zahl der Ferienwohnungen in Berlin ist deutlich höher als bisher angenommen. Nach Internet-Recherchen des Bezirksamtes Mitte gemeinsam mit dem Unternehmen Neofonie gibt es in der Hauptstadt insgesamt 23.103 Ferienwohnungen, die auf Online-Portalen wie airbnb, fewo-direkt und wimdu angeboten werden. Erhoben wurden von 15 Portalen alle öffentlich zugänglichen Angaben wie Wohnungsgröße, Preise, Adressen und URL-Daten. Damit sollen laut Bezirk etwa 95 Prozent der Angebote erfasst worden sein.

Hauseigentümer und Wohnungsbesitzer haben bei den Bezirksämtern seit dem vergangenen Jahr allerdings nur 5 682 Touristenapartments angemeldet. Demnach sind in Berlin fast 17.500 Ferienwohnungen nicht registriert. Ob diese von den Eigentümern illegal betrieben werden, sei noch nicht abzusehen, sagt Stephan von Dassel (Grüne), Stadtrat für Bürgerdienste in Mitte. Der Anteil liege vermutlich sehr hoch. Fest steht: „Es gibt eine erhebliche Quote von nicht genehmigten Ferienwohnungen.“ Berlinweit betrage diese 75 Prozent. Ferienwohnungen gibt es vor allem in den Stadtteilen Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg. Bisher war der Senat von 12.000 Touristenapartments ausgegangen.

Bis zu 50.000 Euro Strafe

Ferienwohnungen sind in Berlin seit dem 1. Mai 2014 gesetzlich verboten. Mit diesem Beschluss will der Senat den Wildwuchs auf dem Wohnungsmarkt beenden. Das ist umso dringender, weil es insbesondere in der Innenstadt kaum noch preiswerten Wohnraum gibt und aufgrund der wachsenden Stadt jedes Jahr 12.000 bis 15.000 neue Wohnungen gebaut werden müssen. Für die bisherigen Betreiber von Ferienwohnungen gilt jedoch eine Übergangsregelung von zwei Jahren bis Ende April 2016. Dazu mussten sie ihre Wohnung beim jeweiligen Bezirksamt registrieren lassen.

Die jetzt gewonnenen Daten will der Bezirk Mitte bis Anfang September aufbereiten und den anderen Bezirken zur Verfügung stellen. Die Anbieter fordert von Dassel auf, die illegale Vermietung von Ferienwohnungen einzustellen und dies den Bezirken durch reguläre Mietverträge nachzuweisen. „Das ist das Ziel der Bezirke und hat Einfluss auf das Bußgeld.“ Verstöße gegen das Gesetz können mit bis zu 50.000 Euro Geldbuße geahndet werden.

Die Tourismusbranche ist alarmiert: „Wir brauchen Ferienwohnungen, aber sicherlich nicht 23.000, wie aktuelle Studien beziffern. Wenn die Berliner sich in Ihrem Grundbedürfnis Wohnen bedrängt fühlen ist das nicht gut“, sagt Burkhard Kieker, Geschäftsführer von Visit-Berlin.


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