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Koch- und Sprachkurs: Türkisch für Anfänger

Sprache und Essen: In diesem Kurs kommt beides zusammen.

Sprache und Essen: In diesem Kurs kommt beides zusammen.

Foto:

AKUD/Lars Reimann

Berlin -

Das Petersilienhäubchen macht den Unterschied, da ist sich Deniz Julia Güngör sicher. Anders als hier, spiele in der Türkei das Aussehen von Speisen eine wichtige Rolle. „Es gibt im Türkischen auch so tolle Bezeichnungen für das Zubereiten“, schwärmt die zweisprachig aufgewachsene Berlinerin. Man gieße nicht etwa Olivenöl auf den Teller, sondern man „lässt das Öl auf dem Essen spazieren gehen“. Ihre beiden Leidenschaften, Kochen und die Feinheiten der türkischen Sprache, hat die 32-Jährige verbunden. Sie unterrichtet „Türkisch für Feinschmecker“ – Türkischkurse, in denen die Sprache über das gemeinsame Kochen und Essen erlernt wird.

Schwarze Schürze, weißes Logo

Nachdem die Hausaufgaben korrigiert wurden, kommt heute in dem Unterrichtsraum in der Neuköllner Weisestraße klassische Hausmannskost auf den Tisch: Mantı, Ravioli, und Kıymalı Semizotu, ein Pfannengericht mit Hackfleisch und Tomaten. Dazu einen Salat aus Portulak, einem Gemüse, das Güngör im türkischen Supermarkt besorgt hat.

Ihre drei Schüler sprechen schon mehr oder weniger fließend türkisch. Sie tragen schwarze Kochschürzen mit dem Schnäuzer-Logo des Kurses darauf, schneiden Zwiebeln und diskutieren konzentriert über Mengenangaben. Einer von ihnen ist Harun, der zwar türkische Eltern hat und in Neukölln aufgewachsen ist, der aber die Grammatik gerne richtig lernen möchte. Und türkische Gerichte habe er auch noch nicht selbst gekocht, erzählt Harun.

Alle zwei Wochen trifft sich der Konversationskurs, jedes zweite Mal stehen sie zusammen am Herd. Die Rezepte kennt Güngor aus ihrer Familie, in der viel gekocht wurde und die Kräutergläschen zweisprachig beschriftet waren, auf Deutsch und auf Türkisch. In der türkischen Kultur werde langsam und viel gegessen und dabei viel geredet, erzählt Güngör. Zwei bis drei Stunden sitze man oft beim Abendessen, das meistens die Frauen der Familie zubereitet haben. Eine von ihnen ist jeweils die Chefköchin. Essen spielt in Güngörs Leben eine wichtige Rolle. Fährt sie in den Urlaub, so könne sie sich danach besonders an die Mahlzeiten des Landes erinnern.

Deutsch als Fremdsprache und Turkologie hat die Sprachlehrerin studiert, zweieinhalb Jahre lang auch in Istanbul. Ihre Magisterarbeit schrieb sie über die türkischen Bezeichnungen der Körperteile von Schlachtvieh. Für sie lag es nahe, den Unterricht mit Essen und Kochen zu verbinden. Seit fast einem Jahr bietet sie ihre Kurse in dieser Form an, für Einsteiger bis Fortgeschrittene. Sie plant außerdem Wochenendworkshops in Hamburg und die Zusammenarbeit mit Schulen.

Ein bisschen wie in Istanbul

Vermisst habe sie bisher in Berlin noch nichts aus der türkischen Küche, man könne hier fast alle Zutaten bekommen. Und gute Restaurants jenseits der Dönerbude gebe es einige. Osmans Töchter in Prenzlauer Berg zum Beispiel oder das Defne am Planufer. Dort sei das Angebot zum Teil experimentell oder mit europäischem Einschlag.

Auch Gabriele, die gerade Portulak schneidet, war schon für längere Zeit in Istanbul. Sie schätzt die Vielseitigkeit der Küche. Dort hat sie besonders gerne gegrillten Fisch im Brot gegessen, den es überall gebe. Hier isst sie die türkischen Fischbrötchen gerne am Kotti, in einem kleinen Laden hinter der Drogerie. Ihr Lieblingsgericht ist Taze Fasulye, ein Bohneneintopf mit Fleisch.

Den Sprachkurs mit Kochen zu verbinden, findet sie toll. Obwohl sie eigentlich sowieso jeden Tag Türkisch spreche, mit ihrer Mitbewohnerin, beim Einkaufen oder einfach auf der Straße. „Deswegen wohne ich ja in Kreuzberg“, erklärt sie. Jetzt gibt sie Joghurt an den Salat, der sei in der türkischen Küche generell wichtig und werde oft als Beilage gegessen. Andere typische Zutaten sind Minze, Kreuzkümmel, Zitrone und Paprikaflocken, zählt Güngör auf. Und Kekik, ein Kraut, bei dem oft darüber gestritten werde, ob es nun Bergthymian oder Oregano sei.

Schließlich ist das Essen fertig, es schmeckt allen und es wird viel und lange geredet. Deniz Julia Güngör, Sprachlehrerin und Küchenchefin, ist zufrieden und ihre Schüler dürfen sich an diesem Abend in Neukölln ein bisschen wie in Istanbul fühlen.

Türkisch für Feinschmecker: Anmeldung per E-Mail unter tuerkischfuerfeinschmecker@gmail.com, Telefon: 60945334 (ab 14.30 Uhr), Weisestraße 59, Neukölln