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Berliner Zeitung | Kommentar zu Berlins Olympia-Plänen: Olympia nur mit Profis
27. August 2014
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Kommentar zu Berlins Olympia-Plänen: Olympia nur mit Profis

Im Stadtbild kommentieren wir täglich das Geschehen in der Hauptstadt-Region.

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Paulus Ponizak

Kann sich noch jemand an Axel Nawrocki erinnern? Nein? Das ist der Mann, der 1993 als Chef der Olympia GmbH die Pleite bei der Berliner Bewerbung für die 2000er Spiele zu verantworten hatte (neben Regierungschef Eberhard Diepgen). Nawrockis Qualitäten: Keine sportliche Erfahrung, fehlende Verbindung in die Spitzen des Weltsports. Nach grandioser Fußball-Heim-WM (2006) und einer Leichtathletik-WM (2009) ist Berlin nun selbstbewusst und stark genug, um nach den Olympischen Ringen zu greifen und die Sommerspiele 2024 oder 2028 nach Deutschland zu holen.

Aber ist Berlin stark genug? Regierungschef Klaus Wowereit hätte sicher den Charme, Berlin gegen nationale (Hamburg) und später internationale Konkurrenz erfolgreich zu präsentieren, Aber er ist gerade auf dem Abflug. Ärgerlich, dass er seinen Rückzug ausgerechnet in der Woche verkündet, in der Berlin sein Konzept für Olympia beim Deutschen Olympischen Sportbund einreichen muss. Und Vize-Chef und Sport(!)-Senator Frank Henkel (CDU)? Der ist während der Olympia-Abstimmung im Senat lieber in der Kita bei seinem Sohn.

Verheerend ist diese Botschaft, die Berlin aussendet. Eine international anerkannte Sportstadt, die mit schönen Stadion- und Fanbildern vom Brandenburger Tor wirbt, signalisiert: Wir brauchen keine Konkurrenz, wir schlagen uns selbst. Angesichts der Debatte um die Wowereit-Nachfolge bleibt bei SPD und CDU wohl für Olympia keine Zeit. Auch mangels sportlichem Spitzenpersonal ist zu befürchten, dass nun bei der Olympia-Bewerbung ein Vakuum entsteht, weil sich niemand ernsthaft kümmert. Dabei ist eine Lehre aus der Nawrocki-Pleite: Berlin braucht eine starke Persönlichkeit für eine erfolgreiche Olympia-Bewerbung. Nicht erst im Dezember – sondern jetzt sofort.