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Kommentar zu den Mauerkreuzen: Ein Diebstahl wie Grabschändung

Gedenkkreuze für Maueropfer vor dem Marie-Elisabeth-Lueders-Haus am Spreeufer (Archivbild).

Gedenkkreuze für Maueropfer vor dem Marie-Elisabeth-Lueders-Haus am Spreeufer (Archivbild).

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imago/blickwinkel

Berlin -

Ein Zaun trennt Afrika von Europa. Sechs Meter hoch ist die Grenzanlage mit Stacheldraht und Anti-Sprung-Vorrichtungen im spanischen Melilla, einer am Mittelmeer gelegenen Exklave in Marokko. Dieser Wall ist ein Beispiel für die menschenverachtenden Methoden, mit denen Europa sich gegen Zuwanderer abschirmt.

Auch die Außengrenzanlagen in Bulgarien und Griechenland dokumentieren das. An diesen drei Orten demonstriert gegenwärtig das Berliner „Zentrum für politische Schönheit“ mit weißen Kreuzen gegen die Abschottung Europas. Das ist an sich zu begrüßen.

Geschmacklos aber ist, dass die Gruppe für ihren Protest die Kreuze vom Berliner Spreeufer an sich gebracht hat, mit denen der Mauertoten gedacht wird. Im Internet brüstet sich die Initiative mit den Worten „Weiße Kreuze vor offiziellen Gedenkfeiern gerettet. 25. Jahrestag des Mauerfalls muss ohne Mauertote auskommen.“ Das ist an Zynismus kaum zu übertreffen.

Aktivisten schaden sich selbst

13 Namen und Sterbedaten stehen auf den Kreuzen. Für die Gesellschaft sind sie ein Mahnmal, für die Hinterbliebenen ein persönlicher Ort der Erinnerung. Ihnen muss der Diebstahl wie eine Grabschändung vorkommen. Zumal die Aktivisten den Eindruck erwecken, bei den Mauertoten, deren Schicksal nun von ihnen vereinnahmt wird, handele es sich um Opfer zweiter Klasse. Ihrem berechtigten Anliegen, auf die dramatische Lage von Flüchtlingen aufmerksam zu machen, haben sie damit nur geschadet.