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Kommentar zu Schließung der Pony Bar: Mitte wird gähnend langweilig

"Good things will happen soon" steht auf einem Aufkleber am Schaukasten. Für die Pony-Bar gilt das nicht.

"Good things will happen soon" steht auf einem Aufkleber am Schaukasten. Für die Pony-Bar gilt das nicht.

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BLZ/Hans Richard Edinger

Es dauert nicht mehr lange, dann ist es so weit. Dann ist Mitte genauso bieder, normal und zum Gähnen langweilig wie andere Innenstadtbezirke in Europa. Shopping, Caffè Latte trinken, abends nicht minder teuer vegan dinieren und anschließend ab nach Hause, wo im Internet weiter konsumiert wird: Das ist die Devise, viel mehr ist bald nicht mehr möglich. Clubs, Kneipen und andere Etablissements, deren Besitzer nicht jede auch noch so unverschämte Mietforderung befriedigen können, stören da nur.

Der „Eimer“, das „WMF“ und der „Friseur“ (um nur einige Beispiele zu nennen) mussten in Mitte schon vor vielen Jahren schließen. Wo 121?Jahre lang Nachtschwärmer in der Bierstube „Alt Berlin“ bei Pils und Knackern gepflegt versackten, gibt es seit 2014 Kleidung zu kaufen. Wie originell, wenn man die vielen anderen Klamotten- und Turnschuhgeschäfte nebenan sieht!

Räumungsklage vom Vermieter

Doch wer geglaubt hat, dass der Exodus damit zu Ende ist, hat sich geirrt. Bald ist ein weiteres Mitte-Lokal an der Reihe: Auch die „Pony Bar“ in der Alten Schönhauser Straße macht dicht, nach 13 Jahren. „Letzter Ausritt am 26. März“, heißt es. „Ja, leider müssen wir schließen“, bestätigt Inhaber Andreas Credo. „Wir haben in der zweiten Instanz vorm Kammergericht gegen unseren Vermieter eine Räumungsklage verloren.“ Dann einigten sich beide Seiten auf einen Vergleich.

Schluss, Aus, Ende. Das ist schade, denn Bars dieser Art haben zu Berlins weltweitem Ruf als Ausgehstadt beigetragen. In ungezwungener Atmosphäre bei lauter Musik Alkohol zu mäßigen Preisen trinken: In naher Zukunft ist das hier nicht mehr möglich. Tschüss! Es war schön. Auch wenn Ponys in all den Jahren nicht zur Tränke kamen.