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Kommentar zum Atommülllager Wannsee: Atommülllager ist Relikt aus Mauerzeiten

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Über 80 Prozent der Lagerkapazitäten in Wannsee sind schon ausgeschöpft. Und der radioaktive Müll kann nicht abtransportiert werden.
Über 80 Prozent der Lagerkapazitäten in Wannsee sind schon ausgeschöpft. Und der radioaktive Müll kann nicht abtransportiert werden.
 Foto: Berliner Zeitung/Christian Schroth
Berlin –  

Ein Atommülllager in der Millionenstadt Berlin ist ein Unding. Denn niemand kann die gesundheitlichen Risiken genau bestimmen. Der Senat hat zudem keine Idee, wie er mit dem wachsenden Atommüllberg umzugehen hat.

Es sind Relikte aus dem eingemauerten West-Berliner Inseldasein: Der Forschungsreaktor BER II genauso wie Sammelstelle für radioaktiven Müll auf dem Gelände des Helmholtz-Zentrums in Wannsee. In Betrieb genommen in den 70er Jahren, lange vor der ersten Atom-Katastrophe von Tschernobyl und dem Erstarken der Anti-AKW-Bewegung, gab es seinerzeit keinerlei Debatten, ob derartige Einrichtungen in einem dicht besiedelten Wohngebiet tragbar sind.

Drei Jahre nach Tschernobyl, unter dem 1989 gebildeten, rot-grünen Kurzzeitsenat, stand die Forderung, den Reaktor und die Sammelstelle zu schließen, erstmals auf der politischen Agenda. Sie ging, wie Rot-Grün, in dem Übermaß der neuen Herausforderungen nach dem Mauerfall völlig unter.

Es gibt nicht einmal eine Idee

Erst seit der Kernschmelze in Fukushima im März 2011 hat ein breiteres Publikum überhaupt den Anachronismus zur Kenntnis genommen, dass in der größten Millionenstadt Deutschlands ein Atomreaktor betrieben wird und eine der landesweit größten Sammelstellen für schwach- und mittelradioaktiven Müll. Und das Unbehagen in den umliegenden Stadtteilen nimmt zu, auch in der stetig wachsenden, benachbarten Landeshauptstadt Potsdam. Zu recht. Aber die diffuse Abwartehaltung des Senats zeigt, dass weit mehr Druck nötig ist.

Denn mit Gewissheit kann niemand sagen, welche gesundheitlichen Risiken vom Helmholtz-Zentrum ausgehen. Im Berliner Parlament wird gegenwärtig debattiert, das Krebsregister auf eine Häufung spezieller Krankheitsbilder auszuwerten, wie sie im Umfeld von Kernkraftwerken auftreten. Geschehen ist das also noch nie.

Genauso irritierend ist der Umgang des Senats mit der längst zum Endlager mutierten Sammelstelle. Bislang gibt es keinerlei Initiative, wie mit dem wachsenden Atommüllberg umzugehen ist, wenn die Hallen in Wannsee in ein, zwei oder drei Jahren endgültig voll sind. Noch schlimmer: Es gibt nicht einmal eine Idee.

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