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Kommentar zum Berliner Ensemble: Groteskes Schauspiel um Sarrazin

"Mehr schlecht als Brecht": Junge Demonstrantinnen vor dem Berliner Ensemble.

"Mehr schlecht als Brecht": Junge Demonstrantinnen vor dem Berliner Ensemble.

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Christian Mang

Was am Sonntagmorgen im Berliner Ensemble geschieht, ist ein groteskes Schauspiel. Etwa 20 Demonstranten stören lautstark eine Veranstaltung mit dem polarisierenden Autor Thilo Sarrazin. Und die Leitung des Berliner Ensembles gibt umgehend klein bei. Sie beugt sich dem Lärm einer kleinen Minderheit und schickt die mehr als 100 Besucher, die in einem freien Land nun mal Sarrazin hören wollten, nach Hause.

Grotesk ist vor allem, wie BE-Direktionsmitglied Jutta Ferbers zum Schluss noch den stoisch auf dem Podium ausharrenden Thilo Sarrazin zum Gehen drängt. Den Gast, den man sich ins Haus geholt hat, wollen die Theaterleute nun ganz schnell wieder los werden. Ohnehin seltsam, dass das Theater im Herzen Berlins keinen privaten Sicherheitsdienst engagiert hat, wie das bei Veranstaltungen mit Thilo Sarrazin mittlerweile selbst in der Provinz üblich ist.

Die vornehmlich migrantischen Störer im Theater am Schiffbauerdamm mögen im Nach-NSU-Deutschland gute Gründe haben, gegen Sarrazin und dessen Haltung zu türkisch- und arabischstämmigen Zuwanderern zu protestieren. Nachdem sie im Berliner Ensemble aber sogar Rederecht erhalten hatten, hätten sie ihre Protestaktion beenden müssen. Mit ihrem Bestreben, die ganze Veranstaltung mit viel Lärm zum Abbruch zu bringen, haben sie ihrem Anliegen einen Bärendienst erwiesen.

Sarrazins neues Buch stellt nämlich die steile These auf, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland durch einen linken Mainstream eingeschränkt werde. Wer Sarrazins öffentliche Auftritte mit solcherlei Aktionen verhindert, betreibt in Wahrheit Werbung für diesen Mann. Thilo Sarrazin kann dann erst recht seine Lieblingsrolle spielen: die des Opfers, das meint, einer müsse ja die unangenehmen Dinge aussprechen.



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