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Kommentar zur Flughafen: Immer wieder Überraschungen am Horror-Projekt BER

Im Stadtbild kommentieren wir täglich das Geschehen in der Hauptstadt-Region.

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Paulus Ponizak

Offizielle Flughafenakten lagern auf offener Straße, als frei zugänglicher Lesestoff für jedermann. BER-Technikchef Großmann wird nach Korruptionsvorwürfen entlassen. Und nun wurde berichtet, dass offenbar auch ein anderer früherer Mitarbeiter Dreck am Stecken hat: Danach ist der Planer der wichtigsten Entrauchungsanlage im neuen Fluggastterminal kein Ingenieur, sondern nur technischer Zeichner.

Das Horrorprojekt BER beweist fast täglich aufs Neue, dass es trotz einer ermüdend langen Abfolge von Skandalen, Pannen und Pleiten immer noch zu überraschen vermag – mit neuen Ärgernissen, neuen Absurditäten. Es fragt sich nur, was als Nächstes ans Licht kommt. Lagert Atommüll unter dem Terminal? Nagt an den Pisten schon der Betonkrebs? Zahlten andere Airports BER-Verantwortlichen insgeheim Geld, damit das Projekt an die Wand gefahren wird? Sicher ist nur: Der nächste Skandal kommt bestimmt.

Skandale verstellen Blick auf Wichtigeres

Schlimm ist nicht, dass Skandale geschehen. Irgendwann gelangt jede Wahrheit ans Licht, das ist unausweichlich und auch gut so. Schlimm ist allerdings, dass in dem täglichen Klein-Klein des Kuriositätenkabinetts BER die wirklich wichtigen Themen aus dem Blickfeld verschwinden und aus Furcht, weitere Büchsen der Pandora zu öffnen, nicht mehr angegangen werden.

Ein Beispiel: Egal, wann der BER den Betrieb aufnimmt, die Abfertigungskapazitäten werden schon bald nach der Eröffnung nicht mehr ausreichen. Eine Erweiterung ist dringend nötig, die Planungen müssen rasch intensiviert werden, Geld muss bereitgestellt werden. Auch die Gepäckförderanlage ist zu klein. Planer und Politiker sind bereits vollauf damit beschäftigt, den Flughafen in seiner jetzigen Form ans Netz zu bekommen. Doch sie müssen auch an die Zeit danach denken. Sonst gilt: Nach der Eröffnung wird es noch peinlicher am BER.