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Kommentar zur Mall of Berlin: DGB fehlt bei "Mall of Shame"-Demo

Wissen Sie, wo Sie sind – Braunschweig, Bochum, Berlin? Die Halle der LP 12 – Mall of Berlin.

Wissen Sie, wo Sie sind – Braunschweig, Bochum, Berlin? Die Halle der LP 12 – Mall of Berlin.

Foto:

Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Friedlich-besinnlich ging es am Wochenende nicht zu rund um das neu eröffnete Einkaufszentrum Mall of Berlin in Mitte. Am Eingang und am zentralen Durchgang hatten sich Polizisten in Montur postiert. Viele Kunden, die voll bepackt mit Weihnachtsgeschenken aus dem glitzernden Shopping-Tempel kamen, waren irritiert. Vor allem als dann auch noch eine Demonstration von gut 300 Menschen um die Ecke bog. „Mall of Shame – Pay your workers!“ skandierten sie.

Die Mall of Berlin eine Shopping-Mall der Schande? Es geht um rumänische Leiharbeiter, die eilig gerufen worden waren, um die Mall of Berlin rechtzeitig zum ultimativen Eröffnungstermin Ende September fertig zu bekommen. Sie erhielten für die harte Arbeit zunächst nur sechs Euro Stundenlohn, wenn überhaupt, zuletzt wurde nicht einmal dieser Lohn vollständig bezahlt. Auch deutsche Arbeiter, die im Auftrage dubioser Subunternehmen tätig waren, haben sich gemeldet und fordern ausstehende Löhne.

Der Bauherr Harald G. Huth und der Generalunternehmer Fettchenhauer schieben jede Verantwortung von sich und verweisen auf ihre Subunternehmer. Während die Demonstranten einmal die Mall of Berlin umrundeten, reagierten nicht wenige Kunden überrascht. Manche fragten Polizisten ungläubig, ob an den Vorwürfen etwas dran sei. Eine Antwort erhielten sie nicht.

Organisiert wurde diese erstaunliche Demonstration übrigens von einer anarcho-syndikalistischen Splittergewerkschaft. Dabei geht es um solch wichtige Themen wie Lohndumping, Schwarzarbeit, Trickserei bei Großprojekten und die Beschäftigung von südosteuropäischen Billigarbeitern. All das ist mittlerweile auf zahlreichen Berliner Baustellen zu beobachten. Da fragt man sich schon, wieso der mächtige Deutsche Gewerkschaftsbund nicht mit von der Partie war.