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Kommunikations-Guerilla-Gruppe „Peng! Collective“ : Berliner Aktionskünstler sprengen AstroTV-Livesendung

Das Ei: Hier noch ganz.

Das Ei: Hier noch ganz.

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Screenshot: AstroTV

Meditation, Kartenlegen, Esoterik, Pendeln, Astrologie, Mondkalender, Horoskope - fünf Mal die Woche lädt der private Fernsehsender "AstroTV" eher zweifelhafte Gäste in seine Liveshow "Leichter Leben - Zeit für mich" ein. Meist geht es um esoterische und spirituelle Lebensberatung, irgendwo zwischen Energiefeldern, Aura, Hellsehen und Unterbewusstsein. Über Kabelfernsehen oder im Internet können sich Glücksuchende die Sendungen ansehen - und vor allem für teures Geld anrufen und sich beraten lassen.

Dubiose Glückshotline

Schon mehrmals stand der Sender in der Kritik: So berichtete zum Beispiel das NDR-Medienmagazin Zapp im November 2013 über die Abzocke von Menschen, die sich über teure Hotlines bei "AstroTV" Hilfe erhoffen und sich damit teilweise in den Ruin telefonieren. 50 Cent pro Anruf kostet die dubiose Glückshotline, die mit der Not und Leichtgläubigkeit von Frauen und Männern Geschäfte macht. Bis zu fünf Euro kann die Kontaktaufnahme mit einem sogenannten "Medium" per Telefonat, Live-Chat und E-Mail kosten.

Der Berliner Kommunikations-Guerilla-Gruppe „Peng! Collective“, die mit kreativen Aktionen provozieren und auf Missstände in Politik und Gesellschaft aufmerksam machen will, ist "AstroTV" schon lange ein Dorn im Auge.

Nun hat sie am Donnerstagnachmittag die Livesendung "Leichter Leben - Zeit für mich" gekapert, im dem sie einen falschen Clown in die Sendung schleuste.

Als "Astro-Clown" Pjotr Wasabi (weißes Hemd, bunte Hosenträger, goldener Mantel) stellt sich das „Peng! Collective"-Mitglied vor, das dem Moderator Jens Garling (spirituell-lila Pullover) professionell und mit weit ausschweifenden Armbewegungen Rede und Antwort steht. Er wolle die dunklen Bereiche der Aura finden und diese heilen, so der vermeintliche Eso-Clown. "Ihr habt die Kraft euch mit eurem Lachen selbst zu heilen", fachsimpelt er im fast perfekten Eso-Jargon.

Das Ei platzt entzwei

Als Pjotr Wasabi zu seinem Eier-Zaubertrick ansetzt, bei dem normalerweise nur das Gefühl eines zerschlagenen Eis auf dem Kopf entstehen soll, platzt die Bombe - beziehungsweise das Ei. "Ich möchte die linke und rechte Gehirnhälfte in Einklang zu bringen", erklärt der Fake-Clown. Moderator und Kurzzeit-Probant Jens Garling nickt und lässt den Clown werkeln: Als Garling den Kopf beugt, schlägt ihm der Clown kurzerhand ein echtes Ei auf den Schädel. Eigelb und Dotter tropfen auf den Pullover des Moderators. "Wir finden, AstroTV sollte die Sendelizenz entzogen werden, denn das hier ist Betrug!", ruft der Aktionskünstler vor laufender Kamera. "Melden sie sich beim psychosozialen Dienst, der kostet nichts."

Moderator Jens Garling reagiert trotz tropfenden Dotters gelassen. "Ach, deshalb der Name Wasabi. Scharfer Name, scharfe Nummer", kontert er. Dann zieht Clown Pjotr Wasabi von dannen.

Erst im Jahr 2011 wurde die Sendelizenz von AstroTV durch die Medienanstalt Berlin-Brandenburg bis zum 31. August 2018 verlängert. „Peng! Collective“ dazu: "Der Entzug der Sendelizenz würde der Firma Adviqo AG den Nährboden für die massenweise Abzocke über das Fernsehen rauben und verhindern, dass noch mehr Menschen auf die manipulativen Verkaufsmethoden hereinfallen."

Parallel zu der Aktion hat die Kommunikations-Guerilla-Gruppe am Donnerstag eine Unterschriftenkampagne auf www.astrotv.rip (rip = rest in peace) freigeschaltet. Mit dem Satz "AstroTV ist böse" wird der User auf der Homepage empfangen. Die neue Website klärt über den Privatsender auf und bietet die Möglichkeit einer Onlinepetition, die sich an die Medienanstalt Berlin-Brandenburg richtet: "Entziehen Sie den Betrügern von AstroTV die Sendelizenz!", heißt es in dem Petitionstext, den man online unterschreiben kann.

Vor allem nennt die Internetseite auch Zahlen: "2012 hat die Firma 'adviqo AG',die von AstroTV betrieben wird, einen Jahresumsatz von 90 Millionen Euro gemacht", schreiben die Gründer der Seite.

Wie weit "Peng! Collective" mit diesem neuen Schelmenstück kommt, ist fraglich. Denn schon im Zapp-Beitrag damals sagte Susanne Grams von der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg: "Im Fernsehen ist das erlaubt, was auch im normalen Leben erlaubt ist."