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Konzept für das Haus der Statistik: Künstler und Flüchtlinge statt Kommerz am Alexanderplatz

Kurz vor der Fertigstellung – Haus der Statistik am 3. Januar 1970. Das Haus der Gesundheit (Altbau r.) blieb erhalten, die alten Häuser oben wurden abgerissen.

Kurz vor der Fertigstellung – Haus der Statistik am 3. Januar 1970. Das Haus der Gesundheit (Altbau r.) blieb erhalten, die alten Häuser oben wurden abgerissen.

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akg-images/ddrbildarchiv.de

Der Alexanderplatz ist nach den Plänen des Senats weiter als ein Standort für neue Hochhäuser vorgesehen. Nur, was geschieht mit den alten Gebäuden, etwa dem seit Jahren leer stehenden ehemaligen Haus der Statistik entlang der Otto-Braun-Straße? Künstlervereinigungen, Stiftungen und Vereine haben dafür jetzt ein Konzept vorgelegt: Das Haus soll nicht abgerissen, sondern erhalten werden. Fast die Hälfte des Komplexes mit bis zu 12-geschossigen Gebäuden soll künftig zum Wohnort für Geflüchtete werden. In einem Viertel des Hauses sind Arbeitsräume, Ateliers und Galerien für „Berliner und geflüchtete Kulturschaffende“ vorgesehen, heißt es in dem Konzept, das der Berliner Zeitung vorliegt.

Bildung und Integration

Schon während der Alex-Debatte haben sich Künstler und Architekten zu einer Initiative zusammengeschlossen. Beteiligt sind etwa die Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser, das Zentrum für Kunst und Urbanistik, das Martinswerk, die Stiftung Zukunft Berlin und die Belius-Stiftung. Das Konzept, das die Initiative ihrer Darstellung nach der „Kommerzialisierung in der Innenstadt sowie dem teuren Wohnungsbau“ entgegensetzt, wurde bereits an Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen und Bausenator Andreas Geisel (beide SPD) geschickt.

„Es geht uns um bezahlbaren Wohnraum und eine ganz andere Integration und Aufnahme von Flüchtlingen. Wir brauchen nicht nur Marken und Kommerz in der Innenstadt“, sagt Berlins Atelierbeauftragter Florian Schmidt. Die Asylsuchenden könnten in dem Haus wohnen und mit Berliner Künstlern arbeiten. Außerdem sind auch Bildungs- und Integrationsprojekte für Geflüchtete sowie Kultur- und Begegnungsstätten vorgesehen. Das Haus solle so „zu einem Prototypen für eine innovative, integrative Praxis in Verbindung von Kultur, Bildung und Sozialem“ werden, so das Konzept.

Demnach sollen Unterkünfte – auch Wohngemeinschaften und Familienzimmer sind möglich – für etwa 1000 Geflüchtete an der Otto-Braun-Straße entstehen. Bis zu 250 Künstlerräume sind in dem Hochhaus an der Karl-Marx-Allee geplant. Um Wohnungen herzurichten, werden 800 bis 1200 Euro je Quadratmeter veranschlagt. Die Wohnungen könnten für 4 bis 10 Euro nettokalt pro Quadratmeter vermietet werden. Für die Ateliers sind Investitionen von 250 bis 500 Euro pro Quadratmeter nötig. Auch Wohnungsneubau sei auf dem Gelände möglich, sagt Schmidt. Dazu könnten nach dem Zeitplan ab dem Jahr 2021 zwei zweigeschossige Flachbauten abgerissen werden.

Haus steht seit 2008 leer

Wie hoch die Kosten für eine Revitalisierung der Gebäude sind, vermag derzeit niemand abschätzen. Denn der Komplex steht seit dem Auszug des Statistischen Bundesamtes und der Stasi-Unterlagen-Behörde im Jahr 2008 leer. Wiederholt drangen dort Diebe ein und haben Kabel und Installationen geklaut. In diesem Sommer wurden Teile der Gehwege abgesperrt, weil bei Stürmen Fensterglas herunterfiel. Wie die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), ihr gehört das Haus, mitteilte, wurden aus Sicherheitsgründen die Fenster ab drittem Geschoss aufwärts ausgebaut.

Derzeit verhandelt das Land über einen Ankauf der Gebäude mit der Bima. Ursprünglich war ein Komplettabriss vorgesehen, nach einem Wettbewerb von 2010 sollten neue Büro- und Wohntürme entstehen. Mittlerweile überlegt der Senat, nachdem das Haus des Reisens und der Berliner Verlag am Alexanderplatz unter Denkmalschutz gestellt wurden, das Haus der Statistik in Landesbesitz zu übernehmen, um dort Berliner Behörden wie das Finanzamt Mitte anzusiedeln. Eine andere Variante ist, das Gelände an die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) zu übertragen – also das Ursprungskonzept mit Abriss und Wohnungsneubau umzusetzen.

Neue Wohn- und Arbeitsräume für Flüchtlinge und Künstler sind jedoch nach Ansicht von Mittes Bürgermeister Christian Hanke (SPD) viel besser. Er habe aus dem Senat bereits positive Signale erhalten. „Ich bin sehr optimistisch, was die Umsetzung dieser Ideen betrifft. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Berlin, um das gesamte Gebäude vom Bund zu übernehmen.“ Die Initiative bestehe aus Profis in der sozialen und kulturellen Arbeit.