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Krankenhaus-Roboter: "Bitte gehen Sie zur Seite"

Begegnung der besonderen Art: Die 20-jährige Patientin Nikita Junker findet den sprechenden Roboter „richtig cool“.

Begegnung der besonderen Art: Die 20-jährige Patientin Nikita Junker findet den sprechenden Roboter „richtig cool“.

Foto:

Gerd Engelsmann

Rüdersdorf -

Der Mitarbeiter aus der Schweiz ist sehr höflich. Er kommt aus dem Fahrstuhl und bleibt vor dem Bett von Nikita Junker stehen, die in der Immanuel Klinik in Rüdersdorf (Märkisch-Oderland) gerade zur Untersuchung gefahren wird. „Cool“, sagt die hochschwangere 20-Jährige und lächelt den Schweizer an. Der blinkt mit zwei Lämpchen zurück und sagt dann freundlich aber bestimmt: „Bitte gehen Sie zur Seite!“ Der Schweizer ist nicht aus Fleisch und Blut, er ist einer von vier Transportrobotern, die seit einigen Wochen in der Klinik auf computergesteuerten Strecken über die Flure sausen. Die in der Schweiz produzierten Roboter, die von den echten Mitarbeitern Laufkatzen genannt werden, nehmen dem Klinikpersonal täglich schwere Arbeit ab.

1500 Kilogramm Schmutzwäsche transportieren die 1,50 Meter langen und 50 Zentimeter breiten Laufkatzen täglich. Jede Maschine war etwa so teuer wie ein Kleinwagen. Sie bringen die schweren Essenwagen von der Küche auf die Stationen und sogenanntes Sterilgut in den Operationsbereich. Oder aber sie transportieren den angefallenen Müll. Insgesamt 500 Kilogramm kann so eine Laufkatze auf einmal tragen. Tag für Tag legen die Roboter bei 240 Touren insgesamt 27,3 Kilometer zurück.

„Sie sind eine echte Erleichterung“, sagt Heike Herzog, die Hauswirtschaftsleiterin. Mitarbeiter müssten die Wagen nicht mehr selbst durch die Gänge ziehen. Dadurch könne man sich viel intensiver um die Patienten kümmern.

Eine der modernsten Kliniken in Deutschland

Die neuen Immanuel Klinik in Rüdersdorf ist Ende 2009 eröffnet worden. Es ist zwar ein Krankenhaus für jedermann, aber trotzdem etwas Besonderes. Es ist eines der modernsten Kliniken bundesweit. Lichtschalter etwa sucht man dort vergebens. Das Licht auf den Gängen wird automatisch gedimmt– es richtet sich nach dem Tageslicht. Jedes der rund 400 Klinikbetten in den Ein- bis Drei-Mann-Zimmern hat einen Touchscreen, mit dem der Patient sein Licht ein- oder ausschalten, telefonieren, Radiohören, Fernsehen, ins Internet gehen oder einfach nur einen Blick auf den Speiseplan der Klinik werfen kann. Der Arzt wiederum kann sich in den Bildschirm einloggen und die Patientendaten am Krankenbett abfragen.

Doch das Highlight sind die Roboter, die durch die Gänge eilen oder aus einem der Fahrstühle kommen. Sie sind der Hingucker, wenn sie mit ihren blechernen Stimmen auf den Fluren auf sich aufmerksam machen. „Achtung, automatischer Transport!“, sagen sie dann. Sie werden langsamer, wenn ein Mitarbeiter ihren Weg kreuzt. Sie halten an, wenn man sich ihnen in den Weg stellt. „Natürlich bekommen Patienten und Besucher ganz große Augen, wenn sie die sprechenden Roboter sehen oder hören. Vor allem die Kinder“, sagt Andreas Hahn, der technische Leiter der Klinik.

Die Laufkatzen sind nicht nur freundlich, sie können auch alleine Fahrstuhl fahren und Türen öffnen, und sie geben ihren Richtungswechsel bekannt. „Die Wegstrecken wurden digital vermessen, die Roboter erkennen Hindernisse mit einem Laserscanner“, sagt Hahn. Mit 1,6 Metern pro Sekunde sind die vier neuen Mitarbeiter unterwegs, manchmal auch zweispurig. „Sie rasen also nicht, sondern sind etwa genauso schnell wie ein Mensch“, erklärt Hahn. Er kennt nur noch eine Klinik in Greifswald, die solche Roboter ebenfalls nutzt.

In der Freizeit zum Aufladen

Ihre Aufträge bekommen die vier Hightech-Mitarbeiter per Chipkarte, auf der der Zielort programmiert ist. Dort sind die „Packstationen“, in denen die Roboter unter die punktgenau aufgestellten Container fahren, diese anheben und zum nächsten Ziel düsen. Über Computer werden sie beobachtet. „Falls mal ein Roboter ausfällt, wissen wir, wo er steckt“, sagt Hahn. Dann kann die liegengebliebene Laufkatze mit einem Joystick verkabelt und so bewegt werden.

In den seltenen freien Minuten fahren die Roboter automatisch in den Keller in die Aufladestation. Dort stehen sie auch nachts, dann haben sie frei. Denn ihr Arbeitstag geht lediglich von 5 Uhr früh bis 20.30 Uhr. „Sie fahren zwei Schichten und sie protestieren nicht einmal“, sagt Hahn. Und sie ecken auch nirgendwo an mit ihrer großen Fracht. Ganz praktisch eben in jeder Hinsicht.



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