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Kreativ-Hotspot am Moritzplatz: Das Kreuzberger Aufbau Haus bekommt einen Anbau

Das Aufbau Haus dominiert den spärlich bebauten Moritzplatz.

Das Aufbau Haus dominiert den spärlich bebauten Moritzplatz.

Foto:

Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Wenn man Matthias Koch fragt, wie das Aufbau Haus funktioniert, spricht er von einer glücklichen Mischung aus Gewerbe, Kunst und Kultur: „Wer hier im Haus arbeitet, profitiert auch von seiner Nachbarschaft.“ Koch ist 72 Jahre alt und Chef des Aufbau Hauses am Moritzplatz in Kreuzberg.

Seit 2011 ist das Gebäude vor allem durch das Kaufhaus Modulor bekannt, in dem es von Briefumschlag und Folien über Rasen von der Rolle, gepunktetes Klebeband bis zum Töpfchen mit Zement zum Selberanrühren und essbare Knete alles gibt, was Designer, Architekten oder Künstler so gebrauchen können. Wie Satelliten gruppieren sich darum Werkstätten, die von dem Angebot profitieren und das Material gleich verarbeiten. Besucher können dort nähen, drucken oder tischlern lernen. Es gibt im Haus auch einen Mosaikmacher, einen Buchladen, drei Restaurants, eine Kita sowie ein Theater und den Club Prince Charles.

An diesem Samstag wird im Aufbau Haus gefeiert: Der Anbau, innerhalb von knapp zweieinhalb Jahren auf einer Kriegsbrache entlang der Oranienstraße errichtet, wird offiziell eröffnet. Das Aufbau Haus, das wie ein steinernes Ufo den ansonsten eher spärlich bebauten Moritzplatz dominiert, ist damit komplett. Chef Matthias Koch, ein kräftiger Mann, der freundlich und bestimmt redet, ist sichtlich stolz. „Wir haben hier eine Landmarke geschaffen“, sagt er.

Ein ungewöhnlicher Investor

Koch ist von Beruf Lehrer für Deutsch und Französisch. 25 Jahre hat er im Ruhrgebiet unterrichtet, so wie seine Frau auch. Die Familie hatte Vermögen, und als Berlin Hauptstadt wurde, legte Koch es hier in Immobilien an. Sein erstes Projekt war ein Mehrgenerationenhaus auf Alt-Stralau, inzwischen wohnen er und seine Frau auch auf der Halbinsel in Friedrichshain. Als Koch nach Gewerbe-Investitionen suchte, wurde er auf das Modulor aufmerksam, das sich vergrößern wollte. Was fehlte, war ein Geldgeber. Koch hatte gerade den renommierten, aber in Not geratenen Aufbau-Verlag erworben, für den er ein Gebäude brauchte. Beide kamen zusammen, das leerstehende Bechstein-Haus an der Prinzenstraße wurde entkernt und umgebaut.

Matthias Koch ist ein ungewöhnlicher Investor. Die Mieten sind mit 7 bis 9 Euro pro Quadratmeter nettokalt moderat, man wolle nicht zur Gentrifizierung beitragen sagt er. Mit dem einzigen Wohnungsmieter in der alten Fabrik einigte er sich: Es wurde um dessen Wohnung herum gebaut, der Mann wohnt immer noch dort.

Im Aufbau Haus gibt es nicht nur gut 70 Kreativ-Firmen. Auch Bildung und Kultur sind zu finden. Hauptmieter im Neubau ist die private Design Akademie, deren 400 Studenten unter anderem Kommunikationsdesign lernen. Der Gründungs-Professor Egbert Idler sagt: „Das Haus ist ein Kreativ-Hotspot in Kreuzberg, für unsere Studenten ideal.“ Auch eine Herzensangelegenheit hat Matthias Koch im Neubau verwirklicht: Er gab dort Berlins einzigem Dokumentations- und Kulturzentrum der Sinti und Roma ein Domizil. Dessen Vorsitzender, Romani Rose, sagte am Freitag, er sei glücklich, dass man jetzt auch in der Hauptstadt präsent sei.

Aufbau Haus: Sa 11–17 Uhr diverse Führungen, u.a. Imago Camera, Design Akademie, Workshop nähen.

Weitere Infos finden Sie unterwww.aufbauhaus.de


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