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Kreuzberg: Ein Supermarkt ganz ohne Verpackungen

So könnte er aussehen: Im Supermarkt ohne Einwegverpackungen lagern die Trockenwaren in Behältern, Obst und Gemüse werden lose präsentiert.

So könnte er aussehen: Im Supermarkt ohne Einwegverpackungen lagern die Trockenwaren in Behältern, Obst und Gemüse werden lose präsentiert.

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Original unverpackt

Der Laden ist schon erfolgreich, bevor es ihn überhaupt gibt. Im Laufe eines Tages haben die Unternehmerinnen Sara Wolf (30) und Milena Glimbovski (24) aus Kreuzberg das nötige Startkapital von 20.000 Euro im Internet durch Spenden zusammenbekommen. Am Dienstag hatten 2560 Unterstützer mehr als 67.000 Euro für Berlins ersten verpackungsfreien Supermarkt gespendet. Und die Aktion läuft noch 33 Tage.

„Das Ergebnis hat uns umgehauen“, sagt Sara Wolf. Gemeinsam mit ihrer Freundin Milena Glimbovski will sie einen Supermarkt betreiben, der komplett ohne Plastik- und Einwegverpackungen auskommt. „Dieses Projekt ist der Anfang vom Ende des Verpackungswahnsinns“, sagt Sara Wolf. Den Laden, mindestens 100 Quadratmeter groß, soll es ab August in Kreuzberg geben. „Dort leben viele abenteuerliche Leute, die sehr umweltbewusst sind“, sagt Sara Wolf. Später sollen weitere Filialen in Berlin und anderen deutschen Städten folgen. Es gibt viele Interessenten.

Milch in Kannen

Im verpackungsfreien Supermarkt werden sämtliche Trockenwaren, wie Mehl, Zucker, Müsli, Erbsen, Nüsse, Nudeln und Tee in großen Boxen aufbewahrt, aus denen sich die Kunden die gewünschte Menge in mitgebrachte oder ausgeliehene Behälter füllen. Milch wird aus großen Behältern in Kannen und Flaschen gefüllt, von der Butter schneiden die Verkäufer so viel ab, wie der Kunde es wünscht. Die Hygiene wird trotz fehlender Verpackungen nicht vernachlässigt, versichern die Betreiber. „Wir werden der sauberste Supermarkt in Deutschland sein“, sagt Wolf.

Das Konzept der beiden Frauen ist klar: Sie wollen Verpackungsmüll vermeiden. In Europa werden jährlich knapp 100 Milliarden Plastiktüten verwendet, acht Milliarden landen auf dem Müll, ein Großteil auch im Meer. In Deutschland entstehen laut Bundesumweltministerium jährlich mehr als 16 Millionen Tonnen Verpackungsabfall. 456 Kilo Haushaltsabfälle verursacht jeder Bundesbürger im Jahr.

In Berlin werden nach BSR-Angaben jährlich 76.000 Tonnen Leichtverpackungen eingesammelt. „Es ist doch erstaunlich, was nach jedem Einkauf so alles im Müll landet“, sagt Sara Wolf. Das stellte sie auch im Winter 2012 fest, als sie mit Milena Glimbovski in ihrer Küche kochte. Später am Abend und nach einigen Gläsern Wein, so erzählt Sara Wolf, beschlossen die Frauen, einen Supermarkt zu gründen, der ohne Einwegverpackungen auskommt.

Einige Monate später reichten sie ihr Konzept beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg 2013 ein. Sie belegten den ersten Platz im Bereich „Beste Idee und Marketing“ und bekamen den Nachhaltigkeitspreis. Das Bundeswirtschaftsministerium zeichnete sie als Kultur- und Kreativpiloten 2013 aus.

Sara Wolf hatte zuvor Internationale Beziehungen in der Schweiz studiert, sie kam vor vier Jahren nach Berlin. Milena Glimbovski lebt seit zehn Jahren in der Hauptstadt, sie studierte Mediengestaltung und Wirtschaftskommunikation. Längst haben die beiden ihre Jobs aufgegeben. Sie sind jetzt Inhaber der Firma „Original unverpackt“. Sie verhandeln gerade mit Maklern, organisieren den verpackungsfreien Einkauf und suchen Bio-Händler aus der Region. Teurer als in gewöhnlichen Supermärkten sollen ihre Waren nicht sein.

Die Gründerinnen betonen, die Idee verpackungsfreier Einkaufsläden sei nicht neu. Ähnliche Läden gibt es in Frankreich und den USA. In London eröffnete 2007 ein „Unpacked-Shop“. Auch in Wien, Kiel und Bonn gibt es solche Läden. In dem Neuköllner Bioladen „Biosphäre“ an der Weserstraße werden seit zwei Monaten fast 20 Artikel ohne Verpackung verkauft. „Die Kunden sind begeistert“, sagt Inhaberin Marion Ziehrer. Die losen Waren seien günstiger als die verpackten. „Denn jede Verpackung kostet Geld“, sagt sie.