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Kreuzberg: Rund um die Blumenhalle wächst was

Durch einen Holzkubus soll man in die Jüdische Akademie gelangen, die in der alten Blumenhalle entsteht. Ringsherum wird ein neues Viertel geplant.

Durch einen Holzkubus soll man in die Jüdische Akademie gelangen, die in der alten Blumenhalle entsteht. Ringsherum wird ein neues Viertel geplant.

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Architekt Daniel Libeskind AG

Etwas Neues soll entstehen auf einer der letzten größeren Brachen in der Innenstadt. Keine Luxuslofts oder Hotels, mit denen Investoren sonst Baulücken zu füllen pflegen. Um die ehemalige Blumengroßmarkthalle gegenüber dem Jüdischen Museum in Kreuzberg soll ein Viertel entstehen, von dem auch die Anwohner etwas haben.

Natürlich mit Wohnungen, aber zu gemäßigten Preisen. Und mit kleinen Cafés und Läden, mit Werkstätten und Ateliers. Und mit Bildungsangeboten für alle. Die Berliner Großmarkt GmbH (BGM) hat ihre drei Grundstücke um die alte Blumenhalle, die seit November 2012 zur Akademie des Jüdischen Museums ausgebaut wird, verkauft. Auf eine für Berlin ungewöhnliche Weise: Nicht die Höhe des Kaufpreises war ausschlaggebend, sondern die Konzepte der Investoren.

„An diesem prominenten Ort wollten wir keine Null-Acht-Fünfzehn-Bebauung, sondern etwas Besonderes“, sagt BGM-Chef Andreas Foidl. Das Jüdische Museum habe mit der Akademie, die im Mai vollends eröffnet werden soll, bereits eine „Duftmarke“ gesetzt. „Jetzt muss auch im Umfeld etwas Schönes entstehen.“ 23 Kaufinteressenten gab es für die drei Baufelder, die zwischen 2 400 und 2 800 Quadratmeter groß sind. Eine Arbeitsgruppe aus BGM, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und zwei Senatsverwaltungen suchte die Käufer aus: das Forum Berufsbildung, die Selbstbaugenossenschaft und die Metropolenhaus GmbH.

Niedrige Mieten für Ateliers

„Alle drei Projekte sind nicht vorrangig auf Kapitalvermehrung aus, sondern sie schaffen etwas, das genau dorthin passt“, sagt Foidl. Das die Gegend zwischen Besselpark und Museum mit Leben füllen soll. Das Forum Berufsbildung, der größte Bildungsträger der Stadt, plant ein Gebäude mit Seminar- und Veranstaltungsräumen. Diese sollen jeden Tag 20 Stunden genutzt werden. Eine Art Room-Sharing zwischen Bildung, Künstlern, Kunsthandel und Kreativen. Beteiligt an dem Projekt sind auch Firmen wie der Pfefferberg und die Kulturbrauerei, das Betahaus und diverse Galeristen.


BLZ/Rita Böttcher

Auch die Selbstbaugenossenschaft will neben Wohnungen Ateliers und Werkstätten schaffen. Zu Mieten, die weit unter den marktüblichen Preisen liegen. Foidl: „Viele Kreative in Berlin haben zwar viele Ideen, aber wenig Geld. Denen soll geholfen werden.“ Ein solch sozialer Aspekt muss natürlich finanziert werden, was über den Verkauf der Eigentumswohnungen im Haus erfolgt. „Die Genossenschaft will eine Kommanditgesellschaft gründen, deren Mitglieder Anteile einzahlen“, sagt Andreas Foidl. Sie verpflichten sich gleichzeitig, die Kulturwirtschaft im Haus auf zehn Jahre mit zu finanzieren. Die Preise der Wohnungen, die zwischen 2700 und 3400 Euro pro Quadratmeter liegen, sind zwar nicht gerade niedrig. Aber, so Foidl: „Es gibt Bauprojekte in der Gegend, bei denen 4000 bis 6000 Euro als normal gelten.“

Auch der dritte Käufer sieht sich dem Kulturellen und dem Sozialen verpflichtet, wie Benita Braun-Feldweg von der Metropolenhaus GmbH sagt: „Wir wollen in unserem Siebengeschosser neben Wohnungen auch Projekträume schaffen, vor allem für Designer, aber auch für Musiker und Tänzer.“ Nachbarn seien dabei ausdrücklich willkommen. Sie können die Studios nutzen oder kleine Cafés und Läden betreiben. „Die Anwohner sollen sich bei uns wiederfinden und mit anderen Menschen ins Gespräch kommen“, so die Architektin. Auch Metropolenhaus will die Projekträume durch den Verkauf der Wohnungen im Gebäude finanzieren.

Eine weitere Besonderheit der Bebauung ist, dass alle drei Investoren gemeinsam planen werden. Das geht bis hin zu den Fassaden, die aufeinander abgestimmt werden. Ob das Konzept letztlich aufgeht, wird sich zeigen. Denn die Südliche Friedrichstadt ist eines der sozial schwächsten Viertel in Berlin. Die Hälfte der Bewohner lebt von Hartz IV, gut 30 Prozent haben keinen deutschen Pass, 66 Prozent einen Migrationshintergrund. Für Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) ist vor allem eines wichtig: „Die Gegend muss so entwickelt werden, dass die Bewohner mit einbezogen sind und nicht durch Luxusprojekte, die den Mietspiegel ansteigen lassen, verdrängt werden.“