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Kreuzberg: Wohnen im Postbank-Tower

Weithin sichtbar am Halleschen Ufer steht das Bürohaus der Postbank. Der 23-Geschosser soll zum Wohnhaus umgebaut werden.

Weithin sichtbar am Halleschen Ufer steht das Bürohaus der Postbank. Der 23-Geschosser soll zum Wohnhaus umgebaut werden.

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Berliner Zeitung/Markus Wächter

Berlin -

Mit seinen 89 Metern gehört es zu den höchsten Gebäuden der Stadt. Seit Jahrzehnten schon ist es Orientierungspunkt für alle, die mit der U-Bahn oder dem Auto durch Kreuzberg fahren und in Richtung Westen unterwegs sind: das dunkel verspiegelte 23-geschossige Hochhaus der Postbank am Halleschen Ufer in Kreuzberg nahe dem U-Bahnhof Möckernbrücke. Das Gebäude wurde 1971 als Postscheckamt West gebaut, 1985 wurde es dann Postgiroamt und seit 1994 ist es die Berliner Niederlassung der Postbank. Rund 700 Mitarbeiter arbeiten dort für Firmen- und Privatkunden, im Erdgeschoss gibt es auch eine öffentliche Filiale.

Jetzt hat die Postbank ihr Hochhaus verkauft. Am Donnerstagnachmittag stimmte der Aufsichtsrat in Bonn dem Geschäft zu. Unternehmenssprecher Joachim Strunk begründet den Verkauf mit wirtschaftlichen Erwägungen. „Das Haus ist in die Jahre gekommen, die Büros sind nicht mehr modern, und für eine Renovierung wäre eine erkleckliche Summe nötig“, sagte er am Freitag der Berliner Zeitung.

Für die Postbank-Mitarbeiter wird sich allerdings vorerst nichts ändern. Bis Mitte 2016 werden sie in ihren alten Büros bleiben. Denn ihre neuen Arbeitsplätze werden erst gebaut. An der Otto-Suhr-Allee, nahe dem Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg, entsteht ein neuer Büro-Campus. Er entsteht im Auftrag der Deutschen Bank, zu der die Postbank gehört. Die Deutsche Bank, so teilte das Unternehmen am Freitag mit, fasse seine Liegenschaften im Stadtgebiet zusammen und baue die Präsenz in Berlin aus. Geschaffen werden soll neben dem bekannten Hochhaus des Geldinstituts am Ernst-Reuter-Platz ein Büro-Campus für bis zu 2500 Arbeitsplätze.

Dorthin werden in gut zwei Jahren dann auch die Mitarbeiter der Postbank ziehen. Ob die Postbank-Filiale am Halleschen Tor bleibt, darüber ist noch nicht entschieden. Das hängt auch von den Plänen des neuen Eigentümers, der Berliner CG-Unternehmensgruppe, ab. Die Immobilienfirma baut vor allem in Leipzig und Berlin, hier unter anderem in Charlottenburg, Lichtenberg und Friedrichshain. Geschäftsführer Christoph Gröner sagte, in Kreuzberg plane man ein neues Wohn- und Gewerbeviertel, dessen Mittelpunkt der umgebaute Postbank-Tower sein soll.

Wohnen, Hotel, Gewerbe

Das Hochhaus, aus dem vor 17 Jahren bei einer Sanierung schon mal Asbest und andere gefährliche Baustoffe entfernt worden sind, soll komplett modernisiert werden. Zwei weitere Gebäude nebenan, in denen das Rechenzentrum sowie Werkstätten untergebracht waren, sollen durch Neubauten ersetzt werden, in denen Gewerbe, ein Hotel und weitere Wohnungen geplant sind. Bis zu 1 000 Wohnungen könnten so am Halleschen Ufer entstehen. Gröner: „Um möglichst viele davon preisgünstig zu halten, wollen wir auch Genossenschaften und Baugruppen mit ins Boot holen.“

Der Unternehmer ist von Wohntürmen überzeugt. Der Firma gehört auch der Steglitzer Kreisel, der derzeit von Asbest befreit wird und der mit 27 Etagen und 118 Metern noch höher als der Postbank-Tower ist. Während in Steglitz bis Ende 2017 große und exklusive Wohnungen gebaut werden sollen, sind in Kreuzberg vor allem kleinere Wohnungen geplant. Denn die fehlen im Bezirk, wie dort immer beklagt wird.

Ob die Planungen der CG-Gruppe so wie gewünscht umgesetzt werden können, darüber muss das Bezirksparlament Friedrichshain-Kreuzberg entscheiden. Im März sollen die Umbau- und Modernisierungspläne erstmals im Stadtentwicklungsausschuss diskutiert werden. Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) sagte: „Die wichtigste Frage ist, ob dieser Standort wirklich als Wohnort geeignet ist.“



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