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Kreuzberger Rapper Drob Dynamic: Döner? Alles komplett

„Meine Welt ist vom Kotti bis zum Hermannplatz“: Drob Dynamic im Video.

„Meine Welt ist vom Kotti bis zum Hermannplatz“: Drob Dynamic im Video.

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Drob Dynamic/Screenshot Youtube

Bruder was willst du? Bruder das fragst du noch? Alles komplett!“ Mit diesen Zeilen hat der Kreuzberger Rapper Drob Dynamic gerade einen Youtube-Hit gelandet. Worum geht’s? Um das Nationalgericht Kreuzbergs: den Döner. Und um Hipster „in sehr tighten Röhrenjeans“, die aus der Bestellung eine Wissenschaft machen. Bio? Regional? Das ist nichts für Drob Dynamic: „Ich bin von Sternzeichen Dönerspieß. Ich brauche meine Soßen komplett, Kräuter scharf, Knoblauch ist mein Eau de Toilette.“

Haben Sie keine Freundin, Freunde, Kollegen?

Doch, klar, warum?

Döner mit Zwiebeln und Knoblauch, da muten Sie ihren Mitmenschen ganz schön was zu.

Da muss der andere eben auch alles komplett essen, dann merkt man das nicht so. Alles oder nichts.

Das klingt nach Lebensmotto.

Ach, ich habe keine versteckte Message oder so. Ich meine das mit einem Augenzwinkern. Am Ende kriegt der Hipster ja nicht den Döner ins Gesicht geklatscht, sondern tanzt mit uns. Der wird integriert.

Der Döner als Symbol für Toleranz?

So ungefähr. Ich bin im Urban-Krankenhaus geboren, in Kreuzberg aufgewachsen, mit den Geschichten aus den Achtzigern, den Straßengangs, die 36 Boys und so. Hier war alles krass. Damals ist niemand gerne hergekommen.

Das ist heute nicht mehr so...

Und das ist auch gut. Ich will mit dem Song die Fahne für Kreuzberg hochhalten. Aber auch wenn ich Lokalpatriot bin, kann ich trotzdem über den Tellerrand schauen. Man muss miteinander klarkommen, finde ich. Ich will ganz sicher niemanden verscheuchen.

Machen Sie sich Sorgen um Kreuzberg?

Manchmal. Ich schreibe auch ernstere Songs, dann thematisiere ich die Gentrifizierung, die steigenden Mieten. Aber der Hipster ist ja nicht schuld daran, sondern die Immobilienhaie und die Politik, die nicht rechtzeitig gegen sie vorgegangen ist. Ich will nur sagen: Das ist mein Kiez und für den engagiere ich mich. Ich gebe ja auch Rap-Workshops und versuche so, die Kids von der Straße zu holen.

Mit Rap?

HipHop ist nicht nur eine urbane Jugendkultur. Man kann damit was bewirken. Es geht nicht darum, Jugendliche zu Stars zu machen; Sie können mit Rap ihre Geschichten erzählen, Erlebtes verarbeiten. Wenn man eine Leidenschaft teilt, entstehen Gespräche. Die Kids öffnen sich und lassen ihre Energie im Studio statt auf der Straße.

So wie Sie?

Ich bin ein gutes Beispiel, dass das funktionieren kann. Ich bin selbst mit 17 Jahren an die Street University gekommen, das ist eine außerschulische Bildungsinitiative in der Naunynritze in Kreuzberg. Nach einem Jahr bekommt man ein richtiges Zertifikat, unterschrieben vom Bürgermeister. Das hat mir geholfen bei Praktikumsbewerbungen. Dann bin ich selbst Dozent an der Street University geworden. Ich habe lange gebraucht, aber dann erkannt: Ich will richtig studieren. Jetzt bin ich im fünften Semester Soziale Arbeit.

Und wo gibt es jetzt den besten Döner?

Ganz klar im Kottiwood, wo wir unser Video gedreht haben. Und im Orient Eck. Und im Haci Baba.

Interview: Anne Lena Mösken