09.02.2012

Kriminalfälle: Gehetzt, erschossen, zerstückelt

Von Lutz Schnedelbach
        

Blumen für den am Kaiserdamm zu Tode gehetzten Giuseppe M.
Blumen für den am Kaiserdamm zu Tode gehetzten Giuseppe M.
Foto: Klaus Oberst
Berlin –  

Erfolge für die Ermittler: Die Polizei hat 2011 vier spektakuläre Fälle aufgeklärt. Die ersten Anklagen sind inzwischen fertig.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben in vier spektakulären Kriminalfällen des vergangenen Jahres die Ermittlungen abgeschlossen. In zwei Fällen wurde jetzt Anklage erhoben.

Tod eines Tätowierers. Der 30 Jahre alte James S. muss sich in Kürze vor Gericht wegen Mordes verantworten. Als Mordmerkmal sieht die Staatsanwaltschaft Grausamkeit. Der Amerikaner soll am 6. Juli den 31-jährigen Tätowierer Raoul S. aus Österreich in einer Wohnung in Schöneweide erschlagen und anschließend den Leichnam zerstückelt haben. Arme, Beine, Torso und Kopf wurden in Koffer und einen Müllsack gepackt und anschließend in die Spree in Schöneweide sowie in den Schäfersee in Reinickendorf geworfen. Bei der Entsorgung der menschlichen Überreste soll die Freundin des Amerikaners geholfen haben. Ihr wird Strafvereitelung vorgeworfen. Der Österreicher war anhand der Tätowierungen an seinem Oberkörper identifiziert worden. Sie waren einmalig und deshalb leicht zuzuordnen, sagten Polizisten.

Auf den Amerikaner James S. waren die Ermittler durch einen Zeugen gekommen, der die beiden Männer zusammen gesehen hatte. Daraufhin war der Amerikaner als Zeuge vernommen worden. Bei seiner Befragung verstrickte er sich in Widersprüche und wurde festgenommen. Später räumte er die Tat ein. James S. ist den amerikanischen Sicherheitsbehörden bereits als Gewalttäter bekannt. Der Termin des Prozessbeginns steht noch nicht fest.

Tödliche Hetzjagd. In der Nacht zum 17. September verlor in der Nähe des U-Bahnhofs Kaiserdamm Giuseppe M. sein Leben. Der 23-Jährige war aus Angst vor Schlägern panisch aus dem U-Bahnhof auf die Straße gelaufen und dort von einem Auto überfahren worden.

Am kommenden Montag soll der Prozess gegen Ali K. und Baris B. beginnen. Ihnen wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Die beiden Angeklagten sollen in der U-Bahn Giuseppe M. und dessen Freund Raoul angepöbelt und verprügelt haben. Anschließend hetzten sie ihre Opfer aus dem Bahnhof, sagen Ermittler. Die Beschuldigten, die sich selbst der Polizei stellten, bestreiten die Hetzjagd.

Blutige Familienrache. Auch Mehmet Y. wird bald vor Gericht gestellt. Der 24 Jahre alte Mann, der der Justiz bereits als gewaltbereiter Täter bekannt war, muss sich wegen Doppelmordes verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am 4. August in der Kolberger Straße in Gesundbrunnen mit einer Pistole gezielt auf die Insassen eines Autos geschossen zu haben. Er tötet seine ehemalige Schwiegermutter und deren 22-jährige Tochter. Seine Ex-Frau, die er eigentlich treffen wollte, blieb unverletzt. Drei Tage nach der Tat wurde er in Britz festgenommen.

Zündeln aus Sozialneid. André H. muss sich demnächst wegen schwerer Brandstiftung vor Gericht verantworten. Der 27-Jährige Serienbrandstifter aus Moabit hat eingeräumt, 67 Brände gelegt zu haben. Dabei wurden 102 Autos beschädigt. H. sagte in den Vernehmungen, dass er aus Sozialneid handelte. Weil er arm ist, zündete er Autos der Marken Mercedes, BMW und Audi an. Die Polizei kam ihm am 23. August auf die Spur. Den Fahndern war auf Überwachungsfotos der U-Bahn ein Mann aufgefallen, der 15 Minuten vor einem Brand und vier Minuten nach einem Feuer den U-Bahnhof Haselhorst betreten hatte. Er war mit der Bahn zum Tatort gefahren und anschließend in einem Zug geflüchtet.

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