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Kriminalitätsstatistik: Hütchenspieler werden zu Einbrechern

Ungesicherte Kellerfenster sind für versierte Einbrecher kein Problem. Mit einfachsten Werkzeugen gelangen die Täter in ein Gebäude.

Ungesicherte Kellerfenster sind für versierte Einbrecher kein Problem. Mit einfachsten Werkzeugen gelangen die Täter in ein Gebäude.

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Imago

Berlin -

Jahrelang ist die Kriminalität in der Hauptstadt gesunken. Jetzt steigt sie wieder. Erste Zahlen wurden am Montag bekannt. Sie stammen aus einer Antwort des Senats auf eine kleine Anfrage der CDU-Fraktion. Demnach nahm die Polizei im vergangenen Jahr 497.342 Strafanzeigen auf. Das sind über 32.600 Anzeigen mehr als im Jahr 2010.

In fast allen Polizeiabschnitten wurde mehr Kriminalität registriert. Zwar ist die Zahl der Gewalt- und Tötungsdelikte gleich geblieben. Steigerungen gab es jedoch bei Einbruch, Diebstahl und Trickbetrug.

Die Statistik belegt, dass in den Außenbezirken weniger Taten angezeigt wurden als in der Innenstadt. Gleichwohl gab es zum Teil hohe Steigerungen, wie sie etwa im Abschnitt 43 (Zehlendorf) sowie im Abschnitt 13 registriert wurden, der für die Pankower Ortsteile Niederschönhausen, Rosenthal, Französisch Buchholz und Blankenfelde zuständig ist.

27 Einbrüche am Tag

Verantwortlich für die Zunahmen sind auch Einbrecher. In 27 Berliner Wohnungen und Einfamilienhäuser brechen sie durchschnittlich jeden Tag ein. Dieser Anstieg von rund 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr geht auf das Konto von Banden, die durch die Stadt ziehen. In den Außenbezirken grasen sie Einfamilienhaussiedlungen ab und baldowern Häuser aus, die schlecht gesichert sind. Dann hebeln sie – manchmal nur mit einem Schraubendreher – Terrassentüren und Fenster auf.

Die Banden kommen häufig über die seit 2007 offene Grenze aus Polen und verschwinden noch am selben Tag. Vermehrt sind auch Einbrecherbanden aus Rumänien aktiv. Mehrmals nahmen Polizisten in Wilmersdorf und Charlottenburg rumänische Frauen auf frischer Tat oder kurz danach fest.

Mehr Einbrüche in der Innenstadt

Auch in der Innenstadt, in Gebieten mit „einfachen“ oder „mittleren“ Wohnlagen wird mehr eingebrochen – weil sich die Mieter keine teuren Schlösser und Riegel leisten. Mittlerweile haben sich sogar Hütchenspieler auf Einbruch verlegt. Denn die Gefahr, wiedererkannt oder erwischt zu werden, ist bei Einbruch geringer.

Seit zwei Jahren stellt die Polizei zudem fest, dass mehr Jugendliche, die bislang für Raub und Gewalt bekannt waren, als „wohnortnahe Kieztäter“ einbrechen. Grund ist die gewachsene Repression: So bestrafen Gerichte „Handy-Abziehen“ schneller und härter als noch vor Jahren.

Zu den Delikten, die um rund 30 Prozent angestiegen sind, gehört auch Fahrraddiebstahl. Pro Tag kommen 65 Räder weg. Einer der Gründe ist die höhere Nachfrage in Osteuropa. Dort nimmt nach Berliner Beispiel der Fahrradverkehr stetig zu. Jede Woche erwischt die Bundespolizei an der Grenze zu Polen Transporter, die vollgestopft sind mit geklauten Fahrrädern.

Offizielle Statistik im April

„Eine Bewertung der Zahlen wird mit der Vorstellung der Kriminalstatistik für das Jahr 2012 vermutlich im April erfolgen“, sagt Polizeisprecher Carsten Müller. Er verweist darauf, dass es sich bei diesen Zahlen lediglich um eine Eingangsstatistik handelt. Das bedeutet, dass alle Anzeigen zu einer Straftat registriert werden – etwa wenn fünf Zeugen eines Einbruchs die Polizei anrufen, werden auch fünf Anzeigen verzeichnet.

Mitunter stellen sich auch Todesfälle, die zunächst als Tötungsdelikte angezeigt wurden, als Suizid heraus. Verzerrungen in dem Zahlenwerk können auch auftreten, wenn in Mitte eine Brieftasche gestohlen wird, deren Besitzer aber in Köpenick wohnt und erst dort zur Polizei geht.

Doch einen Trend zeigt diese Statistik allemal. „Der Anstieg ist alarmierend“, sagt der CDU-Politiker Peter Trapp, der Vorsitzender des Innenausschusses ist. „Die 250 Polizisten, die jetzt eingestellt und ausgebildet werden, müssen so schnell wie möglich auf der Straße eingesetzt werden.“