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Kriminalstatistik 2015: Berlin ist die Stadt der Taschendiebe

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Noch nie wurde in Berlin so viel gestohlen wie 2015.

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imago/SKATA

Die Zahl der Straftaten hat im vergangenen Jahr um rund fünf Prozent zugenommen. Während die Zahl der Diebstähle stark anstieg, geht es – laut Statistik – auf Berlins Straßen immer friedlicher zu.

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Den wohl stärksten Anstieg verzeichnete die Polizei bei der Zahl der angezeigten Taschendiebstähle. Im vergangenen Jahr registrierte sie rund 40 400 Fälle. Das ist ein Anstieg um mehr als ein Viertel, wie aus der Kriminalstatistik für das Jahr 2015 hervorgeht, die Innensenator Frank Henkel (CDU) am Freitag vorstellte.

Touristen würden besonders häufig Opfer von Taschendieben, sagte Polizeipräsident Klaus Kandt. Sie hätten in der Regel mehr Bargeld bei sich. „Brennpunkte sind der Potsdamer Platz, das Brandenburger Tor, Großveranstaltungen und der Nahverkehr.“

Obwohl es mehr Festnahmen und Vorführungen vor den Haftrichter gab, sank die Zahl der Haftbefehle. 2015 wurden 279 Tatverdächtige einem Richter vorgeführt. Das waren 44 mehr als im Vorjahr. Doch nur 126 kamen in Untersuchungshaft – 21 weniger als im Vorjahr. Zum Vergleich: In München liegt die Haftquote bei 80 Prozent.

Zur Frage, woran das liegt, sagte Polizeichef Kandt diplomatisch: „Ich will keine Justizschelte betreiben. Wir werden mit der Justiz besprechen, was zu tun ist.“ Gemeinsam will man ergründen, was zu tun ist, damit ein Richter davon überzeugt werden kann, dass er es mit einem gewerbsmäßigen Serientäter zu tun hat. „Professionelle Taschendiebe werden nur gestoppt, wenn sie in Haft gehen“, sagte Kandt.

„Wir fordern, dass die Justiz ihre rechtlichen Möglichkeiten voll ausschöpft“, sagte Michael Böhl vom Bund deutscher Kriminalbeamter. Ralf Knispel, Vorsitzender der Vereinigung Berliner Staatsanwälte, sagte dagegen: „Durch den starken Personalabbau der vergangenen Jahre lässt die Qualität der polizeilichen Bearbeitung oftmals zu wünschen übrig.“ Innerhalb der Polizeibehörde gehen jedoch viele davon aus, dass die Berliner Taschendiebfahnder nicht schlechter arbeiten als ihre bayerischen Kollegen. Jedes Jahr werden sie von Bayern angefordert, um auf dem Münchener Oktoberfest Taschendiebe zu jagen.

Die hohe Zahl der Taschendiebstähle ist zum großen Teil auch verantwortlich für den Gesamtanstieg der Straftaten um fast fünf Prozent.

Anstieg bei Kellereinbrüchen

Zugenommen haben auch andere Formen von Diebstahl. So stieg die Zahl der Kellereinbrüche um 34,6 Prozent an. Häufig gelangten die Täter durch offene Eingänge in die Keller von Altbauten. Noch nie sind auch so viele Fahrräder abhanden gekommen.

Entgegen dem Bundestrend ist die Zahl der Einbrüche in Wohnungen um mehr als zehn Prozent gesunken. Die meisten Einbrüche gab es in Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Einbrüche in Einfamilienhäuser nahmen dagegen erneut zu. Schwerpunkte waren hier Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf. Verantwortlich sind immer mehr Tätergruppen aus Südosteuropa, die von Stadt zu Stadt reisen.

Kandt kündigte an, dass in diesem Jahr eine Software für „Predictive Policing“ (Voraussehende Polizeiarbeit) getestet werde. Mit solchen Programmen errechnen Polizisten in Bayern und in der Schweiz die Wahrscheinlichkeit von Einbrüchen in bestimmten Gebieten. Dass sich Haus- und Wohnungsbesitzer inzwischen besser technisch gegen Einbrecher sichern sieht man daran, dass in 42 Prozent der Fälle die Einbrecher nicht in die Räume gelangten. Das ist ein Rekord. „Es war richtig, die Angebote der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle kostenlos zu machen“, sagte Frank Henkel. Im vergangenen Jahr habe sie rund 6 000 Mal beraten.

„Gewaltrisiko hat sich halbiert“

„Positiv ist, dass die Zahl der Gewalttaten einen historischen Tiefstand erreicht hat“, sagte Henkel. So sanken die Zahlen für Raub auf den niedrigsten Stand im Zehnjahresvergleich. Auch bei Körperverletzung geht die Kurve seit zehn Jahren nach unten. Sexualdelikte nahmen ebenso ab wie die Jugendgruppengewalt. „Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Gewalttat zu werden, hat sich gegenüber dem Jahr 2007 praktisch halbiert“, so Henkel. Und sein Polizeichef ergänzte: „Berlin ist so sicher vor Gewalt, wie in den letzten zehn Jahren nicht mehr.“

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Henkel führt den Rückgang der Gewalt auf die Präventionsarbeit der Polizei zurück, auf den Wertedialog, etwa an Schulen. „Dort wo wir Schwerpunkte setzen, verzeichnen wir weiter deutliche Erfolge.“ So habe man der Gewalt am Alexanderplatz gegengesteuert. Im öffentlichen Nahverkehr sei die Polizei doppelt so häufig präsent wie in der letzten Legislaturperiode. Polizeiintern wird allerdings darauf verwiesen, dass der Rückgang der Gewalt auch der demografischen Entwicklung geschuldet sei. Gewalt gehe häufig von jungen Männern aus. Von denen gebe es weniger als vor zehn Jahren. Zudem haben sich viele ehemalige Räuber auf Einbrüche verlegt, weil das Entdeckungsrisiko und die Strafen dafür geringer sind.



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